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07DEZ2021
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Als ich meinen Führerschein gemacht habe, hat mir mein Vater eine Christophorus-Plakette geschenkt. Christophorus, das ist in der katholischen Kirche der Patron der Reisenden, der Seeleute und heutzutage eben auch der Autofahrer. Seitdem ich meinen Führerschein habe, ist dieser Christophorus immer mit dabei. Er liegt in der Ablage unter der Mittelkonsole. Meistens denke ich gar nicht an ihn, wenn ich ins Auto springe, um schnell irgendwohin zu kommen. In diesem Jahr hat er aber eine neue Bedeutung für mich bekommen. Ein Mensch, der mir wichtig war, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Dadurch ist mir wieder bewusst geworden, welches Risiko ich eingehe, wenn ich ins Auto steige. Und vor allem: wenn ich unkonzentriert ins Auto steige. Wie oft denke ich gar nicht darüber nach, was ich da tue, weil es mal wieder schnell gehen muss. Und ich erinnere mich an einige Situationen, in denen es ganz schön knapp war, weil ich nicht aufmerksam gewesen bin. Glück gehabt! Aber auf mein Glück will ich mich nicht verlassen, wenn es um Menschenleben geht. Die Christophorus-Plakette ist für mich zu einer Art Ankerpunkt vor jeder Fahrt geworden. Ich sehe sie und halte kurz inne. Meine Gedanken, mit denen ich oft schon an meinem Zielort bin, verankert sie im Hier und Jetzt. Das ist wie ein kleines Stoßgebet, ein kurzer Austausch mit Gott, der mich fragt, ob ich bereit bin. Erst wenn ich sagen kann: Ja, ich bin konzentriert und mit meinen Gedanken ganz da. Erst dann fahre ich los. Egal, wie eilig ich es habe: Diesen kurzen Moment schulde ich allen, mit denen ich auf den Straßen unterwegs bin. Damit wir sicher ans Ziel kommen.

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06DEZ2021
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Auch in Deutschland gibt es sehr vermögende Menschen. Einige von ihnen haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen. Sie läuft unter dem Hashtag #taxmenow, also: besteuere mich jetzt, und wurde von Millionären in Deutschland gegründet. Sie finden: Der Staat sollte mehr Steuern von ihnen verlangen. Klingt erstmal ungewöhnlich, die meisten Menschen würden wohl eher weniger Abgaben zahlen wollen. Ihre Argumentation läuft so: Wenn der Staat sie nicht höher besteuert, sie aber trotzdem wollen, dass ihr Geld der Allgemeinheit zugutekommt, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als es zu spenden. Das Problem: Sie entscheiden dann selbst, welche Projekte sie unterstützen wollen und welche eben auch nicht. Die Menschen und Institutionen, die sie fördern, sind abhängig von ihrer Wohltätigkeit. Und wer nicht gefördert wird, hat Pech gehabt. Stattdessen wollen sie, dass in demokratischen Prozessen entschieden wird, wie das Geld sinnvoll und vor allem gerecht verteilt werden kann. Für mich steckt da ein ganz wichtiger Gedanke drin: Spenden können helfen – in akuten Notsituationen sind sie vielleicht sogar lebenswichtig. Aber sie können niemals ersetzen, dass allen Menschen die gleichen grundlegenden Rechte zukommen. Und die kann eben nur der Staat garantieren. Ich glaube, dass das gerade jetzt besonders wichtig ist. In einer Zeit, in der die sozialen Unterschiede durch die Pandemie sogar noch verschärft werden und unser gesellschaftliches Miteinander auf der Kippe steht. Da gilt es, sich besonders für Chancengleichheit einzusetzen. Ich finde, die Idee von #taxmenow ist dafür ein gutes Beispiel. Damit das Recht auf ein gutes Leben in Deutschland gestärkt wird – für alle Menschen.

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05DEZ2021
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Es dauert noch ein bisschen, bis Weihnachten ist. Aber ich mag es, mich schon im Advent darauf einzustimmen und die Kisten mit Weihnachtsdekoration aus dem Keller zu holen. Darin ist auch eine Krippe. Die gehört bei uns zum festlich geschmückten Haus dazu und steht jedes Jahr unter dem Weihnachtsbaum. Ochs und Esel und natürlich das kleine Jesuskind mit Maria und Josef. Ich lese auch jedes Jahr wieder die biblische Geschichte dazu. Einer kommt mir darin immer zu kurz: Josef. Auch wenn er eher unscheinbar daherkommt; seine Figur hat es in sich. Die Geschichte ist ziemlich dramatisch: Maria, eine junge Frau, wird schwanger; aber nicht von Josef, ihrem Verlobten. Zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, ist das ein Skandal. Ein uneheliches Kind darf es nicht geben. Gerade erst angefangen, könnte die Erzählung hier also schon wieder vorbei sein. Aber dann kommt Josef ins Spiel. Er könnte es sich leicht machen: Maria und das Kind, das nicht sein eigenes ist, ihrem Schicksal überlassen. Darüber denkt er auch nach, aber entscheidet sich schließlich anders. Er bleibt bei Maria und erklärt ihr Kind zu seinem Sohn. Dann wird nicht mehr viel von ihm erzählt, er bleibt im Hintergrund. Und doch ist alles weitere ohne seine Entscheidung für das Kind nicht denkbar. Für mich ist das die Geschichte eines großartigen und selbstlosen Menschen. In einer Situation, in der alles ins Wanken gerät, läuft er nicht weg. Obwohl er es nicht müsste, übernimmt Josef Verantwortung. Nicht indem er sich zum großen Helden aufspielt, sondern ohne viel Aufhebens. Überlegt und mutig. Und er macht damit einen wirklichen Unterschied. Für Maria und für Jesus. Menschen wie Josef gibt es auch heute. Sie stehen oft im Hintergrund und reden nicht viel über das, was sie tun. Auch wenn sie nicht auffallen: Ohne sie geht es nicht.

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