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26MRZ2021
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Morgen Abend beginnt unser achttägiges Pessach Fest mit dem Sederabend. Im hebräischen bedeutet Seder, Ordnung. Diese Ordnung bezieht sich auf den Ablauf der religiösen Zeremonie des Abends. Wir erzählen bei diesem Familienereignis über den Auszug der Ahnen aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit, verzehren symbolische Speisen und singen traditionelle Lieder. In diesem Jahr kündigt der Seder eine Neuordnung an, um dem Chaos der Pandemie, die uns umgibt zu entkommen. Es ist für uns ein neuer Aspekt, dass wir Dank sagen für vieles, das so oft für selbstverständlich gehalten wurde. Wir werden gewahr, wie sehr wir unsere Lieben schätzen und schützen, und auch unsere Beziehung zum Allmächtigen festigen wollen. Gerade in der Zeit der Dunkelheit und Angst.

Der Pessach ist auch eine Zeit der Gastfreundschaft. Es ist allzu schmerzlich, dass diese alte Tradition drastisch oder ganz und gar eingeschränkt sein wird, weil sich die meisten von uns in der Isolation befinden müssen. Denn die Erhaltung und der Schutz des Lebens haben Vorrang.

Wir müssen nachdenken, wie wir nach der Beendigung dieser Seuche uns individuell und auch gemeinschaftlich für diejenigen einsetzen können, deren Einsamkeit und Isolation, wir bisher vielleicht nicht wahrgenommen haben.

An diesem Abend sprechen wir: „…, dass wir uns in jeder Generation so sehen sollen, als ob wir selbst Ägypten verlassen hätten.“ Es ist eine Herausforderung über uns selbst hinaus zu blicken, uns nicht als Individuen zu identifizieren, sondern als Gemeinschaft, einen Teil der historischen Erfahrung unseres Volkes.

Aber Einheit muss nicht physisch gemeint sein. Sie kann auch durch Trennung erreicht werden - indem wir unsere Individualität fördern und uns auf unsere Möglichkeiten konzentrieren, wie wir unsere Welt ein klein wenig verbessern können.

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26FEB2021
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Archäologen der Universität Tel-Aviv fanden in der Nähe der Negev Wüste in Israel 3000 Jahre alte, gefärbte Stoffe. Dabei stellten sie fest, dass es sich hierbei um die Reste eines purpurnen Gewandes handelt. Dass diese organischen Materialien so lange erhalten geblieben sind wird auf das extrem trockene Wüstenklima des Fundortes zurückgeführt.

Das Aufkommen von Purpur in der Natur war selten und die Kosten für seine Herstellung immens, denn der Farbstoff musste in einem komplizierten Verfahren aus dreier Schneckenarten aus dem Mittelmeer gepresst werden. Daher war Purpur der teuerste Farbstoff in der biblischen Zeit. Nur Mitglieder des jeweiligen Königshauses, Adelige und hochrangige Beamte durften purpurne Kleidung tragen. Auch die römischen Kaiser hatten Purpur gefärbte Gewänder. Für Katholische Bischöfe ist die violette Soutane seit vielen Jahren charakteristisch.

Interessanterweise war Purpur eine Farbe, die wir oft in der Beschreibung des Wüstenheiligtums, der Stiftshütte in der Bibel vorfinden.  Purpur wird in der Bibel auch als Symbol des Königshauses angesehen. Des Weiteren lesen wir im biblischen Buch der Sprüche Salomons, in einem Gedicht, das er über die tugendhafte Frau verfasste folgendes (Spr.31:22): „Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert…. Sie hat sich Decken gefertigt, ihre Kleidung ist aus feinem Leinen und Purpur. “ Dieses biblische Gedicht wird allgemein als Ode an weibliche Stärke und Qualitäten verstanden.

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26FEB2021
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Wir lesen in unserer Schriftlektüre am morgigen Schabbattag: „Sie sollen Mir ein Heiligtum bauen, dass Ich mitten unter ihnen wohne.“  (2.B.M. 25:8)  Jüdische Denker erörtern, dass der Grund, das Ziel, einen Tempel /Heiligtum zu bauen, nicht bedeuten kann, einfach ein Haus, einen Raum für G-tt zu schaffen, sondern einen Platz, um Ihn, wie es in der Tora heißt, mitten im Volk zu heiligen. Aufgrund der Säkularisierung der Gesellschaft sind wir von der Auffassung gelenkt, dass das Haus G-ttes, „das Heiligtum“ etwas mit einer „Religion“ zu tun hat.  Und wir meinen, wir täten gut daran, „die Religion“ im Hause des G-ttesdienstes, - sei es eine Kirche oder Synagoge zu belassen.  Dann und wann gehen wir hin, nehmen an den Zeremonien teil, beten wir; danach gehen wir und tauchen wieder in den Alltag ein, um uns mit den gewöhnlichen Angelegenheiten unseres Lebens zu befassen.  Diese Anschauungsweise mag weit verbreitet sein, aber sie ist es nicht, was die Tora unter der Beziehung zwischen G-tt und Mensch versteht.

Die Meister der Tora meinten den Sinn und die Bedeutung des Heiligtums darin zu erkennen, dass G-tt „mitten unter uns weilt.“ Und mit uns wandelt. Was versteht die Tora unter dem Begriff „wandelt“? Unsere Weisen meinen, dass dies ein Sich-ständiges-Bewegen beinhaltet. Also, das Wandeln mit G-tt ist keine statische Angelegenheit. Wenn wir mit G-tt „Schritt halten“, dann bewegen wir uns, dann verändern wir uns.  In all den Fällen unseres so genannten „profanen“ Handelns, meinen wir, dass die Mitzwot, die Gebote G-ttes, das angemessene Verhalten, uns leiten müssen.  Sie sind wesentlicher Teil unserer Verpflichtungen in der Welt.  Wie kann man G-tt in unsere Wohnungen, Gemeinschaftseinrichtungen, hineinbringen?  In dem wir demonstrieren, dass wir Seine Gegenwart wünschen und uns danach sehnen, weil die Welt sonst kalt und unerträglich ist.

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29JAN2021
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Die Tora berichtet, wie unsere Vorfahren aus der Knechtschaft Ägyptens fliehen, in einer Nacht- und Nebelaktion losziehen, und durch die Wüste wandern. Dann kommen sie vor dem Schilfmeer zum Stehen. Scheinbar gibt es kein Weiterkommen mehr und der Zug in die Freiheit und in ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Land finden hier schon ihr Ende. Aber dann geschieht das Wunder: Die Fluten des Meeres teilen sich, das Volk kann wider Erwarten weiterziehen und erreicht trockenen Fußes das sichere Ufer. Die ägyptischen Verfolger aber versinken mit Ross und Reiter und samt ihres schweren Kriegsgeräts im zurückströmenden Wasser des Meeres. Angesichts dieses Wunders singen die Israeliten dem Herrn ein Loblied. Bis heute nennen wir diese Dankeshymne „Schirat ha Jam“, ‚Meeres-Lied‘. Und diesen Schabbat kennen wir als „Schabbat Schira“, als den ‚Schabbat des Lobliedes‘.

Gestern feierten wir das fröhliche Fest „Tu Bischwat“, das Neujahrsfest der Bäume. Dieses Fest ist in unserer Festkultur eine relativ junge Schöpfung.

In unserer nachbiblischen Lehre – in unserem „Talmud“ – findet sich eine Abhandlung mit dem Titel „Rosch Haschana“, was so viel wie „Neujahr“ bedeutet. Darin lernen wir, dass der fünfzehnte Tag im jüdischen Monat Schwat der „Neujahrstag der Bäume“ ist.

Um diese Jahreszeit, wo in Europa üblicherweise noch der kalte Winter herrscht, beginnen im Heiligen Land die Bäume zu blühen. Bäume und Wälder spielen für das ganze Klima des Orients eine große Rolle.  Das einst biblisch gepriesene Land, wo Milch und Honig floss, wurde von der Römerzeit an abgerodet und von den jeweiligen Besatzern ausgebeutet.  Jüdische Pioniere sahen darin eine Verpflichtung, das Heilige Land wieder zum Blühen zu bringen. Daher beteiligen sich an Tu Bischwat auch heute alle, Jung und Alt am Pflanzen. 

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Als Jochanan ben Sakkaj sterben sollte, kamen seine Schüler zu ihm und sprachen: Meister, segne uns! Da sprach er: Möge es stets so sein, dass die Furcht vor G-tt in euch nicht geringer sei als die Furcht vor den Menschen! Sie fragten: nur so groß hat die G-ttesfurcht zu sein? Er gab zur Antwort: Ach, dass sie nur so wäre! Ihr habt es erfahren: der Mensch, der eine Sünde begeht, kennt nur die eine Sorge: wenn mich doch keiner dabei sieht! Er weiß, dass nichts vor dem Heiligen, gelobt sei Er, verborgen bleibt, und dennoch scheut er nur die menschlichen Zeugen.

Aus: Talmud, Traktat Berachot 28/b

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Die biblische Schabbatlektüre beinhaltet einen Höhepunkt in der Geschichte Josefs. Als Vizekönig Ägyptens begegnet er nach langen Jahren, von diesen unerkannt, seinen Brüdern. Diesmal sind sie, die Josef einst töten wollten, sich dann aber damit zufriedengaben, ihn als Sklaven zu verkaufen, als Bittsteller gekommen. Josef könnte ihnen nun all ihre Grausamkeit heimzahlen. Man spürt - die Versuchung ist groß. Er stellt die Brüder auf die Probe indem er Benjamin, den Jüngsten wegen eines vorgetäuschten Diebstahls verhaften lassen will. Jehuda wehrt sich, - im Namen der Geschwister - aufs Äußerste.  Und Josef wird weich: nun gibt er sich als der „verlorene“ Bruder zu erkennen.

Der Vizekönig inszeniert bald eine der eindrucksvollsten „Familienzusammenführungen“ des Altertums. - Er schickt einen ganzen königlichen „Fuhrpark“ nach Kanaan, um den Vater und die Familie nach Ägypten zu holen, da die Hungersnot noch eine Weile andauern wird und er nicht will, dass Jakob und seine Sippe weiter Not erleiden müssen. Die Tora berichtet, daß „im Hause Pharaos bekannt wurde, was Josef plante“, und „das gefiel dem Pharao und seinen Dienern.“  Der Herrscher ermutigte Josef sogar: „Sage deinen Brüdern:  Beladet eure Tiere...nehmt euren Vater und eure Familien und kommt zu mir...“ (1.B.M. 45:16-18)

Von einem Tyrannen war dies äußerst nobel. Man hätte viel eher erwartet, daß er Josef für so viel Eigenmächtigkeit schelten und schlicht und einfach erklären würde: „Das Boot ist voll...wir sind kein Einwanderungsland“

Jakob, der Erzvater hatte dennoch ungute Gefühle.  Er fürchtete sich vor dieser Reise.  Er wollte nicht in einem fremden Land seine letzte Ruhestätte finden...Das Glück, den „verlorenen Sohn“, Josef nochmals zu sehen, ließ aber seine Ängste schwinden. 

Trotz der Freude über Josefs Karriere, - kein „Happy End“ á la Hollywood.  Mit der Auswanderung Jakobs begann das Diaspora-Leben der Israeliten- in der Fremde - und sollte noch 210 Jahre lang andauern...

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27NOV2020
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In unserer Toralektüre für diesen Schabbat erzählt die Schrift über die Abenteuer Jakobs und seiner Familie. Es ist vielleicht nicht unwichtig anzumerken, dass obwohl die Erzväter die g-ttlichen Zusagen das „gelobte Land“ ewiglich zu besitzen erhielten, sie trotzdem nie die Erfüllung dieser Verheißungen ungestört erleben konnten. 

G-tt schenkte das Land Abraham. Trotzdem musste er sogar für eine Grabstätte für seine Frau Sara 400 Silberschekel an die Hettiter entrichten, die das Land damals bewohnten.  Der zweite in der Reihe der Erzväter, Isaak hatte das Land zwar nie verlassen, wurde aber von den Nachbarn völlig grundlos gehaßt und mit Neid beobachtet.  Wenn er in der Wüste einen Brunnen aushob, wurde dieser von ihnen zugeschüttet.  Er wollte in der Wüste Ackerbau betreiben, doch fand er außer dem steinharten Boden alle Nachbarn gegen sich. „Darauf brach er von dort auf und grub wieder einen anderen Brunnen, um den stritten sie nicht mehr. Da nannte er ihn Rechowot (der Weite). Isaak sagte:  da hat uns der Herr weiten Raum geschaffen und wir sind im Land doch fruchtbar geworden.“ (1.B.M. 26:22)

 

Der dritte der Erzväter, Jakob hatte zwar den Segen seines Vaters mit der Verheißung erhalten, das Land eines Tages zu erben.  Trotzdem mußte er vor seinem Bruder Esau flüchten.  Er wird aber in seinem Glauben nie wankend.  Sieht nicht nur die lange Strecke vor sich, sondern vertraut auf die sichere Heimkehr: „Wenn G-tt mit mir ist, ... mich behütet, wenn er mir Brot zu Essen, ein Kleid zum Anziehen gibt, wenn ich wohlbehalten heimkehre, so soll Er mir mein G-tt sein.“ (1.B.M.28: 20-21)

Auf diese Bibelstelle stützt sich das erhabenste, schlichteste und zugleich schönste Gebet der Juden und Christen: „Unser täglich Brot gibt uns heute...“  Unsere Ansprüche in der modernen Zeit scheinen das alte Gebet und Gelöbnis Jakobs weit überholt zu haben.  Wie schade, daß das Glück des Menschen zu den wachsenden Ansprüchen fast immer in umgekehrtem Verhältnis steht.

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30OKT2020
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In der Toralektüre für diesen Schabbat erscheint der erste Jude: Abraham. Gleichzeitig der erste jüdische „Neueinwanderer“ in das Heilige Land.  Das Wort G-ttes wies ihn an: „Gehe aus deinem Lande fort, in das Land, das ich dir zeigen werde... (1.B.M. 12).“  „Verlasse dein Geburtsland, dein Vaterhaus...“. Das bedeutet: ziehe in die Fremde, in das Unbekannte. 

Doch eine Hungersnot vertrieb ihn und seine Familie nach Ägypten. Seine schöne, junge Frau Sara fällt im Land der Wunder der Antike angenehm auf.  Sie wurde alsbald in den Harem des Pharaos befördert, und Abraham, um nicht als angetrauter Ehemann kurzerhand aus dem Weg geräumt zu werden, erklärt: er sei der Bruder der Schönen. 

Eine Notlüge also zur vermeintlichen Rettung des eigenen Lebens. Umso größer die Überraschung Abrahams, als der Pharao ihn kommen lässt und ihn zur Rede stellt: „Warum hast du uns gesagt, dass Sara deine Schwester wäre?“ „Hier hast du deine Frau und nun verschwinde...!“ 
Somit „kassierte“ Abraham, der Diener des einzigen G-ttes von Pharao eine empfindliche Lektion: 
Man solle auch einem heidnischen Tyrannen keine bösen Absichten unterstellen.... Die späteren Lehren der Rabbinen sind daher auch im Talmud formuliert: (Pirke Awot) Bewerte jeden Menschen zu seinen Gunsten; oder: Verurteile deinen Nächsten nicht, bis du selbst in seine Lage geraten bist.... Diese jüdische Gesinnung vertrat, - aufgrund der Lehren der Rabbinen später auch Jesus, der diese Aussagen so formulierte:  Ihr sollt nicht urteilen; damit ihr nicht verurteilt werdet...

Weiterhin lesen wir im Wochenabschnitt über G-ttes Wort an Abraham:
„Du sollst ein Segen werden.“ (1.B.M.12:1-2) Dazu meinen aber unsere Weisen, dass Abraham durch diesen Segen keinesfalls eine „Sonderstellung“ über die Menschheit hatte.  Sondern ganz im Gegenteil. Er sollte diesen Segen den Menschen vorleben und von den Gütern, die ihm zuteil wurden auch anderen zukommen lassen. 

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23OKT2020
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Die biblische Geschichte von der Sintflut gilt bis heute als Urbild für entfesselte Naturgewalten. Sinn und Zweck der Sintflut lag keineswegs in der Auslöschung allen Lebens. Sondern im Aufbau einer neuen Welt auf neuen Fundamenten.

Lebten die Menschen   v o r   der Sintflut selbstbezogen und als Einzelgänger, so wird n a c h der Sintflut von jedem Menschen ein Sich-Einfügen in die Familie und die Gemeinschaft verlangt.

Das Versprechen G-ttes an Noach nach der Sintflut markiert einen Zeitrahmen. Denn wir lesen: „Solange die Erde sein wird, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht   r u h e n“ (1.B.M. 8:22). Demnach sollen wir es uns nicht bequem machen in einer Art Hängematte der Zeitlosigkeit. Wir sollen uns nicht als Herren über die Zeit begreifen.

Schon allein der Wechsel der Jahreszeiten gibt uns Menschen einen Zeitrahmen vor. Einer unserer Weisen meint: „der Wechsel der Jahreszeiten ist eine direkte Folge der Sintflut…“
Demnach hat der Mensch   v o r   der Sintflut einen ewigen Frühling genossen, wodurch er sich seine Zeit leicht selbst einteilen konnte.  N a c h   d er Sintflut hingegen, wird dem Menschen ein Jahreswechsel vorgegeben, dem er sich anzupassen hat. Dieser feste Rahmen der Zeit geht Hand in Hand mit einem festen Rahmen von Regeln für das Zusammenleben. Sie verpflichten uns G-tt zu achten, das Leben und die Familie zu achten, das Eigentum anderer zu achten, das Recht zu achten und Tiere zu schützen. Nach der Sintflut wird die Welt auf eine ethische Grundlage gestellt.

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25SEP2020
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Der Schabbat zwischen dem Neujahrsfest, Rosch Haschana und dem Versöhnungstag, Jom Kippur wird Schabbat Schuwa, der Schabbat der Umkehr genannt. Der Wochenabschnitt aus der Tora enthält den dichterischen Abschiedsgesang Moses’, dem es nicht vergönnt ist das Heilige Land zu betreten. Er beschwört sein Volk, weiter auf dem von G-tt gezeichneten Weg zu wandeln.

Er möchte, dass sein Volk für sich das Leben, den Lebensweg und die Lebensform des G-ttesvolkes wählt. Daher spricht er im Namen G-ttes: „Siehe, Ich lege dir heute das Leben vor, wie auch das Glück, das Gute und den Tod und das Böse...“  (5.B.M. 30:15) Es liegt auf der Hand, dass die Aussage der Tora „Wähle das Leben“ (5.B.M.30:19) den Menschen die freie Wahl schenkt. Sie sollen, müssen sogar selber die Entscheidung treffen. Zu jeder Zeit, für sich allein, ohne irgendwelche Beeinflussung oder Bevormundung.  Uns die Wahl zu erleichtern versuchten und versuchen die Lehrer Israels bis in unsere Zeit.  Ihre Aufgabe ist es von jeher gewesen aus den Intentionen der Heiligen Schrift, der Tora, einen Wegweiser zu finden.  

Ein gelehrter Rabbi, der im 18. Jahrhundert in Wilna, Litauen lebte, in der Stadt, die damals wegen der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit ihrer Einwohner „Klein - Jerusalem“ genannt wurde, war der erste wissenschaftliche Talmudforscher. Rabbi Elia, merkt zu dieser Torastelle zunächst an, dass die Schrift hier in der Anrede die Einzahl verwendet: „Siehe, Ich lege dir heute das Leben und das Glück vor...“  Er sieht darin einen Hinweis, dass es entscheidend ist, wenn auch die Zeiten sittlicher und ethischer Verwirrung, ein Herabsinken der gesellschaftlichen Moral mit sich bringen sollten, dass der Einzelne auch weiter in seinem Glauben stark bleibt, weil G-tt, sein Herr mit ihm für alle Zeiten einen Bund geschlossen hat und Seine Fürsorge für ihn nicht weichen wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31732