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26NOV2021
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Wir Juden sind seit den biblischen Zeiten zur Gastfreundschaft und Bewirtung von Gästen verpflichtet, auf Grund des Vorbildes unseres Erzvaters Abraham. Doch wir gelten auch als Künstler der einfachen, aber erfinderischen Küche.

Folgende Anekdote aus der Welt der Chassidim könnte dies unterstreichen: Ein Rabbi kam zu seinem langjährigen Amtsbruder zu Besuch. Jener bat sofort seine Frau dem verehrten Gast eine besondere Mahlzeit zuzubereiten. Die Frau war verzweifelt, da sie im Elend lebten und es im Haus nichts gab außer ein wenig Mehl. Letztendlich konnte sie aber aus dem Mehl und Wasser doch noch etwas Essbares zubereiten und stellte die Speise auf den Tisch. Heimgekehrt berichtete der Gast seiner Frau über die „himmlische Mahlzeit“, die ihm dort serviert wurde. Die Gattin war neugierig zu erfahren, was ihrem Mann aufgetischt worden war. Auf ihre Anfrage gab die Gastgeberin beschämt zu, dass sie nichts im Hause hatte außer Mehl und Wasser. Jedoch, während der Zubereitung hatte sie inbrünstig gebetet: „Herr der Welt, Du weißt, dass ich die besten und aufwendigsten Speisen für unseren Gast kochen würde, damit ich dem Gebot der Bewirtung von Gästen entspreche. Du weißt auch, dass wir nichts im Haus haben. Du aber Herr, G-tt, vermagst alles. Ermögliche doch, dass die Speise, die ich nun koche einen himmlischen Geschmack gewinne, damit der Gast sie geschmackvoll finde und sich an ihr sättige“. „Es scheint“, fügte die Frau dankbar hinzu, „dass der Herr mein Gebet erhört hatte“.

In den heutzutage oft bewunderten Kochsendungen sehen die Zuschauer die köstlichsten Zutaten und das in Hülle und Fülle. Vielleicht seufzen doch mehr Menschen als wir denken und stoßen aus vollem Herzen ein Bittgebet aus, dass es auch ihnen vergönnt werden möge die erblickten Leckerbissen auf ihrem eigenen Tisch zu sehen.

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05NOV2021
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Eine Legende, die in der jüdischen Folklore weit verbreitet ist, spricht von den 36 „Gerechten“, auf denen das Schicksal der Welt ruht, auch wenn sie unbekannt oder verborgen sind.

Warum gerade 36? Die Zahl 36 ist eine Verdoppelung von 18. In der Gematria, einer Form der jüdischen Zahlenmystik, steht die Zahl 18 für das Wort „Leben“, auf Hebräisch: Chaj.  „Chaj“ setzt sich aus den Buchstaben „Chet“, mit dem Zahlenwert 8 und „Jod“ mit dem Zahlenwert 10 zusammen, also 18. 36 repräsentiert demnach auch „doppeltes Leben“. Die talmudische Überlieferung kennt verschiedene Meinungen, wonach es in jeder Generation stets 36 Gerechte auf der Welt gibt. Sobald einer der 36 Gerechten stirbt, wird ein weiterer Gerechter geboren und nimmt sofort seine Stelle ein.

Unsere volkstümlichen Legenden erzählen, dass die Gerechten mystische Kräfte besitzen. Nicht nur, dass sie die Welt beschützen, sondern sie können auch Katastrophen, Bedrohungen und Verfolgungen eines Volkes abwehren. Sie leben nach manchen Meinungen zerstreut in der gesamten Diaspora, ohne einander zu kennen, ohne voneinander zu wissen. Sie selber wissen auch nicht, dass sie zu den 36 Gerechten gehören. Diese Legende ist in den eher mystischen Dimensionen des Judentums verankert.

Da niemand weiß, wer die Gerechten sind, sie selbst eingeschlossen, sollte jeder von uns sich so verhalten, als ob er oder sie vielleicht einer von ihnen sein könnte. Dies spornt an ein frommes und demütiges Leben zum Wohle der Mitmenschen zu führen.

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29OKT2021
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Unsere Wochenlektüre berichtet von Abrahams Trauer um den Tod seiner Gattin, der ersten jüdischen Frau.  Für ihre Beerdigungsstätte will er die Höhle Machpela bei Chewron von den Hethitern erwerben und verhandelt über den Kaufpreis mit ihnen, obwohl G-tt ihm ja das Land Kanaan geschenkt hatte. Für 400 Silberschekel wird ihm die Höhle überlassen. Nach dieser ersten „Immobilien-Transaktion“ der Geschichte sagt die Schrift:

„So wurde das Feld… samt der Höhle darauf,- nebst allen Bäumen, Abraham zum Eigentum, vor den Augen der Söhne Hets,- vor allen, die ans Tor der Stadt kamen.“  (1.4.B.M. 23:17) Aus der genauen Beschreibung der Tora über den Handel, erfahren wir, dass die Verhandlungen vor den Stadttoren stattgefunden hatten, vor den Augen und Ohren der Öffentlichkeit.  Es wurde genauestes festgelegt wer der Käufer und wer der Verkäufer war, wie hoch die Kaufsumme sei, in welchen „Devisen“ entrichtet werde.  Es gab zwar keine katasteramtliche, notariell bestätigte Urkunde, jedoch die anwesende Öffentlichkeit des Ortes bürgte für die Richtigkeit und Dauerhaftigkeit solcher Handelsobjekte.

David, der legendäre König Israels erwarb den Berg Morija in Jerusalem viel später.  An dieser Stelle erbaute sein Sohn, Salomon, nach dem Tod Davids das erste Heiligtum der Israeliten.  Unsere Vorfahren hatten durch das Entrichten der Kaufsumme auch ihre Besitzrechte im Lande der Verheißung stärken und unanfechtbar machen wollen. 

Die Höhle Machpela, die Grabstätte der Ahnen ist bis heute bedeutendes Ziel religiöser Pilgerfahrten. Der Berg Morija auf dem der Tempel einst stand ist auch nach der zweimaligen Zerstörung des jüdischen Heiligtums geistiges Zentrum des jüdischen Kultes und Sinnbild der nationalen Unabhängigkeit geblieben.  Die einzige Stätte des Landes, deren Heiligkeit unvergänglich ist. 

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24SEP2021
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Heute begehen wir den vierten Tag des achttägigen Laubhüttenfestes, auf Hebräisch Sukkot. Im Altertum war der Tempel zu Jerusalem während der Sukkottage der Schauplatz besonderer Zeremonien, der „Nissuach Hamajjim“, dem Ausgießen von Wasser auf dem Altar des Heiligtums.  Das Wasser wurde aus der Schiloach-Quelle, in der Nähe Jerusalems geschöpft und unter dem Klang des Schofars in den Tempel gebracht.  Der Sinn und die Bedeutung dieser Zeremonie ist der Wunsch und die Hoffnung, dass G-tt die Äcker Israels während der kommenden Regenzeit mit ausreichendem Niederschlag segnen möge.

Um biblische Zeugnisse im Heiligen Land zu entdecken, müssen Altertumsforscher nicht immer sehr tief graben. So wurde an der Stelle der altertümlichen Schiloach-Quelle, am Ende des 19. Jhdts. eine, mit althebräischer Schrift behauene Gedenktafel gefunden.  Diese Tafel bestätigt und ergänzt zugleich die biblischen Erzählungen und Berichte über die, von König Chiskijahu im 8. Jhdt. vor der Zeitrechnung erbaute Wasserleitung in Jerusalem.  Das zweite Buch der Könige berichtet über Chiskijahu (Hiskija) (20:20) wie er „den Teich und die Wasserleitung angelegt und das Wasser in die Stadt geleitet hat.“  Das zweite Chronikbuch (32:20) fügt noch ergänzend hinzu: “ Chiskijahu war es auch, der den oberen Abfluss des Gichonwassers versperrte und es nach Westen in die Stadt Davids (Jerusalem) hinableitete.“ In dem selben Tunnel, der die Quelle des Gichon Baches mit dem Schiloach-See verband, wurde die Gedenktafel gefunden, die übereinstimmend mit dem Text der Bibel über das Erlebnis der Arbeiter berichtet, die den Tunneldurchbruch bewirkt haben.

Diesen Arbeitern des Altertums gelang es nicht nur einen großartigen Augenblick zu verewigen, sondern gleichzeitig ihr eigenes Ebenbild und ihre Sprache für uns über 2600 Jahre hinweg zu vermitteln.

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03SEP2021
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Der Herr erhöre dich am Tage der Drangsal, der Name des G-ttes Jakobs setze dich in Sicherheit; Er sende deine Hilfe aus dem Heiligtum, und von Zion aus unterstütze Er dich Er gebe dir nach deinem Herzen, und alle deine Ratschläge erfülle er!

Jubeln wollen wir über deine Rettung, und im Namen unseres G-ttes das Banner erheben. G-tt erfülle alle deine Bitten! Jetzt weiß ich, dass der Herr seinen Gesalbten rettet; aus Seinen heiligen Himmeln wird er ihn erhören durch die Machttaten des Heils Seiner Rechten. Diese gedenken der Wagen und jene der Rosse, wir aber gedenken des Namens des Herrn, unseres G-ttes.  Psalm 20 aus der Bibel

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27AUG2021
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Gleich am Anfang beschreibt unsere Parascha ein Erntedank-Fest. Sie schildert uns, wie im Heiligtum die ersten Feldfrüchte dargebracht werden. Wobei der jüdische Landwirt seine erste Ernte nicht einfach nur wortlos vor den Altar legen soll. Vielmehr soll er dazu eine öffentliche Erklärung abgeben, die da lautet: „Ich tue heute dem Herrn kund, dass ich in das Land gekommen bin, das der Herr unseren Vätern zugeschworen und uns gegeben hat… (5.B.M. 26:3) Was geheiligt ist, habe ich aus meinem Hause geschafft und es dem Leviten gegeben, dem Fremdling, dem Waisen und der Witwe. Nach Deinem Gebot, das du mir geboten hast. Ich habe Deine Gebote weder übergangen, noch vergessen.“ (5.B.M.26:13)

Ihnen wird aufgefallen sein, dass hier der Levite erwähnt wird, der Fremdling, der Waise und die Witwe. Dies will uns den sozialen Auftrag des Erntedank-Festes vor Augen führen. Wenn der Landwirt des Heiligen Landes seine Felder, die G-tt ihm geschenkt hat, aberntet, so soll es für ihn selbstverständlich sein, die Leviten, die Fremden, die Waisen und die Witwen an seiner Ernte teilhaben zu lassen. Denn die Leviten als Tempel-Diener besitzen kein Land. Ebenso wenig der Fremde, also der Ausländer oder der Asylant. Und dass Waisen und Witwen die Unterstützung der Gesellschaft und Allgemeinheit brauchen, versteht sich von selbst. Daher steht ihnen ein Anteil an jeder Ernte zu. Ja, unsere Tora ist auch ein Sozialgesetzbuch.

Unsere Tora warnt uns immer wieder davor, Wehrlose auszunützen und sie verpflichtet uns dazu, Bedürftigen und Schwächeren zu helfen. Deswegen erwähnt sie so oft die Armen, die Witwen und die Waisen. Denn an Menschen, die Unterstützung brauchen, wird es nie mangeln.

Insbesondere am Ende des Fünften Mosebuches kämpft unsere Tora gegen jedes kollektive Vergessen. Dazu gehört, dass wir niemals versäumen dürfen, unseren Kindern die Geschichte unseres Volkes zu erzählen. Denn nur wer sich erinnert, nur wer weiß, woher er kommt, kann eine Vorstellung davon haben, wohin er geht.  

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30JUL2021
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Zu Beginn unseres Wochenabschnittes lesen wir in unserer Tora: „In ein Land des Weizens und der Gerste, des Weines, der Feige und Granatäpfel, in ein Land der Ölbeere und des (Dattel-) Honigs“ bringt dich der Herr. 

Unsere rabbinische Lehre hält diese sieben besonderen Früchte des Landes – Weizen, Gerste, Wein, Feige, Granatapfel, Olive und Dattel – für sehr bedeutsam. Sogar für so wertvoll, dass sie den Israeliten vorschreibt, den G-tt lobenden Segensspruch stets zuerst auf eben diese sieben Früchte zu sprechen, bevor man zu essen beginnt.

Im zweiten Teil unseres Wochenabschnittes lesen wir die Fortsetzung unseres Glaubensbekenntnisses. Die Fortsetzung unseres „Sch‘ma Jisra‘el“ – „Höre Israel“. Aus dem Mund von Moses lesen sich diese Verse wie ein Manifest des jüdischen Schul- und Erziehungswesens. Denn Moses spricht: „So legt denn diese meine Worte euch ans Herz und an die Seele.“ (5.B.M.11: 8) Die Betonung von „Herz“ und „Seele“ im Unterricht weist auf die verschiedenen Ebenen des Lehrens und Lernens hin. Der Lehrer muss Stoffe und Themen für seine Schüler aufbereiten. Stoffe und Themen, die das Gedächtnis und das Denken trainieren. Und nicht zuletzt auch Stoffe und Themen, die Gefühle von Liebe, Zusammengehörigkeit und Hilfsbereitschaft aufbauen und stärken. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass die im Judentum schon vor 2 000 Jahren eingeführte allgemeine Schulpflicht auf diese Verse in der Tora zurückgeht. Nicht nur die Väter, sondern vor allem die Mütter wirken bei der Unterweisung ihrer Kinder mit.

Zur Zeit des zweiten - zur Zeit des sogenannten H e r o d i a n i s c h e n - Tempels, ordnet der Hohepriester Josua ben Gamla an, dass jede Ortschaft eine Schule errichten muss.  Und bis heute gibt es kaum eine jüdische Gemeinde, in der es keine Schule und keinen „Melamed“, also keinen Lehrer, gäbe. In der Weltliteratur hat Joseph Roth mit seinem Buch „Hiob“ dem Dorflehrer Mendel Singer ein ewiges Denkmal gesetzt.

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02JUL2021
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Im Wertekanon unseres Judentums besitzt die Heiligkeit des Lebens auf dieser Welt ein besonderes Gewicht und steht an höchster Stelle. Die Rettung eines Lebens auf Hebräisch Pikuach Nefesch ist die Verpflichtung zur Rettung eines Menschenlebens aus jeglichen Gefahren. Pikuach Nefesch ist das wichtigste aller Religionsgebote. Denn: alles von G-tt geschaffene ist heilig. Der Mensch ist als G-ttes Ebenbild erschaffen worden und die g-ttliche Schöpfung erfüllt jedes Wesen mit einer individuellen Aufgabe in dieser Welt.  Für den Juden ist der Schabbat als erster Feiertag von G-tt geheiligt. Jedoch, das Leben eines Menschen, das ihm von G-tt geschenkt wurde, besitzt sogar dem Schabbat gegenüber Vorrang.

Im Talmud finden wir den folgenden Grundsatz: „Die Gerechten aus den Völkern haben einen Platz in der kommenden Welt.“ Der Begriff „die Gerechten der Völker“ gewann Verbreitung und Bekanntheit durch die Auszeichnung von Yad Vashem, der „Institution für die Bewahrung des Gedenkens“ des Staates Israel an unzählige Retter und Helfer während der Schoa.

Im Talmud wird auch folgende bekannte Aussage angeführt: (Mischna Traktat Sanhedrin. Kap. 4:5) „…Wenn jemand eine Seele vernichtet, wird es ihm angerechnet, als hätte er eine ganze Welt vernichtet; und wenn jemand eine Seele am Leben erhält, so wird es ihm angerechnet, als hätte er eine ganze Welt gerettet.“

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25JUN2021
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Für die langen, sommerlichen Nachmittage des Schabbattages hält unsere Tradition eine besondere Lektüre aus der nachbiblischen, talmudischen Literatur parat. Es sind die Pirkei Awot, die Weisheiten der früheren Gelehrten.  

Eine häufig verwendete Form unserer traditionellen Literatur ist, besonders wenn es darum geht sich die ethischen Lehren unserer Meister einzuprägen, eine Zahl zu verwenden und einzelne Lehrsätze daran zu knüpfen. Im Talmudischen Traktat Awot lernen wir: „Viererlei Gesinnungen gibt es unter den Menschen: die gewöhnliche Gesinnung: Das Meine ist mein, und das Deine ist dein.“ Die gewöhnliche Gesinnung wurde so bezeichnet, weil sie häufig anzutreffen ist. Menschen mit einer solchen Gesinnung wollen mit ihrer Einstellung auch betonen, dass sie sich um andere nicht kümmern. 

„Die Gesinnung eines Menschen aus dem einfachen Volk: Das Meine ist dein, und das Deine ist mein.“ Diese Gesinnung steht für eine Unbekümmertheit. Sie wird von den Gelehrten nicht verurteilt, aber auch nicht gelobt.

„Die Gesinnung eines Gerechten: Das Meine ist dein, und das Deine ist ebenfalls dein.“ Dies ist der lobenswerte, aber selten erreichte Standpunkt des Zaddiks, des Frommen, der bereit ist auf alles was er besitzt, zu Gunsten seiner Mitmenschen zu verzichten.

„Und die Gesinnung eines Gottlosen: - Das Meine ist mein, und das Deine ist auch mein.“ (Awot 5:12) Das ist der rücksichtslose, herrschsüchtige und gierige Typ eines Menschen. Für die Gelehrten des Altertums war dieser deshalb als Gottloser zu bezeichnen, weil er durch seine Einstellung, die g-ttliche Offenbarung, die den Mitmenschen natürliche Rechte auf ihr Hab’ und Gut gewährt, nicht anerkennen kann und will.

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28MAI2021
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Aus dem vierten Mosebuch lesen wir an diesem Schabbat über die Anfertigung der Menora, den siebenarmigen Leuchter. Er ist das älteste Symbol unseres Volkes und ist auch heute noch hierzulande häufig an altertümlichen, jüdischen Grabsteinen aus dem antiken Römerreich zu finden.

Nach dem Makkabäer Aufstand im zweiten Jahrhundert vor der Zeitrechnung, bedeutet die Menora den Sieg des Geistes über die Gewalt der syrischen Eroberer im Heiligen Land.  So wird sie vor 73 Jahren in das Staatswappen Israels aufgenommen.

„Und so war der Leuchter verarbeitet“- sagt die Tora, „aus Gold getrieben, sowohl Schaft als auch Blumen…“   (4.B.M. 8:4) Die so bearbeitete Menora, symbolisiert auch die Einheit des jüdischen Volkes.  So wie an ihrem Schaft, Blumen und Zweige miteinander verwachsen sind, so soll auch das jüdische Volk eine harmonische, einträchtige Gruppe darstellen.  Die Menora wird auch in späteren Zeiten sehr hoch geachtet.  Nachdem König Salomon den ersten Tempel in Jerusalem aufgebaut hatte, bestellt er zu dessen Einrichtung auch noch zehn goldene Menora- Leuchter.  Die Priester ziehen aber weiterhin die ursprüngliche Form vor, denn die neuen Leuchter sind nicht aus einem Stück, sondern bestehen aus einzelnen Teilen, die erst später zusammengeschmolzen werden.  Diese Besonderheit vergleichen unsere Weisen mit dem klassischen Familienbild:  Dort, wo die Beziehungen in der Familie nicht eng geknüpft sind, ziehen die Kinder es vor, - kaum, dass sie erwachsen werden- ihre eigenen Wege zu gehen.  Dagegen halten sie bei einer eng miteinander verbundenen Familie, auch später zusammen.  Bei der einen Familie leuchtet jedes Licht der Menora nur für sich. Bei der von Moses angefertigten Menora strahlen die Lichter zur Mitte des Leuchters hin.  So spiegelt sich auch in der Familie die seelische Harmonie zwischen den Kindern und den Eltern.

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