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Als Jochanan ben Sakkaj sterben sollte, kamen seine Schüler zu ihm und sprachen: Meister, segne uns! Da sprach er: Möge es stets so sein, dass die Furcht vor G-tt in euch nicht geringer sei als die Furcht vor den Menschen! Sie fragten: nur so groß hat die G-ttesfurcht zu sein? Er gab zur Antwort: Ach, dass sie nur so wäre! Ihr habt es erfahren: der Mensch, der eine Sünde begeht, kennt nur die eine Sorge: wenn mich doch keiner dabei sieht! Er weiß, dass nichts vor dem Heiligen, gelobt sei Er, verborgen bleibt, und dennoch scheut er nur die menschlichen Zeugen.

Aus: Talmud, Traktat Berachot 28/b

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Die biblische Schabbatlektüre beinhaltet einen Höhepunkt in der Geschichte Josefs. Als Vizekönig Ägyptens begegnet er nach langen Jahren, von diesen unerkannt, seinen Brüdern. Diesmal sind sie, die Josef einst töten wollten, sich dann aber damit zufriedengaben, ihn als Sklaven zu verkaufen, als Bittsteller gekommen. Josef könnte ihnen nun all ihre Grausamkeit heimzahlen. Man spürt - die Versuchung ist groß. Er stellt die Brüder auf die Probe indem er Benjamin, den Jüngsten wegen eines vorgetäuschten Diebstahls verhaften lassen will. Jehuda wehrt sich, - im Namen der Geschwister - aufs Äußerste.  Und Josef wird weich: nun gibt er sich als der „verlorene“ Bruder zu erkennen.

Der Vizekönig inszeniert bald eine der eindrucksvollsten „Familienzusammenführungen“ des Altertums. - Er schickt einen ganzen königlichen „Fuhrpark“ nach Kanaan, um den Vater und die Familie nach Ägypten zu holen, da die Hungersnot noch eine Weile andauern wird und er nicht will, dass Jakob und seine Sippe weiter Not erleiden müssen. Die Tora berichtet, daß „im Hause Pharaos bekannt wurde, was Josef plante“, und „das gefiel dem Pharao und seinen Dienern.“  Der Herrscher ermutigte Josef sogar: „Sage deinen Brüdern:  Beladet eure Tiere...nehmt euren Vater und eure Familien und kommt zu mir...“ (1.B.M. 45:16-18)

Von einem Tyrannen war dies äußerst nobel. Man hätte viel eher erwartet, daß er Josef für so viel Eigenmächtigkeit schelten und schlicht und einfach erklären würde: „Das Boot ist voll...wir sind kein Einwanderungsland“

Jakob, der Erzvater hatte dennoch ungute Gefühle.  Er fürchtete sich vor dieser Reise.  Er wollte nicht in einem fremden Land seine letzte Ruhestätte finden...Das Glück, den „verlorenen Sohn“, Josef nochmals zu sehen, ließ aber seine Ängste schwinden. 

Trotz der Freude über Josefs Karriere, - kein „Happy End“ á la Hollywood.  Mit der Auswanderung Jakobs begann das Diaspora-Leben der Israeliten- in der Fremde - und sollte noch 210 Jahre lang andauern...

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27NOV2020
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In unserer Toralektüre für diesen Schabbat erzählt die Schrift über die Abenteuer Jakobs und seiner Familie. Es ist vielleicht nicht unwichtig anzumerken, dass obwohl die Erzväter die g-ttlichen Zusagen das „gelobte Land“ ewiglich zu besitzen erhielten, sie trotzdem nie die Erfüllung dieser Verheißungen ungestört erleben konnten. 

G-tt schenkte das Land Abraham. Trotzdem musste er sogar für eine Grabstätte für seine Frau Sara 400 Silberschekel an die Hettiter entrichten, die das Land damals bewohnten.  Der zweite in der Reihe der Erzväter, Isaak hatte das Land zwar nie verlassen, wurde aber von den Nachbarn völlig grundlos gehaßt und mit Neid beobachtet.  Wenn er in der Wüste einen Brunnen aushob, wurde dieser von ihnen zugeschüttet.  Er wollte in der Wüste Ackerbau betreiben, doch fand er außer dem steinharten Boden alle Nachbarn gegen sich. „Darauf brach er von dort auf und grub wieder einen anderen Brunnen, um den stritten sie nicht mehr. Da nannte er ihn Rechowot (der Weite). Isaak sagte:  da hat uns der Herr weiten Raum geschaffen und wir sind im Land doch fruchtbar geworden.“ (1.B.M. 26:22)

 

Der dritte der Erzväter, Jakob hatte zwar den Segen seines Vaters mit der Verheißung erhalten, das Land eines Tages zu erben.  Trotzdem mußte er vor seinem Bruder Esau flüchten.  Er wird aber in seinem Glauben nie wankend.  Sieht nicht nur die lange Strecke vor sich, sondern vertraut auf die sichere Heimkehr: „Wenn G-tt mit mir ist, ... mich behütet, wenn er mir Brot zu Essen, ein Kleid zum Anziehen gibt, wenn ich wohlbehalten heimkehre, so soll Er mir mein G-tt sein.“ (1.B.M.28: 20-21)

Auf diese Bibelstelle stützt sich das erhabenste, schlichteste und zugleich schönste Gebet der Juden und Christen: „Unser täglich Brot gibt uns heute...“  Unsere Ansprüche in der modernen Zeit scheinen das alte Gebet und Gelöbnis Jakobs weit überholt zu haben.  Wie schade, daß das Glück des Menschen zu den wachsenden Ansprüchen fast immer in umgekehrtem Verhältnis steht.

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30OKT2020
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In der Toralektüre für diesen Schabbat erscheint der erste Jude: Abraham. Gleichzeitig der erste jüdische „Neueinwanderer“ in das Heilige Land.  Das Wort G-ttes wies ihn an: „Gehe aus deinem Lande fort, in das Land, das ich dir zeigen werde... (1.B.M. 12).“  „Verlasse dein Geburtsland, dein Vaterhaus...“. Das bedeutet: ziehe in die Fremde, in das Unbekannte. 

Doch eine Hungersnot vertrieb ihn und seine Familie nach Ägypten. Seine schöne, junge Frau Sara fällt im Land der Wunder der Antike angenehm auf.  Sie wurde alsbald in den Harem des Pharaos befördert, und Abraham, um nicht als angetrauter Ehemann kurzerhand aus dem Weg geräumt zu werden, erklärt: er sei der Bruder der Schönen. 

Eine Notlüge also zur vermeintlichen Rettung des eigenen Lebens. Umso größer die Überraschung Abrahams, als der Pharao ihn kommen lässt und ihn zur Rede stellt: „Warum hast du uns gesagt, dass Sara deine Schwester wäre?“ „Hier hast du deine Frau und nun verschwinde...!“ 
Somit „kassierte“ Abraham, der Diener des einzigen G-ttes von Pharao eine empfindliche Lektion: 
Man solle auch einem heidnischen Tyrannen keine bösen Absichten unterstellen.... Die späteren Lehren der Rabbinen sind daher auch im Talmud formuliert: (Pirke Awot) Bewerte jeden Menschen zu seinen Gunsten; oder: Verurteile deinen Nächsten nicht, bis du selbst in seine Lage geraten bist.... Diese jüdische Gesinnung vertrat, - aufgrund der Lehren der Rabbinen später auch Jesus, der diese Aussagen so formulierte:  Ihr sollt nicht urteilen; damit ihr nicht verurteilt werdet...

Weiterhin lesen wir im Wochenabschnitt über G-ttes Wort an Abraham:
„Du sollst ein Segen werden.“ (1.B.M.12:1-2) Dazu meinen aber unsere Weisen, dass Abraham durch diesen Segen keinesfalls eine „Sonderstellung“ über die Menschheit hatte.  Sondern ganz im Gegenteil. Er sollte diesen Segen den Menschen vorleben und von den Gütern, die ihm zuteil wurden auch anderen zukommen lassen. 

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23OKT2020
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Die biblische Geschichte von der Sintflut gilt bis heute als Urbild für entfesselte Naturgewalten. Sinn und Zweck der Sintflut lag keineswegs in der Auslöschung allen Lebens. Sondern im Aufbau einer neuen Welt auf neuen Fundamenten.

Lebten die Menschen   v o r   der Sintflut selbstbezogen und als Einzelgänger, so wird n a c h der Sintflut von jedem Menschen ein Sich-Einfügen in die Familie und die Gemeinschaft verlangt.

Das Versprechen G-ttes an Noach nach der Sintflut markiert einen Zeitrahmen. Denn wir lesen: „Solange die Erde sein wird, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht   r u h e n“ (1.B.M. 8:22). Demnach sollen wir es uns nicht bequem machen in einer Art Hängematte der Zeitlosigkeit. Wir sollen uns nicht als Herren über die Zeit begreifen.

Schon allein der Wechsel der Jahreszeiten gibt uns Menschen einen Zeitrahmen vor. Einer unserer Weisen meint: „der Wechsel der Jahreszeiten ist eine direkte Folge der Sintflut…“
Demnach hat der Mensch   v o r   der Sintflut einen ewigen Frühling genossen, wodurch er sich seine Zeit leicht selbst einteilen konnte.  N a c h   d er Sintflut hingegen, wird dem Menschen ein Jahreswechsel vorgegeben, dem er sich anzupassen hat. Dieser feste Rahmen der Zeit geht Hand in Hand mit einem festen Rahmen von Regeln für das Zusammenleben. Sie verpflichten uns G-tt zu achten, das Leben und die Familie zu achten, das Eigentum anderer zu achten, das Recht zu achten und Tiere zu schützen. Nach der Sintflut wird die Welt auf eine ethische Grundlage gestellt.

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25SEP2020
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Der Schabbat zwischen dem Neujahrsfest, Rosch Haschana und dem Versöhnungstag, Jom Kippur wird Schabbat Schuwa, der Schabbat der Umkehr genannt. Der Wochenabschnitt aus der Tora enthält den dichterischen Abschiedsgesang Moses’, dem es nicht vergönnt ist das Heilige Land zu betreten. Er beschwört sein Volk, weiter auf dem von G-tt gezeichneten Weg zu wandeln.

Er möchte, dass sein Volk für sich das Leben, den Lebensweg und die Lebensform des G-ttesvolkes wählt. Daher spricht er im Namen G-ttes: „Siehe, Ich lege dir heute das Leben vor, wie auch das Glück, das Gute und den Tod und das Böse...“  (5.B.M. 30:15) Es liegt auf der Hand, dass die Aussage der Tora „Wähle das Leben“ (5.B.M.30:19) den Menschen die freie Wahl schenkt. Sie sollen, müssen sogar selber die Entscheidung treffen. Zu jeder Zeit, für sich allein, ohne irgendwelche Beeinflussung oder Bevormundung.  Uns die Wahl zu erleichtern versuchten und versuchen die Lehrer Israels bis in unsere Zeit.  Ihre Aufgabe ist es von jeher gewesen aus den Intentionen der Heiligen Schrift, der Tora, einen Wegweiser zu finden.  

Ein gelehrter Rabbi, der im 18. Jahrhundert in Wilna, Litauen lebte, in der Stadt, die damals wegen der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit ihrer Einwohner „Klein - Jerusalem“ genannt wurde, war der erste wissenschaftliche Talmudforscher. Rabbi Elia, merkt zu dieser Torastelle zunächst an, dass die Schrift hier in der Anrede die Einzahl verwendet: „Siehe, Ich lege dir heute das Leben und das Glück vor...“  Er sieht darin einen Hinweis, dass es entscheidend ist, wenn auch die Zeiten sittlicher und ethischer Verwirrung, ein Herabsinken der gesellschaftlichen Moral mit sich bringen sollten, dass der Einzelne auch weiter in seinem Glauben stark bleibt, weil G-tt, sein Herr mit ihm für alle Zeiten einen Bund geschlossen hat und Seine Fürsorge für ihn nicht weichen wird.

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28AUG2020
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Öfters hört man, dass der Haussegen „schief hängt“ und meint damit, dass die sonst herrschende Einträchtigkeit innerhalb der Familie gestört ist. Zur volkstümlichen Religiosität gehörte es, dass man einen Segensspruch am Eingang oder auch im Haus anbrachte, um die Bewohner unter G-ttes Schutz zu stellen.

Im Judentum ist die häusliche Harmonie und die gute Beziehung zwischen Eheleuten eine religiöse Tugend und heißt im Hebräischen „Schalom Bajit“ - „Frieden im Haus“. Dieser sollte sich in Einheit, Vollständigkeit und Erfüllung manifestieren. Daher ist die traditionelle jüdische Ehe von Frieden, Fürsorge, Liebe und Respekt geprägt und gilt als heilig. Es wird angenommen, dass die Gegenwart G-ttes nur in einem reinen und liebevollen Zuhause weilen kann.  

Der freundliche Umgang mit anderen Menschen ist einer der wichtigen Grundsätze des Judentums. Schalom Bajit heißt, dass wir immer daran arbeiten sollen, diesen Frieden in unserem Heim zu mehren und zu sichern. Eltern sollten miteinander liebevoll und fürsorglich umgehen, damit sie auch ihren Kindern ein Vorbild sind.

Ein Grund, warum Schalom Bajit als ein so hoher jüdischer Wert gilt, ist, dass es nicht einfach ist, zu allen Menschen um uns herum nett und freundlich zu sein. Selbst unter den Erzvätern und ihren Nachkommen – Jizchak und Jischmael, Jakow und Esaw, Josef und seinen Brüdern – gab es Konflikte und Kämpfe. Die Tugend von Schalom Bajit lehrt uns, Friedensstifter zwischen den Menschen zu sein. Wir sind angewiesen, daran zu arbeiten, Streitigkeiten unter den Menschen auf friedliche Art und Weise zu beheben. Wenn wir streiten, oder wenn wir andere streiten sehen, müssen wir immer versuchen, einen Weg zu einer friedlichen Lösung des Konflikts zu finden.

Es ist gewiss keine Übertreibung zu behaupten, dass in unserer von Unruhen beladenen Zeit, Frieden zu stiften und ihn zu bewahren sich als so wertvoll erweisen kann, wie selten zuvor.

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21AUG2020
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Warum lässt G-tt tödliche Naturkatastrophen, millionenfaches Sterben unschuldiger Menschen und andere Ungerechtigkeiten zu?

Die Kirche spricht von einem liebenden, guten G-tt. Was ist gut an tödlichen Naturkatastrophen? Warum verhungern Kinder während G-tt sie liebt? Die zahlreichen persönlichen und kollektiven Katastrophen machen jedenfalls deutlich, dass es sich nicht nur um traurige Einzelfälle oder systemische Ausrutscher handelt. Vielmehr gehören Schicksalsschläge und Naturkatastrophen offenbar zum Leben der Menschen dazu. Sie sind gewissermaßen normal.

Stefan Bertels: Mein Gott.

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31JUL2020
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Die Erinnerung und die Trauer überschatten diese Tage für uns Juden. Gestern begingen wir mit schwerem, ganztägigem Fasten den Gedenktag der Zerstörung unserer heiligen Stadt Jerusalem, am neunten Tag des Monats Aw.

Die Zerstörung des Tempels beendete die Existenz des selbständigen jüdischen Staates, - vor 2000 Jahren und die Zerstreuung unseres Volkes in alle Welt. In vielen Gegenden sind Juden noch immer eine unterdrückte, benachteiligte Minderheit. Auch daher gilt Jerusalem als Hort der Erlösung.

Die Worte des Propheten Jesaja bilden die synagogale Lektüre für diesen Trauertag: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer G-tt; redet zum Herzen Jerusalems und rufet ihr zu, dass erfüllt ist ihre Leidenszeit…“ (Jes. 40: 1-2) Ein bekannter Gelehrter wies auf die Gründe für die Wiederholung des Anfangswortes von Jesaja: „Tröstet, tröstet mein Volk“- hin. Diese sollen unsere Aufmerksamkeit auf die kommende Erlösung Israels lenken.

Die Rabbinen meinen, dass die Erlösung in der Hand G-ttes liegt. Die rabbinische Exegese begründet diese Vorstellung mit einem weiteren Vers des Propheten Jesaja: (Jes. 60:22) Dort lesen wir: Ich, der Herr, werde… die Erlösung, wenn die Zeit anbricht hervorrufen.“, d.h. beschleunigen. Der Talmud (Sanh.98a) meinte hier zunächst einen Widerspruch entdeckt zu haben: Wann sollten wir die Erlösung erwarten? Schnellstmöglich, d.h. beschleunigt, oder aber „, wenn die Zeit anbricht“? Die Antwort lautet: wenn sich die Israeliten verdient gemacht haben, so könnte der Herr sein Erlösungswerk beschleunigen. Sollten die Israeliten es nicht „verdient“ haben, käme die Erlösung des Herrn,- „wenn die Zeit anbricht“, also verspätet. Jerusalem wird, ebenso wie ihre Heimkehrenden nur durch Gerechtigkeit ihrer Einwohner erlöst werden. (Jes.1:25)

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26JUN2020
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An den langen Schabbat- Nachmittagen lesen wir als Erbauungslektüre die Lehrmeinungen früherer Gelehrter, die Pirke Awot. In einem Kapitel (1:3) finden wir folgende Aussage des jüdischen Schriftgelehrten Antigonos, der im 2.-3. Jahrhundert vor der Zeit lebte:

„Seid nicht wie die Knechte, die dem Herrn nur in der Absicht auf Belohnung dienen! Seid vielmehr Knechte, die dem Herrn dienen ohne Absicht auf Belohnung! Und die Furcht vor dem Himmel sei bei euch!“.

Antigonos benutzte hier die Bildsprache des Orients und wollte mit dieser Aussage keineswegs die alltäglichen irdischen „Arbeitsverhältnisse“ ansprechen. Ihm ging es darum den Menschen, als einen Diener seines einzigen Herrn, G-tt darzustellen. Denn so manchem Menschen kommt die Beziehung zwischen G-tt und ihm selbst als ein „Dienstverhältnis“ vor. Der Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens jene Kräfte und Fähigkeiten, die ihm einst Sein Schöpfer schenkte. Gedanken über den G-tteslohn hat der Mensch nur für sich erdacht. Er kann, auf Grund seiner freien Willensentscheidung diesen Dienst ablehnen. Wir lesen im fünften Buch der Tora, in Deuteronomium (5.B.M.30:19): “…Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch, -- wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.“ – Der Mensch besitzt also das Vorrecht, für sich zwischen Gutem und Bösem die Wahl treffen zu können.

Der richtige Weg, das Gute, kann von uns manchmal ein Opfer oder Verzicht verlangen. Wird dieses Opfer „belohnt“? Gibt es dann einen „G-tteslohn“ für unsere Mühe?

Für Antigonos, dem vorhin zitierten altertümlichen Gelehrten sind diese Fragen nicht von Belang. Er lehrt uns, nicht des Lohnes wegen zu dienen, sondern bedingungslos, aus dem Bewusstsein heraus, dass wir Menschen zur Erfüllung Seiner Gebote erwählt worden sind.

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