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Ein anstrengendes Wunder, so ein Baby. Das denke ich manchmal, wenn ich junge Eltern beobachte. Und ich denke, so ist es auch den Eltern von Jesus gegangen.
Ein Mann namens Simeon hat sie wenige Wochen nach der Geburt getroffen. Der hat das sofort erkannt. Um seine Begegnung mit dem Kind Jesus und seinen Eltern geht es heute in den evangelischen Gottesdiensten.
Maria und Josef haben den kleinen Jesus in den Tempel gebracht. So war es damals der Brauch. Die Bibel erzählt, dass Simeon sie dort gesehen hat – und er hat Jesus auf den Arm genommen und zu Gott gesagt: „Mit eigenen Augen habe ich gesehen, dass von dir die Rettung kommt.“ Dass Gott die Welt ausgerechnet durch ein Kind retten will, ist schon schwer zu glauben, finde ich. Gerade jetzt sieht man doch, wie die Kinder weltweit der Gewalt und dem Terror ausgeliefert sind. Und doch hat Simeon Gott erkannt in diesem Kind.. Aber er hat dann auch gesagt, dass Jesus auf Widerstände stoßen wird. Und dass sein Weg für Maria viel Schmerz bedeuten wird.
Dass ein Kind ein kleines Wunder ist, das finde ich auch. So klein, und doch alles schon da. Und schon eine eigene Persönlichkeit. Ich denke, dass auch der Gedanke an Gott bei einem neuen Leben besonders nah ist. Aber mir kommen auch die erschöpften Gesichter frisch gebackener Eltern in den Sinn. Und das Seufzen darüber, wie oft sie diese Nacht aufstehen mussten. Und die Sehnsucht nach nur einer Nacht durchschlafen. Und auch, wenn die Kinder dann erwachsen sind: Die Sorgen, ob es dem Kind gut geht. Gerade, wenn der Kontakt nicht mehr so da ist oder es einen anderen Weg eingeschlagen hat, als man es sich gewünscht hätte.
Ich denke, so ein Kind ist also beides – ein Wunder. Ein Hinweis auf Gott. Aber auch anstrengend. Simeon erinnert mich, dass man Gott in beidem erkennen kann.
Leicht ist das, wenn ich über das Wunder staune. Aber ich glaube, Gott ist auch da, wenn mir die Aufgabe zu groß erscheint. Wenn der Mensch, um den ich mich kümmere, mich an meine Grenzen bringt. Simeon hat jedenfalls erkannt, dass dieses Kind, Jesus, seinen Eltern viel abverlangen wird. Und er hat Maria und Josef gesegnet. Ich denke, damit hat er ihnen auch Mut gemacht und ihnen gezeigt, dass Gott an ihrer Seite ist und ihnen helfen wird. Ich glaube, so einen Zuspruch braucht man ab und zu, wenn man Kinder hat. Und Menschen, die einem Mut machen.

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Sie hat es getan: Brittany Maynard hat sich umgebracht. Sie hatte Krebs und wollte ihrem Leben ein Ende setzen, bevor sie es nicht mehr erträgt. Sie hat das öffentlich angekündigt. Deshalb haben viele wieder darüber gesprochen, ob Todkranke ihr Leid verkürzen dürfen.
Aber ich finde es wichtig, nicht nur über Sterbehilfe nachzudenken. Sondern vor allem darüber, was zum Leben hilft und wie man mit schwerer Krankheit umgehen kann. Was einem dabei helfen kann, zu leben, obwohl das Leben schwer ist. Ein Zitat von Paulus gefällt mir da ganz gut. Es geht darum, wie es hier auf der Erde ist – und Paulus sagt, dass das Leben auch schwer ist und dass es schlimm sein kann. Paulus schreibt dazu: „Unser Zelt hier auf der Erde wird abgebrochen werden. Und dann bekommen wir von Gott eine neue Bleibe – ein Haus im Himmel, das für immer bleibt.“ (2. Kor. 5,1) Darüber wird heute in den evangelischen Gottesdiensten gesprochen.
In einem Zelt zu leben statt in einem Haus – das ist unsicher und dem Wetter ausgesetzt. Aber ein Haus ist fest und sicher. Paulus sagt: Wenn ich einmal bei Gott sein werde, dann ist es wie in einem festen Haus. Da bin ich zu Hause und geborgen. Diese Perspektive, einmal bei Gott zu und dort zu Hause zu sein - die gibt Paulus Kraft. So kann er das Schwere hier im Leben besser aushalten.
Ich verstehe ihn so: Wenn ich weiß, dass es noch einmal anders wird, dann kann mir das Kraft geben. Mir ist es schon so gegangen, als ich mal eine schwierige Zeit hatte. Da war es für mich gut, wenn ich mir bewusst gemacht habe: Eines Tages fällt das nicht mehr ins Gewicht. Und es hat mir geholfen, wenn mir jemand gesagt hat: Es wird auch wieder anders sein. Vielleicht braucht es auch bei schwerer Krankheit Menschen, die einem das sagen. Die einem Hoffnung machen auf das neue Leben bei Gott. Und die auch zeigen, dass sie für einen da sind und dass man ihnen wichtig ist. Ich glaube, das kann eine Hilfe sein, dass ich am Leben festhalten kann.
Ich weiß nicht was Brittany Maynard am Ende gedacht hat und ob es für sie noch möglich war, Hoffnung zu haben. Denn ich habe auch schon Menschen kennengelernt, die haben tatsächlich keine Hoffnung mehr für sich gesehen. Aber ich finde, nur über Sterbehilfe nachzudenken, greift trotzdem zu kurz. Ich glaube, dass der Gedanke: Bei Gott habe ich noch eine andere Zukunft – dass der zum Leben helfen kann.

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"Frage Dich, was Dich lebendig macht. Denn nichts braucht die Welt so sehr wie Menschen, die lebendig geworden sind." Das Zitat hat mir vor kurzem jemand geschickt. Ich weiß nicht, von wem das ist. Aber irgendwie hat es mich beeindruckt. Und ich hab tatsächlich drüber nachgedacht: Was macht mich eigentlich lebendig? In welchen Momenten fühle ich mich so richtig lebendig? Oder: Wann denke ich – das ist Leben pur? Ich hab dann mal ein paar Wochen lang darauf geachtet, wann das so ist. Und dann gemerkt: Es gibt viele solcher Momente. Zum Beispiel, wenn ich mich mit jemandem total gut unterhalten habe und das Gefühl hatte: Da waren wir richtig drin vertieft. Da haben wir geredet, diskutiert, gelacht - und am Ende die Zeit vergessen. Oder wenn nach dem Regen gerade die Sonne rausgekommen ist, und ich Laufen gehe. Dann fangen die Wege wieder an zu trocknen. Und ich hab so richtig Lust, loszulaufen, mich zu bewegen und voran zu kommen. Dann merke ich: Alles um mich herum ist voller Leben. Und ich auch.
Die Bibel sagt dazu: Dass ich lebendig bin, habe ich von Gott. Darum geht es heute in den evangelischen Gottesdiensten. In einem der Schöpfungsberichte steht: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“ (1. Mose 2, 7)  Ich kann mir irgendwie nur schwer vorstellen, dass ein Mensch buchstäblich aus Erde geformt wird. Aber dass der Menscheden Lebensatem direkt von Gott hat, das finde ich einen faszinierenden Gedanken. Für mich bedeutet das: Ich bin mit Gott verbunden – und alle anderen Menschen auch. Weil ich das Leben von Gott bekommen habe. Weil mein Leben von Gott gewollt ist. Für mich ist Gott so etwas wie die Quelle von Leben, von Lebendigkeit. Wenn ich mich dann so richtig lebendig gefühlt habe, dann denke ich manchmal am Ende des Tages nochmal daran und ich danke Gott dafür. Dann habe ich den Eindruck: Da stehen diese Momente in einem weiteren Rahmen. Und ich komme in Berührung mit dem lebendigen Gott.

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„Welcome to my home! - Willkommen bei mir zu Hause!“ Eine Frau in Johannesburg hat uns stolz in ihre Hütte geführt. Und uns gezeigt, was alles zu ihrem zu Hause gehört: eine Kochplatte, ein Mini-Fernseher, ein Bett. Ein kleiner Kühlschrank. Tisch und Stuhl. Alles in einem Raum. Zur Toilette für alle muss man über den Hof gehen. Ja, das ist schon ein bisschen nervig manchmal, wenn es regnet, hat sie gesagt und gelacht. Und ich hab mir gedacht: Ist doch erstaunlich, mit wie wenig man auskommen kann. Und trotzdem glücklich und stolz sein.
Manchmal denke ich  an sie, wenn ich mir anschaue, was ich an Zeug in der Wohnung rumstehen habe. Eigentlich wäre das meiste davon tatsächlich nicht nötig. Und es ist wenig, was ich wirklich zum Leben brauche. Wie viel genug sein kann – davon erzählt eine Geschichte aus der Bibel. Sie ist heute Thema in den evangelischen Gottesdiensten.
Die Israeliten sind in der Wüste unterwegs. Und jeden Morgen liegt Brot auf der Erde, das Manna, eine süße, nahrhafte Substanz von bestimmten Insekten. Gott selbst versorgt seine Leute. So verstehe ich das. Und Gottes Anweisung war: „Sammelt davon so viel, wie jeder zum Essen braucht.“ Essen für einen Tag, ein Krug voll pro Person, und eben nicht mehr. Das genügt. Nur für einen Tag. Dazu müssen sie aber Gott vertrauen, dass er auch morgen Brot schenken wird. Eben jeden Tag.
Hätte ich das hingekriegt? Hätte ich dieses Vertrauen, dass Gott auch morgen für mich sorgt? Oder hätte ich doch gemeint: Ich nehm lieber ein bisschen mehr, wer weiß, was morgen ist. Vielleicht kann ichs ja doch brauchen. Vielleicht bin ich morgen froh, dass ich mehr habe. Ja, Vorsorgen ist auch wichtig, keine Frage. Gerade, wenn man nicht nur für sich selbst verantwortlich ist, sondern auch noch für andere mitsorgen muss. Aber zur Vorsorge gehört für mich auch Gottvertrauen. Das Vertrauen: Gott wird mir auch morgen geben, was ich brauche. Ich kann mich auch mal nur um heute kümmern.
Ich glaube, mit dieser Haltung zu leben – das macht das Leben leichter. Dass ich mir immer mal wieder bewusst mache, was ich wirklich brauche. Und was Gott mir schon gegeben hat. Dass ich mir auch mal anschaue, was ich habe, und das dann auch wirklich genieße und mich darüber freue --- wie die Frau in Südafrika. Endlich mal das Buch lesen, das ich vor einiger Zeit geschenkt bekommen habe und das seither nur im Regal gestanden hat. Oder Fotos sortieren und mich über die schöne Zeit freuen. Genießen, was Gott mir gegeben hat. Heute, am Sonntag, ist Gelegenheit dazu.

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„Wenns bei mir so weit ist – was hab ich dann vorzuweisen?“ Das hat mich mal eine Frau gefragt. Wir haben uns nach einer Beerdigung getroffen. Und da war ständig die Rede davongewesen, was der Verstorbene alles geleistet hat. Wie viel Gutes er getan hat, für seine Mitmenschen. Was er alles erreicht hat. Was für ein Vorbild er für alle war. 

„Und was hab ich dann vorzuweisen?“  Die Frau hat mich getroffen mit ihrer Frage. Dabei ist es doch verständlich. Der Wunsch, dass jemand am Ende des Lebens was Gutes über einen sagt. Verwandte, Freunde und Nachbarn. Dass sie sagen: Das war ein guter Mensch. Und vielleicht auch: Der hat es echt weit gebracht. Respekt!

Aber was, wenn ich mir eben nicht so sicher bin. Vielleicht gibt’s ja gar nicht so viel Gutes über mich zu sagen? Wenn ich mein Leben anschaue und mich frage: wie werde ich wohl einmal von den Leuten beurteilt. Und mancher denkt vielleicht auch: Wenn ich einmal vor Gott stehe. Wie werde ich da beurteilt? Von Gott? Ich war doch gar nicht so für meine Kinder da, wie ich eigentlich wollte.  Oder: zwanzig Jahre Schweigen zwischen mir und meinem Bruder, weil keiner von uns den ersten Schritt tun wollte. Damit stehe ich nicht gut da.

Aber ich glaube nicht, dass es bei Gott so zugeht. Dass er dann fragt: Mensch, was hast du vorzuweisen. Ich glaube, dass es eher wie in einer Geschichte sein wird, die Jesus einmal erzählt hat. Sie geht so:

Ein Sohn lässt sich von seinem Vater sein Erbe auszahlen und versucht sein Glück in der weiten Welt. Alles fängt gut an, aber endet im Misserfolg. Da beschließt er, zurückzukehren und seinen Vater um Arbeit zu bitten. Als er dann die Straße entlang kommt, rennt ihm der Vater schon entgegen. Er hat seinen Sohn von weitem kommen sehen. Und als der Sohn sagen will: „Ich habe überhaupt nichts vorzuweisen“, fällt ihm der Vater um den Hals. Er nimmt ihn wieder als seinen Sohn bei sich auf und feiert ein Fest.

Ich glaube, so wie dieser Vater ist Gott. Und was andere über mich sagen - ich denke nicht, dass mir das in dem Moment noch wichtig sein wird.

Wie gut, dass ich mir darüber nicht so viele Sorgen machen muss. Ich finde, das entlastet mich auch. Und ich hab mehr Freiheit, das zu tun, was mir wirklich wichtig ist. Zeit mit den Menschen verbringen, die mir etwas bedeuten. Das Leben genießen und meine Begabungen nutzen. Auch einfach mal was ausprobieren. Und dabei hoffentlich immer mehr verstehen, wie Gott ist. Wäre doch schön, wenn am Ende die Menschen darüber reden würden.

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Ich bewerb mich jetzt einfach mal. Einfach, um zu sehen, was ich so wert bin.“ Das hat vor einiger Zeit ein Freund zu mir gesagt. „Oh - damit du weißt, was du wert bist.“ Hab ich geantwortet. Und wir haben beide kurz lachen müssen. Weil der Satz so verräterisch war. Ich bin wert, was ich verdienen kann. Und wenn ich mich bewerbe, sehe ich das. Dann bekomme ich so eine Art Kontoauszug meines aktuellen Werts.

Dieser Gedanke: Ich bin wert, was ich verdiene – was ich für meine Arbeit bekomme - ich glaube, der kann tief in einem drin stecken. Geld bedeutet auch Anerkennung. Dann kann ich mal richtig spüren, dass meine Arbeit was bringt.Ich glaube, für viele funktioniert das auch gut. Aber wenn ich einmal nicht so viel leisten kann, wenn ich nicht mehr so viel Anerkennung bekomme oder der Erfolg auf einmal ausbleibt - was mache ich dann?

Die Bibel erzählt: In so einer Situation war Petrus einmal. Er war Fischer. Die ganze Nacht hat er hart gearbeitet, aber es hat nichts gebracht. Als es morgen wurde, hatte es immer noch nicht geklappt. Kein Fisch im Netz, kein Erfolg. Nichts, was man nach Hause bringen kann. Ich glaube, als er angelegt hat, war er ziemlich frustriert. Da setzt sich Jesus zu ihm ins Boot und nach einer Weile sagt er zu ihm: „Wirf dein Netz nochmal aus.“ Petrus wundert sich – mitten am Tag? Das widerspricht aller Erfahrung. Aber er vertraut Jesus und probiert es. Und dann ist sein Erfolg so groß, dass er ihn kaum fassen kann. An dem Tag hat er sich Jesus angeschlossen.

Bei Petrus hat es dann ja doch geklappt mit dem Erfolg. Aber das war nicht alles. Und ich glaube, das Entscheidende war, dass er in seinem Frust Gott begegnet ist. Als er eben keinen Erfolg hatte. Und dass Petrus Jesus zugehört und ihm vertraut hat. Da muss sich etwas bei ihm verändert haben. Nicht, dass Petrus nun die Fische egal waren. Über den großen Fang hat er sich sicher gefreut. Aber er hat auch gemerkt: Es geht im Leben eigentlich um etwas anderes. Mehr von Jesus lernen – das war Petrus jetzt am wichtigsten. Das war für ihn der größte Wert.

Ich denke, mit dem Geld kann es einem so ähnlich gehen. Es ist ja nicht völlig egal, ob ich Geld habe oder nicht. Das brauche ich ja zum Leben.  Aber es ist Mittel zum Zweck. Es ermöglicht mir, dass ich mein Leben leben kann. Und ich freu mich darüber, was ich damit machen kann. Etwas Schönes unternehmen. Oder auch, jemandem helfen, der Unterstützung braucht. Das ist ein schönes Gefühl. Aber ich glaube: wie viel ich verdiene, sagt nichts über meinen Wert aus.

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Ich kanns nicht immer glauben, wenn mir jemand erzählt, was Gott Großartiges für ihn gemacht hat. Oder, dass Gott  ihm ständig irgendwelche Zeichen schickt. Da hab ich dann schon so meine Zweifel.

Andererseits: Dass es immer nur Zufall war oder Glückssache, wenn etwas ungewöhnlich Gutes passiert - das leuchtet mir auch nicht ein. Zum Beispiel bin ich einmal mit dem Auto nicht die übliche Strecke gefahren, sondern den Umweg über die Autobahn. Ohne dass es dafür einen Grund gegeben hätte.  Als ich dann auf die Autobahn aufgefahren bin, hab ich im Radio gehört: auf der anderen Strecke ist ein Falschfahrer unterwegs. Und dass es schon ein paar Unfälle gegeben hat.

Ich war erleichtert und dankbar, dass ich ausnahmsweise einen anderen Weg genommen hatte. Und ich hab spontan gedacht: Da hat mich Gott bewahrt. Da hab ich in Gedanken zu Gott gesagt: Danke. Für mich war klar: Das war kein Zufall. Obwohl man das sicher auch so sehen könnte. Und außerdem hat es ja Unfälle gegeben. Auch wenn niemand ums Leben gekommen ist. Bloß mir ist nichts passiert.

Hat Gott die anderen Leute dann nicht beschützt? Oder war gerade das sein Schutz, dass nichts Schlimmeres passiert ist? Und wenn jemand tödlich verunglückt wäre? Hätte Gott den dann nicht beschützt? Schwer zu sagen.

Trotzdem war ich mir damals sicher: Diesmal wars kein Zufall, nicht einfach nur Glück gehabt. Und ich hab ich wirklich gestaunt.  Jetzt denke ich: wenn man etwas Ungewöhnliches erlebt und darüber so richtig staunt – dann ist der Gedanke an Gott oft nicht mehr weit. Oder zumindest daran, dass es da noch mehr gibt.

Und ehrlich gesagt: Wenn mir so etwas Besonderes passiert, dann möchte ich auch gerne jemandem Danke sagen. Gott danke zu sagen, gibt vielleicht auch mehr Zuversicht. So wie in einer Geschichte in der Bibel. Jesus hat einen Mann geheilt, aber der hat es erst unterwegs gemerkt. Da hat er umgedreht und sich bedankt. Und Jesus hat zu ihm gesagt: Dein Glaube hat dir geholfen.

Sich bedanken lässt die Zuversicht wachsen. So verstehe ich das. Denn dann wird mir bewusst, dass Gott mich nicht vergisst. Dass er auch in Krisenzeiten ein Auge auf mich hat. Und das hilft mir entspannter zu leben.

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Wenn mich jemand das erste Mal zu sich nach Hause einlädt - da bin ich oft angespannt. Gerade, wenn wir sonst nicht so viel miteinander zu tun haben und uns noch nicht so kennen. Neue Nachbarn, zum Beispiel. Oder, wenn ich das Gefühl habe, dass wir ziemlich unterschiedlich sind. Weils eine andere Kultur ist. Oder weil die Person im Alltag was völlig anderes macht als ich. Da überlege ich, über was ich dann reden soll. Was ich anziehen soll. Wie das wohl alles wird. Und befürchte auch, dass ich etwas falsch machen könnte. Dass es dann für alle komisch wird.
So ähnlich ist es vielleicht auch dem Apostel Petrus gegangen. Der hatte auch Bedenken. Darum geht es heute in den evangelischen Gottesdiensten. Petrus hatte von klein auf gelernt, dass er als Jude nicht ins Haus eines Römers gehen soll, und schon gar nicht mit ihm essen. Dass das gegen die Vorschrift ist. Dass man das nicht macht, mit den Römern essen. Der fremden Besatzungsmacht. Also war Petrus noch nie bei einem Römer zu Hause. Und dann hat ihn ein Mann namens Kornelius zu sich eingeladen. Der war auch noch ein römischer Hauptmann.
Aber Petrus hatte vorher eine Art Tagtraum. Darin hatte ihm Gott gezeigt, dass er hingehen soll. Also ist er angereist, 50 km weit. Irgendwann ist es so weit: Er steht vor der Tür. In dem Moment kommt ihm Kornelius entgegen. Er begrüßt ihn, sie unterhalten sich. Und dann geht’s auf einmal ganz leicht. Später am Abend hat Petrus gesagt: „Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht.“
Petrus hat gelernt: Gott sieht nicht auf die Person. Es ist für ihn nicht wichtig, ob jemand Jude ist oder Römer. Heute ist vielleicht die Frage: Ob jemand Deutscher ist oder Rumäne. Oder, ob er einen EU-Pass hat oder nicht. Aber diese Unterscheidungen – die gelten bei Gott nicht.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fordert mich das heraus. Weil ich doch nicht auskomme ohne Kategorien. Und es ist ja auch nicht alles das Gleiche, denke ich dann. Es gibt sie ja, die Unterschiede, zwischen den Menschen. Zwischen Völkern, Kulturen und Religionen.
Aber darum geht es vielleicht auch nicht. Sondern darum: Dass ich mich über die Schwelle traue. Dass ich einlade und mich einladen lasse. Dass ich nicht meine, ich weiß doch schon, wie der ist. Sondern offen bin, dass es auch anders sein könnte. Dass so eine Einladung auch schön werden könnte. Das habe ich jedenfalls auch schon erlebt. Manchmal braucht es ein bisschen Zeit zum Anwärmen – aber dann wird’s doch irgendwie gut.

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