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Woche vom 03.10.2010 bis 09.10.2010




Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

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Erntedankfest

Sonntag, 03. Oktober 2010     [Druckversion]

Zwischenstopp: Das Leben feiern

Das Erntedankfest heute ist so etwas wie ein Zwischenstopp auf dem Weg durch die Jahre. Wie auf einer Wanderung oder Radtour ist das: Man muss gelegentlich Pause machen. Man hält an, streckt sich, lockert Arme und Beine, atmet durch und atmet auf und schaut zurück. Soviel ist geschafft. Darauf kann man stolz sein. Mehr noch, wir Christen sind überzeugt: „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn" (EG 508,1)

Das singt man am Erntedankfest in der Kirche, denn: ob wirklich wächst und gedeiht, was man tut - am Ende hat man das eben doch nicht allein in der Hand. Und das gilt nicht nur in der Landwirtschaft. Da aber hat man immer schon besonders gespürt, wie sehr zu allem eigenen Bemühen zum Beispiel noch gutes Wetter dazu kommen muss, das man eben nicht selber machen kann. Deshalb haben gerade die Bauern schon immer die Ernte mit üppigen Festen gefeiert. Der Wasen in Bad Cannstatt, das Oktoberfest in München, die Winzerfeste an Rhein und Mosel. Im Grunde sind das ja alles Erntefeste.

Dass es gut ist, so ein Fest zu feiern und sich über all das zu freuen, was gewachsen ist und sich entwickelt hat, das rät schon die Bibel. Der Weisheitslehrer, der dort vom Erntedank spricht, der hat sogar nicht nur die Ernte auf den Feldern im Blick. Der sieht auf das Leben insgesamt. „Iss Dein Brot und trink Deinen Wein und sei dankbar und fröhlich dabei. So hat es Gott für die Menschen vorgesehen und so gefällt es ihm. Nimm Dein Leben als ein Fest: Trag immer frisch gewaschene Kleider und salbe dein Haupt mit duftendem Öl. Genieße jeden Tag mit dem Menschen, den Du liebst, solange das Leben dauert, das Gott Dir unter der Sonne geschenkt hat. Wenn sich Dir die Gelegenheit bietet etwas zu tun, dann tu es mit vollem Einsatz. Denn Du bist unterwegs zu dem Ort, von dem kein Mensch wiederkehrt." (Prediger 9, 7ff)

Ab und zu ein Zwischenstopp und das Leben feiern - das tut gut. So verstehe ich diese weise Mahnung. Nicht nur am Erntedankfest. Auch an einem Geburtstag zum Beispiel, an einem runden erst recht: Zurückschauen und feiern. Natürlich gibt es in jedem Leben auch Rückschläge und Enttäuschungen. Aber am Geburtstag die Leute um sich versammeln, mit denen es schön war bisher. Und mit ihnen gemeinsam feiern, was alles gelungen ist. Essen und Trinken und das Leben genießen. Und dabei vielleicht auch spüren, wie gut Gott es mit mir gemeint hat - trotz allem. So ein Zwischenstopp tut gut. Genau wie dieser 20. Jahrestag des Deutschen Einheit heute. In den letzten Wochen haben uns zahlreiche Dokumentationen und Fernsehfilme daran erinnert, was alles geworden ist. Gewiss ist noch nicht alles gut. Aber vieles doch viel besser, als es einmal war. Noch nicht alles, aber doch vieles ist gut geworden. Gott sei Dank.

 Weiter unterwegs

Unterwegs durch das Leben braucht man ab und zu einen Zwischenstopp, damit man nicht aus der Puste kommt. Damit man nicht die Lust verliert am Leben und zum Leben, muss man ordentlich vespern und manchmal auch ordentlich feiern. Vielleicht wäre es sogar gut, wenn man sich nicht nur einmal im Jahr oder gar nur alle 5 oder 10 oder zwanzig Jahre so ein Fest vornähme. Jeden Tag einmal so ein kleiner Zwischenstopp im Alltag, wo man aufatmen kann, sich strecken und recken und das Leben genießen: ein gutes Abendessen. Ein Spaziergang. Ein paar liebe Worte. Eine freundliche Geste. Das reicht manchmal vielleicht schon. Dann kann man wieder spüren: nicht alles, aber vieles ist gut. Gott sei Dank. Das gibt Kraft, weiter zu gehen.

Denn: so ein Zwischenstopp ist nicht das Ziel der Reise durchs Leben. Für die Bauern war klar - nach dem Erntedankfest und ein paar ruhigeren Wochen im Winter geht es weiter. Dann muss man wieder ran. Dann geht es wieder los. Dass man einmal ausgesorgt hat, wie ich das manchmal hoffe und Sie vielleicht auch: das gibt es nicht. Das Leben geht weiter. Es gibt wieder Arbeit, es ist noch längst nicht alles geschafft, es sind neue Probleme zu lösen, auch wenn ein paar alte abgearbeitet sind. Auch wenn bisher alles gut ging, auch wenn in diesem Jahr die Ernte gut war: Man weiß nicht, was im nächsten Jahr sein wird.

Manchmal denke ich: das wäre doch schön, wenn es jetzt so bleiben könnte. Dann versuche ich, das festzuhalten und abzusichern, was ich habe. Es wäre doch schön, wenn die Kinder für immer bei mir bleiben könnten und mich brauchen. Es wäre doch schön, wenn ich mich finanziell für die Zukunft absichern könnte. Und wie schön wäre es, denken viele, wenn mir mein Arbeitsplatz sicher bliebe bis zur Rente. Manche Leute tun eine Menge dafür, dass es so bleibt wie es ist. Legen was sie können auf die hohe Kante für später. Und fürchten sich vor der Zukunft, weil man ja nie weiß, was noch kommt.

Vielleicht ist es auch deshalb gut, ab und zu einen Zwischenstopp einzulegen und zurück zu schauen. Damit man sieht, was geschafft ist. Wie gut manches gegangen ist. Das macht dankbar. Und hilft gegen die Angst. Wenn ich sehen kann, dass so vieles gut ging, manchmal wider Erwarten gut ging - dann gibt mir das Zuversicht für die Zukunft. Was auch geschieht - Gott wird mit seinem Segen auch weiter mit mir gehen.

Wenn das Leben still steht, wenn es nicht mehr weiter geht, wenn alles bleibt, wie es ist - dann ist das Leben zu Ende. Dann muss ich mich nicht mehr sorgen. Dann ist mein Leben aufgehoben bei Gott. Dann ist alles gut. Davon bin ich fest überzeugt. Dahin bin ich gewissermaßen unterwegs. Ich finde das ist eine schöne Aussicht. Aber wissen Sie was? Ich hoffe, bis dahin kann ich noch viele Zwischenstopps einlegen und das Leben feiern.