Woche vom 14.01.2007 bis 20.01.2007 

Von Bernhard Riesch-Clausecker, Rottenburg-Wurmlingen, Evangelische Kirche
Markus 4, 35-41
Sonntag, 14. Januar 2007
Teil 1
Jetzt, wo die Tage langsam wieder länger werden, liebe Hörerinnen und Hörer, spürt man, wie gut das tut: Licht am Morgen. Das ist ein wunderbarer Moment, wenn es morgens hell wird. Manchmal mitten in der Nacht denkt man ja, die Dunkelheit hört nie auf. Man hört und sieht nur noch die Ängste und Sorgen. Es kann einen richtig überfallen. Und man ist unheimlich froh, wenn es wieder morgen wird und hell.
Die Bibel erzählt eine Geschichte von so einer bedrohlich dunklen Nacht und ihren Ängsten. Sie erzählt auch, wie es wieder hell geworden ist. Mich tröstet das manchmal in dunklen Stunden. Ich möchte es Ihnen deshalb heute weiter erzählen.
Jesus steigt mit seinen Jüngern am Abend in ein Boot. Sie wollen über den See fahren.
Manches im Leben ist eine Art Überfahrt, manche Nächte sind es auch. Und man weiß, dass manchmal nicht viel da ist, was trägt, trägt wie so ein kleines Boot auf einem See, wenn es hinausgeht in die Nacht. Im Dunkeln ist sowieso jeder allein, da muss jeder für sich selber einstehen. Oder man muss ganz eng zusammenrücken, so eng wie jetzt im Boot. Damit man wieder weiß, was da ist, was trägt, wer einen hält: Die Menschen, die mir etwas bedeuten, ohne die es mir schwer fiele zu leben. Mein kleines zerbrechliches Glück: Gesundheit, Auskommen, Arbeit.
Das richtige Leben ist manchmal so eine Überfahrt. Und Jesus schläft. Damals auf dem See jedenfalls schlief er. Und er schläft sogar weiter, als Sturm aufkommt und Wellen gefährlich ins Boot schlagen. Verzweifelt versuchen die Jünger, das Boot zu halten, damit es nicht untergeht. Je mehr sie sich quälen, um so vergeblicher wird ihre Mühe. Und Jesus schläft. Scheint sich nicht zu kümmern. Nichts ist zu sehen, kein Ausweg, keine Rettung. Jetzt regiert nur die nackte Angst, die Nachtangst, Panik. Und er schläft.
In manchen Nächten lastet einem das schwer auf der Seele, dass man den Eindruck hat, es kümmert sich keiner um die eigene Not. Und man fühlt sich von aller Welt und von Gott verlassen. Ich glaube, so kann es einem gehen, wenn man auf einen Befund warten muss. Tage voller Bangen und Hoffen. Was wird werden? Oder wenn einer ausgemustert wurde, nach Arbeit suchen muss. Habe ich überhaupt noch eine Chance in meinem Alter? Oder wenn zwei ans Ende gekommen sind in ihrer Beziehung. Kriegen wir noch einmal miteinander die Kurve und was wird werden, wenn nicht? Oder wenn ein Mensch merkt, dass es alleine nicht mehr geht. Sind noch andere da, die mich nicht allein lassen?
Niemand kann aussteigen, wenn die Angst vor dem Nichts kommt, vor dem Versinken ins Bodenlose, vor dem Untergehen. Wenn dein Glaube bedroht wird, dein Vertrauen bricht, dass da einer hält und trägt in allem. Und es nicht Morgen werden will.
Teil 2
Die Geschichte einer Seefahrt, bei der es zugeht wie im Leben auch sonst manchmal: Es ist Nacht und Jesus schläft, während seine Jünger mit ihm über den See fahren. Ein Sturm kommt auf. Der Sturm tobt in der Nacht und die Wellen schlagen ins Boot.
Und wie nun die Elemente losbrechen und den See zum Kochen bringen, da bekommen die Jünger nicht nur Angst, wie alle Menschen sie bekommen, wenn sie in Lebensgefahr geraten. Angst bekommen sie auch noch von einer anderen Seite her. Weil Jesus schläft. Der, auf den sie alle Hoffnung setzen. Das kommt ja zu der Angst dann noch hinzu, dass sie fürchten, er habe sie verlassen und ließe sie in ihren Ängsten vergehen.
Deswegen wecken sie ihn und schreien ihm „Meister, Lehrer“ ins Gesicht. „Wach auf! Wir ertrinken! Kümmert dich das nicht?“
Es gibt immerhin einen, den sie wecken können: „Kümmere Dich doch endlich!“ Sie rechnen noch mit ihm. Sie haben ihn nicht abgeschrieben. Sie glauben, dass er, vielleicht nur er, helfen kann. Wie oft rudern wir in unseren Nächten um diese Hoffnung, dass da ein Gott ist, der es gut mit uns meint, gut mit seinen Menschen, mit seiner Welt?
Die Geschichte erzählt, dass Jesus aufsteht und dem Sturm Ruhe gebietet. Und der Angst. Er nimmt die Angst nicht fort, aber er stillt sie. Und erst danach stellt er die Frage: „Warum seid ihr so furchtsam und habt keinen Glauben?“ Der Sturm legt sich, der See beruhigt sich. Es wird still nach dem Sturm und nach der Angst. Ein klarer, heller Morgen bricht an.
Mir hilft diese Geschichte wie keine andere durch dunkle Zeiten. „Warum seid Ihr so furchtsam?“, fragt Jesus, „traut ihr Gott denn nichts zu? Dass er Gott bleibt auch in der Tiefe der Nacht?“
Wahrscheinlich vergisst man solche Nächte nicht. Und auch nicht die Rettung, die man womöglich erst viel später erkennt und versteht. Dass von irgendwo her doch die Kraft gekommen ist, das zu tragen, was einem aufgeladen wurde. Dass man doch einen Weg gezeigt bekam, wo nur Hindernisse die Sicht verstellten. Dass das Vertrauen auf Gott blieb, auch wenn es im Leben anders kam, als man es sich wünschte. Dass das so ist, auch wenn man zwischendurch alle Hoffnung aufgegeben hatte. Auch wenn es einem vorkam, als ob Gott schlafen und sich um meine Not nicht kümmern würde. Nein, es wurde wieder Morgen. Gott sei Dank!
Die Stille nach dem Sturm. Das Licht am Morgen. Als das Boot der Jünger aufs andere Ufer lief, wurde es Tag, mit jener durchscheinenden Klarheit, wie sie Stürmen folgt. Sie waren hinübergefahren.
Ich wünsche Ihnen einen guten hellen Morgen.
Jetzt, wo die Tage langsam wieder länger werden, liebe Hörerinnen und Hörer, spürt man, wie gut das tut: Licht am Morgen. Das ist ein wunderbarer Moment, wenn es morgens hell wird. Manchmal mitten in der Nacht denkt man ja, die Dunkelheit hört nie auf. Man hört und sieht nur noch die Ängste und Sorgen. Es kann einen richtig überfallen. Und man ist unheimlich froh, wenn es wieder morgen wird und hell.
Die Bibel erzählt eine Geschichte von so einer bedrohlich dunklen Nacht und ihren Ängsten. Sie erzählt auch, wie es wieder hell geworden ist. Mich tröstet das manchmal in dunklen Stunden. Ich möchte es Ihnen deshalb heute weiter erzählen.
Jesus steigt mit seinen Jüngern am Abend in ein Boot. Sie wollen über den See fahren.
Manches im Leben ist eine Art Überfahrt, manche Nächte sind es auch. Und man weiß, dass manchmal nicht viel da ist, was trägt, trägt wie so ein kleines Boot auf einem See, wenn es hinausgeht in die Nacht. Im Dunkeln ist sowieso jeder allein, da muss jeder für sich selber einstehen. Oder man muss ganz eng zusammenrücken, so eng wie jetzt im Boot. Damit man wieder weiß, was da ist, was trägt, wer einen hält: Die Menschen, die mir etwas bedeuten, ohne die es mir schwer fiele zu leben. Mein kleines zerbrechliches Glück: Gesundheit, Auskommen, Arbeit.
Das richtige Leben ist manchmal so eine Überfahrt. Und Jesus schläft. Damals auf dem See jedenfalls schlief er. Und er schläft sogar weiter, als Sturm aufkommt und Wellen gefährlich ins Boot schlagen. Verzweifelt versuchen die Jünger, das Boot zu halten, damit es nicht untergeht. Je mehr sie sich quälen, um so vergeblicher wird ihre Mühe. Und Jesus schläft. Scheint sich nicht zu kümmern. Nichts ist zu sehen, kein Ausweg, keine Rettung. Jetzt regiert nur die nackte Angst, die Nachtangst, Panik. Und er schläft.
In manchen Nächten lastet einem das schwer auf der Seele, dass man den Eindruck hat, es kümmert sich keiner um die eigene Not. Und man fühlt sich von aller Welt und von Gott verlassen. Ich glaube, so kann es einem gehen, wenn man auf einen Befund warten muss. Tage voller Bangen und Hoffen. Was wird werden? Oder wenn einer ausgemustert wurde, nach Arbeit suchen muss. Habe ich überhaupt noch eine Chance in meinem Alter? Oder wenn zwei ans Ende gekommen sind in ihrer Beziehung. Kriegen wir noch einmal miteinander die Kurve und was wird werden, wenn nicht? Oder wenn ein Mensch merkt, dass es alleine nicht mehr geht. Sind noch andere da, die mich nicht allein lassen?
Niemand kann aussteigen, wenn die Angst vor dem Nichts kommt, vor dem Versinken ins Bodenlose, vor dem Untergehen. Wenn dein Glaube bedroht wird, dein Vertrauen bricht, dass da einer hält und trägt in allem. Und es nicht Morgen werden will.
Teil 2
Die Geschichte einer Seefahrt, bei der es zugeht wie im Leben auch sonst manchmal: Es ist Nacht und Jesus schläft, während seine Jünger mit ihm über den See fahren. Ein Sturm kommt auf. Der Sturm tobt in der Nacht und die Wellen schlagen ins Boot.
Und wie nun die Elemente losbrechen und den See zum Kochen bringen, da bekommen die Jünger nicht nur Angst, wie alle Menschen sie bekommen, wenn sie in Lebensgefahr geraten. Angst bekommen sie auch noch von einer anderen Seite her. Weil Jesus schläft. Der, auf den sie alle Hoffnung setzen. Das kommt ja zu der Angst dann noch hinzu, dass sie fürchten, er habe sie verlassen und ließe sie in ihren Ängsten vergehen.
Deswegen wecken sie ihn und schreien ihm „Meister, Lehrer“ ins Gesicht. „Wach auf! Wir ertrinken! Kümmert dich das nicht?“
Es gibt immerhin einen, den sie wecken können: „Kümmere Dich doch endlich!“ Sie rechnen noch mit ihm. Sie haben ihn nicht abgeschrieben. Sie glauben, dass er, vielleicht nur er, helfen kann. Wie oft rudern wir in unseren Nächten um diese Hoffnung, dass da ein Gott ist, der es gut mit uns meint, gut mit seinen Menschen, mit seiner Welt?
Die Geschichte erzählt, dass Jesus aufsteht und dem Sturm Ruhe gebietet. Und der Angst. Er nimmt die Angst nicht fort, aber er stillt sie. Und erst danach stellt er die Frage: „Warum seid ihr so furchtsam und habt keinen Glauben?“ Der Sturm legt sich, der See beruhigt sich. Es wird still nach dem Sturm und nach der Angst. Ein klarer, heller Morgen bricht an.
Mir hilft diese Geschichte wie keine andere durch dunkle Zeiten. „Warum seid Ihr so furchtsam?“, fragt Jesus, „traut ihr Gott denn nichts zu? Dass er Gott bleibt auch in der Tiefe der Nacht?“
Wahrscheinlich vergisst man solche Nächte nicht. Und auch nicht die Rettung, die man womöglich erst viel später erkennt und versteht. Dass von irgendwo her doch die Kraft gekommen ist, das zu tragen, was einem aufgeladen wurde. Dass man doch einen Weg gezeigt bekam, wo nur Hindernisse die Sicht verstellten. Dass das Vertrauen auf Gott blieb, auch wenn es im Leben anders kam, als man es sich wünschte. Dass das so ist, auch wenn man zwischendurch alle Hoffnung aufgegeben hatte. Auch wenn es einem vorkam, als ob Gott schlafen und sich um meine Not nicht kümmern würde. Nein, es wurde wieder Morgen. Gott sei Dank!
Die Stille nach dem Sturm. Das Licht am Morgen. Als das Boot der Jünger aufs andere Ufer lief, wurde es Tag, mit jener durchscheinenden Klarheit, wie sie Stürmen folgt. Sie waren hinübergefahren.
Ich wünsche Ihnen einen guten hellen Morgen.



