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SWR1 3vor8

15AUG2021
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„Glauben Katholiken eigentlich, dass alle Menschen in den Himmel kommen?“

Bei Traugesprächen werden manchmal die ganz großen Fragen ausgepackt. Wenn man schon mal einen Pfarrer am Tisch hat. Jedenfalls hat mich das ein evangelischer Mann gefragt, der mit seiner künftigen Frau bei mir war.

Heute wird in der Katholischen Kirche das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert. Von der Mutter Jesu glauben wir ganz bestimmt, dass sie im Himmel ist. Erlöst, befreit von aller Last, nach ihrem Erdenleben bei Gott ans Ziel gekommen, und wieder vereint mit ihrem Sohn. Aber: Gilt das für alle und grundsätzlich?

Der Mann hat mich dann auch noch gefragt, ob ich als Katholik daran glaube, dass es so etwas wie die Hölle gibt. Ja, ich glaube, dass es die Hölle gibt, geben muss, für den Fall, das ein Mensch abgrundtief böse ist und sich jeder Reue verweigert - bis zu seinem letzten Atemzug. Dann muss ich davon ausgehen, dass auch Gott ihn verwirft. Alles andere wäre ein Akt der Ungerechtigkeit gegenüber den Menschen, denen der oder die Betreffende großes Leid zugefügt hat. Aber wer weiß schon, was jemand am Ende seines Lebens tut.

Die Frage nach dem Himmel ist viel provozierender, weil sie jeden betrifft, und weil sie auch mich herausfordert, mein Leben etwas genauer anzuschauen. Ob ich es verdient hätte, einmal in den Himmel zu kommen? Genügen meine guten Taten, ist meine Liebe ausreichend? Vielleicht war das auch der Hintergedanke bei der Frage, die mir der Bräutigam gestellt hat. Ob er sich darüber auch hin und wieder Gedanken machen sollte. Und welche Rolle Gott bei dem allen spielt.

Heute am Fest Mariä Himmelfahrt wird in den Gottesdiensten das Magnificat vorgelesen. Der Lobgesang der Maria. Der Evangelist Lukas hat diesen Hymnus niedergeschrieben. Dort verdichtet sich, was Gott tut, wo er sich engagiert, damit viele den Weg in den Himmel finden, möglichst alle Menschen. Dabei geht es in erster Linie um all die Situationen, wo Leben in Gefahr ist. Maria spricht im Magnificat davon, dass Gott die in ihre Schranken weist, die ihre Macht missbrauchen. Hochmut kann er nicht akzeptieren, weil der Eitle sich selbst für das Maß der Dinge hält. Gott will, dass es gerecht zugeht. Keiner soll hungern, niemand soll so viel haben, dass anderen etwas fehlt.

Maria hat dieses Loblied auf den barmherzigen Gott nicht nur gesungen, sondern es beherzigt. Und Lukas hat es aufgeschrieben, um damit jedem, der es hört oder liest einen Weg in den Himmel aufzuzeigen.

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