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SWR1 3vor8

01AUG2021
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Es ist ein märchenhaftes Bild von dem heute in den katholischen Kirchen zu hören ist: Brot, das vom Himmel kommt. Und ich finde es auch ein wunderschönes Gottesbild. Das Bild von einem Gott, der durch die Natur  für seine Geschöpfe sorgt. Das legendäre „Manna“ ist ein Beispiel dafür. Nahrung die sich über Nacht wie Tau auf die Erde legt. Beschrieben in der Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten. Bei dem das Volk Israel auf seinem Weg durch die Wüste auf diese himmlische Weise von Gott ernährt wurde. Als Lebenselexier auf ihrem schweren, entbehrungsreichen Weg.
Das ist die eine Seite Gottes. Ich will die andere aber nicht ausblenden. Die, in der die Schöpfung eben nicht nahrhaft und lebensspendend ist, sondern zerstörerisch und tödlich. In Erdbeben, Pandemien oder Flutkatastrophen. Kann ich die Pandemien oder die Flutkatastrophen noch auf den Menschen schieben, durch seinen Umgang mit der Natur etwa, geht das bei Erdbeben oder dem Krebstod eines Kindes eben nicht.
Und damit befinde ich mich in der so großen wie dunklen Sackgasse des Glaubens: wie kann ein so lebensspendender, schöpferischer Gott all das Schreckliche und Zerstörerische in der Natur und unter uns Menschen zulassen?
Beim Menschen fällt mir die Erklärung nicht schwer: es liegt in unserer Hand, ob wir uns das Leben schön oder schrecklich machen. Bei der Natur ist es was anderes. Für ein Erdbeben oder den Tod eines Kindes sind wir nicht verantwortlich. Da sehe ich uns eingebunden in den großen, unerklärlichen Kreislauf von Werden und Vergehen, von Schöpfung und Zerstörung, den wir nicht verstehen und erklären können. Den wir nur bewundern und fürchten, befragen und beklagen können. Mit all unserem begrenzten Denken und Fühlen. Und in meinem Denken und Fühlen helfen mir zwei Antworten aus dieser Glaubenssackgasse heraus. Die eine ist eine widersprüchliche. Ich denke und hoffe trotz allem, dass sich hinter, oder in diesem zerstörerisch-schöpferischen Gott eine allumfassende Liebe verbirgt. Eine Liebe, in der all das, was wir hier nicht verstehen, aufgehoben ist, letztlich gut aufgehoben, geborgen ist. Und dass, und das ist meine zweite Antwort, diese Liebe in uns Menschen eingepflanzt ist. Und wir sie hier spürbar machen und leben können. Dass wir Menschen einander „Manna“ sein können, Himmelsbrot. In jeder helfenden Hand, in jedem guten Wort, in jedem Funken Hoffnung, den wir spenden…

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