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SWR1 3vor8

07MRZ2021
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Ich mag das Gefühl, dass alles möglich ist. Dass ich nur genug Ausdauer und Kraft brauche, um eine schwierige Situation zu meistern. Und dass ich ganz gut organisiert bin und in stressigen Zeiten irgendwie auch viele Aufgaben unter einen Hut bringe.
Und doch: es klappt nicht immer. Manchmal komme ich einfach an Grenzen. Mein Körper zeigt mir das dann mit einer ordentlichen Portion Müdigkeit.

Begrenzt bin ich auch durch andere. Ich kann nicht nur tun und lassen, wonach mir gerade ist – das klappt weder in einer Freundschaft, noch bei der Arbeit. In den letzten Monaten hab` ich das durch Corona noch einmal deutlich gemerkt. Wie so vielen fehlt mir das unbeschwerte Zusammensein mit anderen. Diese Begrenzung strengt mich an, auch wenn ich verstehe, dass sie gerade sein muss.

 

In katholischen Gottesdiensten geht es heute auch um Begrenzungen. Zu hören ist der biblische Text von den Zehn Geboten. Du sollst nicht töten, lügen, stehlen oder neidisch sein – um nur ein paar zu nennen. Die Gebote grenzen mich ein, damit auch andere gut leben können. Und mit gutem Grund gehört die Stelle deshalb zu den Bekanntesten der Bibel.

Für mich ist der Text aber mehr als ein Regelkatalog, der mich begrenzt und dadurch hilft, dass ich gut mit anderen zusammenleben kann. Vor allem, wenn ich das lese, was vor der Auflistung der Gebote steht. Dort heißt es:

„Ich bin dein Gott, der dich aus Ägypten, aus der Knechtschaft geführt hat.“ (Ex 20,2)

Gott will mich nicht einengen oder mir das Leben schwermachen. Im Gegenteil. Und deshalb beginnt er mit dem, was er schon getan hat: Ich habe dich befreit.

Ich, Gott, will, dass du weißt, dass es immer einen Ausweg gibt, wenn dein Leben festgefahren ist. Ich bin bei dir, auch wenn du den Eindruck hast, dass es nicht mehr weitergeht.

 

Das könnte mir helfen, wenn ich an meine Grenzen stoße oder mich eingeengt fühle. Ich bin begrenzt, doch innerhalb der Grenzen ist durch Gott ganz viel möglich. Ich spüre das, indem er mir Leute zur Seite stellt, die mir helfen, wenn ich allein nicht weiterkomme.
Und wenn ein Projekt trotz aller Bemühung nicht so wird, wie ich es mir vorstelle, dann ist es manchmal dran, mich davon zu verabschieden. Das geht leichter, wenn ich Gott im Ohr habe, der sagt: Ich bin für dich da. Ich halte einen Ausweg für dich parat.
Dieses Versprechen hilft mir.
Und manchmal wachse ich dann sogar über meine Grenzen hinaus.

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