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SWR1 3vor8

31JAN2021
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Geduld. Die brauchen wir gerade. Ich finde, die Pandemie hat die ganze Gesellschaft in eine Wartestellung versetzt: Wir versuchen den Alltag so gut es geht zu meistern, aber eigentlich warten wir darauf, dass sich die Umstände endlich bessern. Gerade warten viele drauf, dass sie geimpft werden und so hoffentlich wieder ein „normales“ Leben möglich wird. Wann das sein wird? – das weiß keiner so genau. Ich merke: die Ungewissheit, das Warten macht mich mürbe! Ich kann jeden verstehen, dem die Geduld ausgeht.

Geduld – das haben auch die Menschen gebraucht, an die sich der 2. Petrusbrief aus der Bibel richtet. Über einen Abschnitt daraus wird heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt. Die Menschen, für die der Brief bestimmt war, haben Jesus nicht mehr selbst gekannt. Aber sie haben darauf gehofft, dass er nicht für immer tot ist und sie ihn irgendwann selbst sehen können. So wurde es ihnen zumindest versprochen.

Aber sie haben erlebt: Jesus ist nicht wiedergekommen. Und die Menschen haben sich gefragt: Sind die Erzählungen über Jesus nicht doch Fake News?

Deshalb erzählt der Brief mit einer Geschichte: Jesus ist Gottes Sohn. Das haben die Menschen erlebt, die ihn gekannt haben. (2. Petr. 1,16-21)

Ob das das Warten der Menschen erträglicher gemacht hat? Ob sie die Geschichte überhaupt geglaubt haben? Ja, wann ist eigentlich etwas glaubwürdig?

Klar, das Einfachste ist, ich bin selbst dabei. Oder ich bin mir sicher: Der Erzähler hat alles miterlebt. Ich habe z. B noch keinen Intensivpfleger gehört, der die Gefahr von Corona ernsthaft bestreitet. Deshalb kann ich die Leugner auch nicht verstehen. Es gibt genug Bilder und Berichte, die ihnen wiedersprechen.

Ich glaube auch den Menschen, die einräumen, dass sie nicht auf alles eine Antwort haben. Wissenschaftlern zum Beispiel, die wichtige Erkenntnisse liefern, aber auch zugeben, wenn sie etwas nicht wissen. Und ich glaube den Menschen, die auch mal mit etwas herausrücken, was ihnen vielleicht schaden könnte.

Die Menschen damals habe dem Briefschreiber vertraut. Sie haben an ihrem Glauben festgehalten und die Geschichten über Jesus ernstgenommen. So konnten sie zuversichtlich leben. und tun, was für den Alltag nötig war. Ihre Geduld war nicht umsonst.

Ich übe mich auch weiterhin in Geduld. Und auch wenn langes Warten an den Nerven zehrt, hilft es mir, auf das zu schauen, was in Zukunft Gutes kommen wird. Wann auch immer das sein wird. Es erleichtert mir das Warten.

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