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SWR1 3vor8

05JUL2020
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Gott will Frieden. Wenige Dinge scheinen mir als gläubiger Mensch so klar zu sein. Gott will, dass Frieden herrscht in seiner Schöpfung, und ganz besonders unter den Menschen, die an ihn glauben. Wieso Christen das oft genug nicht beherzigt haben, darüber kann ich mich nur wundern. Ich finde, die Botschaft der Bibel ist in dieser Hinsicht eindeutig. Bei Jesus im Neuen Testament sowieso. Wenn er die Liebe zum Nächsten, ja sogar zum Feind einfordert. Und in der Bergpredigt die Friedensstifter seligpreist. Aber auch wenn ich mir entsprechende Stellen im Alten Testament anschaue. Eine davon gehört zum katholischen Gottesdienst an diesem Sonntag. Dort heißt es in harten Worten: Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Éfraim und die Rosse aus Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen. Er (mein König) wird den Nationen Frieden verkünden. [1]Durch den Mund des Propheten Sacharja verkündet Gott selbst diese Botschaft seinem Volk. In seiner Vision übernehmen ein König und ein Priester gemeinsam die Verantwortung für die Menschen, die ihnen anvertraut sind. Weltliche und religiöse Macht sorgen für ein friedliches Miteinander. Für die damalige Zeit ist das durchaus bemerkenswert. Was wenn Religionsführer und Staatspräsidenten heute wirklich an einem Strang ziehen würden? Gerade in Jerusalem, wo Sacharja seine Vision ansiedelt. An dem Ort, wo seit Jahrhunderten die religiösen Macht-Interessen aufeinanderprallen, wo der Frieden auf höchste bedroht ist. An diesem Brennpunkt muss es beginnen, sagt Sacharja.

Leider scheint das bis heute nicht funktioniert zu haben. Die Vision des Sacharja ist unerfüllt. Aber Makulatur ist sie deswegen noch lange nicht. Ich finde den Gedanken nach wie vor bezwingend: Es könnte von denen, die an Gott glauben, eine Signalwirkung ausgehen, die andere mitreißt. Angefangen in Jerusalem. Angefangen auch bei der Christenheit. Weil dann die anderen sehen, dass es unter den Jesus-Menschen freundlich zugeht; dass einer dem anderen nichts neidet; dass Christen ihre Fehler zugeben und anderen die ihren verzeihen. Eben dass der Wille zum Frieden unter den Christen die oberste Priorität hat. Es müsstedas Hauptthema werden: Frieden. Und andere solltenes sehen können. Wie christliche Familien miteinander umgehen. Wie Christen als Partner ihre Konflikte lösen. Wie es in den Kirchengemeinden zugeht und wie diese auf die Politik vor Ort Einfluss nehmen in diesem Sinn. Es tut mir weh zu spüren, dass sich das unrealistisch anhört, weil so viele Erfahrungen offenbar dagegensprechen. Trotzdem will und kann ich die Vision des Sacharja nicht aufgeben. Weil ich sonst meine Hoffnung auf Gott aufgeben müsste.

 

 

[1]Sacharja 9,10a.bα

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