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SWR1 3vor8

(Lk 21,25-28; 34-36)

„Vigilate et orate“ das ist Latein und heißt: wachet und betet. Dieser biblische Satz, der heute auch in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird, steht in goldenen Buchstaben in Trier auf dem Turm der St. Gangolfkirche. St. Gangolf war im Mittelalter die Kirche der Bürger. In direkter Nähe von St. Gangolf steht auch der Trierer Dom. Die Kirche des Erzbischofs und Landesherrn. Und auf dessen Turm ist zu lesen:  „Nescitis qua hora dominus veniet – Denn ihr wisst nicht die Stunde da der Herr kommt.“ Natürlich auch wieder ein biblisches Zitat, aber man kann den erhobenen, erzbischöflichen Zeigefinger förmlich hören. „Ihr wisst nicht, wann der Herr kommen wird, also benehmt euch, muckt nicht auf, erst recht nicht gegen die Kirche und den Erzbischof.“ Häufig in der Geschichte der Kirche wurden biblische Texte dazu benutzt, um den Menschen Angst zu machen.

Dabei handelt es sich bei dieser Bibelstelle um einen so genannten apokalyptischen Text. „Apokalyptein“ ist griechisch und heißt soviel wie enthüllen, entdecken oder offenbaren. In apokalyptischen Texten geht es um die Enthüllung der Endzeit. Man erzählt  in verschiedenen Bildern wie es sein wird, wenn diese Zeit endet – meist in Bildern vom Weltuntergang. Zurzeit Jesu haben viele Leute geglaubt, dass bald eine neue Zeit anbrechen würde. Jesus greift die apokalyptischen Vorstellungen seiner Zeit auf. Er verwendet die damals üblichen Bilder vom Weltuntergang. Aber er differenziert:  „Die Völker“ so sagt er, „werden bestürzt und ratlos sein… und die Menschen werden vor Angst vergehen.“ An die Jünger gerichtet aber sagt er: „Ihr aber richtet euch auf, erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“ Zu gut deutsch: „Was auch immer passiert, ihr braucht keine Angst zu haben, Gott ist bei euch, fürchtet euch nicht.“ Ein guter Satz. Gerade weil er manchmal schwer zu glauben ist. Ich will ihn mir auf meinen Adventskalender schreiben.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten ersten Adventssonntag!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27681