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SWR1 3vor8

Joh 10,11-18

Immer mehr Schäfer geben auf. Es gibt immer weniger Hirten in unserm Land. So war vor Kurzem in den Tageszeitungen zu lesen. In ganz Deutschland sind es nicht einmal mehr 1000 Berufsschäfer. Dabei sind sie so wichtig. Sie betreiben aktiven Tier- und Umweltschutz. Schafe auf wechselnden Flächen weiden zu lassen, ist viel artgerechter als Tiere in großen Ställen zusammenzupferchen: Tierschutz. Und dort, wo Schafe grasen, bleibt die Landschaft offen und viele Biotope bleiben erhalten: Umweltschutz. Der Beruf des Schäfers, des Hirten,ist ein ganz normaler Lehrberuf. Viele Menschen aber verbinden damit eine gewisse Romantik: Ein Naturidylle, in der die Welt noch in Ordnung erscheint und die aus einer längst vergangenen Zeit kommt.

 

In der Bibel ist oft von den Hirten die Rede. Sicherlich ohne jeden Hauch von Romantik. Denn damals wusste jeder, dass Hirte-sein ein Knochenjob ist, der dazu noch schlecht bezahlt wird. In den katholischen Gottesdiensten wird heute die Stelle aus dem Johannesevangelium vorgelesen, in der sich Jesus selbst als einen guten Hirten bezeichnet. Und er nennt zwei Kriterien, woran man einen guten Hirten erkennt: Zum einen liegt ihm was an seinen Schafen, er setzt sich für sie ein, ja er geht sogar soweit, dass er sein Leben riskiert für seine Schafe. Wenn der Wolf kommt, lässt er die Schafe nicht allein. Und das zweite Kriterium: Er kennt seine Schafe. Er weiß, wie es ihnen geht. Ob sie krank sind oder gesund, ob ihnen das Gras schmeckt oder nicht und wer gerade mit wem Krach hat.   

Pfarrer und Pfarrerinnen werden gerne auch Pastor oder eben Pastorin genannt, was nichts anderes bedeutet als Hirte. Und der Bischofsstab in der katholischen Kirche ist nichts anderes als ein Hirtenstab. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Kirchen sollen also wie Hirten sein. Die Kriterien für gute Hirten hat Jesus benannt: Einsatz für die Schafe und Wissen um ihre Nöte und Sorgen.  Eigentlich ist es ein wunderschöner Beruf – Hirte oder Hirtin zu sein.

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