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SWR1 3vor8

 (2 Chr 36, 14-16.19-23/Eph 2, 4-10/Joh 3, 14-21)  

Wie ist Gott? Eine Frage so anmaßend wie menschlich. Anmaßend, weil, so man denn an einen Gott glaubt, ihn nie fassen oder verstehen kann. Weil er eben Gott ist, also unendlich viel mehr, größer, stärker, schöner, liebender als wir uns je vorstellen können. Menschlich ist die Frage danach wie Gott denn ist, weil wir Menschen Suchende, Fragende sind. Weil es zu unserem Wesen gehört wissen zu wollen.
Die Bibel ist ein Buch voller Antworten auf diese urmenschlichen Fragen nach Gott. In den katholischen Kirchen sind heute 3 Texte zu hören, die   3 verschiedene Antworten darauf geben. Verschieden zwar, aber doch innerlich verbunden.  In der ersten, der ältesten, aus dem Buch der Chronik im Alten Testament wird beschrieben wie barmherzig Gott ist. Obwohl sein Volk Israel sich von ihm abgewandt hat, seine Gebote missachtet und andere Götter verehrt.  Trotzdem bleibt er ihm treu, gibt ihm die Chance zu einem Neuanfang. Gott ist nach diesem rund zweieinhalbtausend Jahre alten Zeugnis der Menschen nachsichtig, gütig, verzeihend, barmherzig. Eine Erfahrung, die Juden, Christen und Moslems verbindet. Alle beschreiben ihren Gott zuallererst als barmherzig.  
Der zweite Text, ist aus dem Brief des Apostel Paulus an die Epheser. Der Verfasser dieses Briefes schreibt von der Gnade Gottes. Ein Schlüsselbegriff, der den christlichen Glauben geprägt hat. Mit Gnade beschreibt Paulus seine Vorstellung der Beziehung von Gott und den Menschen. Gott ist wie die seelische Luft des Menschen zum Atmen, sein spiritueller Sauerstoff. Wenn der Mensch gut ist oder Gutes tut, dann tut er es nicht um Gott zu gefallen oder einen besseren Platz im Himmel zu bekommen, sondern weil Gott ihm das Gute schon gegeben hat. Weil es schon da ist, und der Mensch, wenn er sich für Gott öffnet, sich in dieses Gute, gewissermaßen einbettet. Das meint Paulus mit Gnade. 
Ähnlich verhält es sich mit der dritten Gottesvorstellung, die heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Der Evangelist Johannes beschreibt Gott als Licht. Wer Gutes tut ist im Licht Gottes, in dem ist Licht und er bringt es in die Welt. Macht sie hell, klar und wahr. 
Barmherzigkeit, Gnade und Licht. Drei schöne Bilder dafür wie Gott ist und wirkt. Bilder, die mehr als Bilder werden, wenn ich versuche mich ihnen zu öffnen und mich auf sie einzulassen, sie in mich herein zu lassen.  
Die Gnade Gottes. Und selbst barmherzig sein und anderen zum Licht werden…

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