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SWR1 3vor8

„Habe ich was davon, dass ich Christ bin?“ Lebt man nicht leichter ohne Glauben und christliches Verantwortungsgefühl?
„Wie kann man so fragen?“ sagen Sie vielleicht. Man kann Glauben doch nicht nach Soll und Haben verrechnen. Und das Leben berechnen wie ein Geschäft.
Doch man kann so fragen. Sogar Petrus hat das getan, erzählt die Bibel.

„Sieh mal Jesus, wir haben so viel zurückgelassen, und sind dir gefolgt.“ Ich höre da raus: Und was haben wir jetzt davon? Man könnte denken, Jesus fährt ihm dafür über den Mund. Im Gegenteil. Jesus verspricht Petrus: „Glauben bringt was.“

„Jeder, der für das Reich etwas zurückgelassen hat – Haus, Ehefrau, Geschwister, Eltern oder Kinder – wird dafür ein vielfaches neu bekommen – jetzt schon in dieser Zeit – und dann das ewige Leben, wenn Gottes Reich kommt..“

Und ich. Was habe ich neu bekommen durch den Glauben? Sicher, mit Petrus kann ich mich nicht vergleichen. Der Glaube hat mein Leben nicht auf den Kopf gestellt wie seins. Ich habe niemand verlassen. Ja, ich hätte einen anderen Beruf ergreifen können. Aber ich glaube nicht, dass mir Lehrer oder Agraringenieur mehr gegeben hätte.

Und meine Bilanz sonst?
Drei Dinge fallen mir ein, die der Glaube mir gegeben hat. Zuerst: Ich bin von Haus aus kein Held, habe schnell Befürchtungen und dunkle Gedanken. Auch als Vater war das so. Aber der Glaube macht mich immer wieder heller. Ich habe Hoffnung wieder gefunden: Vielleicht tut sich doch noch eine Möglichkeit auf. Wenn nicht heute, dann übermorgen.

Oder: Beim Abschied von lieben Menschen ist der Glaube auch gut für mich gewesen. Mein Vater und all die anderen, deren Tode sehr wehgetan haben, ich glaube, dass sie gut aufgehoben sind. Von guten Mächten geborgen. Hoffentlich hilft mir mein Glaube auch, wenn es für mich selber mal ans Sterben geht.

Und noch etwas: Mir tut es gut, dass mich der Glaube an Jesus immer wieder aufweckt: Es zählt nicht nur, was mir nützt. Die anderen sind genauso wichtig. Als Christ will ich auch anderen gut tun und das Leben besser machen.

Und keine Schattenseiten, wirklich nicht? Doch. Ich kann mir am Christentum nicht nur die positiven Seiten rauspicken. Zum christlichen Erbe gehört auch Dunkles. ZB. viele Christen haben im Dritten Reich nichts getan gegen rechtes Denken und Unrecht. Heute ist das ein Ansporn, wach zu sein. Ich will dafür einstehen, dass Gott da ist in unserer Welt, und allen Menschen nützen will, ohne Unterschied.

Da sprach Petrus:
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Er aber sprach zu ihnen:
„Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit - und in der kommenden Welt das ewige Leben.“

(Lukas 18,28-30)

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