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SWR1 3vor8

„Non avete paura“ – „Habt keine Angst“!
Das waren die ersten Worte von Johannes Paul dem Zweiten bei seiner Antrittsrede als Papst. Der Papst, der wesentlich zum gewaltfreien Fall des Eiserenen Vorhangs beigetragen hat. An ihn und dieses „Habt keine Angst!“ musste ich denken, als ich mich mit dem Text beschäftigt habe, der heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Ein Text aus dem Matthäusevangelium, bei dem es um die Angst der Jünger Jesu geht. Um ihre Angst, wenn sie seinen neuen und für sie schon auch gefährlichen Glauben verbreiten.


Auf diese Angst hin spricht Jesus die drei Worte aus, die sich durch sein ganzes Leben und Wirken ziehen: „Fürchtet Euch nicht“!“ Das hat er gesagt, als er gesehen hat wie erschreckt manche Menschen auf seine Wunder reagieren. „Fürchtet Euch nicht!“ waren seine Worte als seine Jünger ihn auf dem Berg Tabor verklärt-gottnah erlebt hatten. Und „Fürchtet Euch nicht!“ waren die Worte, die seine Jünger gehört haben, als er ihnen nach seinem Tod begegnet ist.

Das Christentum ist die Religion, die dem Mensch seine Angst nehmen könnte, ja müsste. Das hat der Theologe und Religionsphilosoph Eugen Biser immer wieder gesagt. Er hat von einer „ozeanischen“ Angst des Menschen gesprochen, die drei Quellen habe: Die Angst vor sich selbst, die Angst vor den Anderen und die Angst vor Gott. Allen dreien stellt er das christlich begründete „Fürchtet Euch nicht!“ entgegen.
Der Mensch braucht sich nicht mehr vor sich selbst fürchten, wenn er sich in einem grenzenlos liebenden Gott geborgen fühlt.

Der Mensch muss sich nicht mehr vor anderen Menschen fürchten, wenn er um die Stärken und Schwächen der Anderen weiß. Und weiß, dass sie ihm im tiefsten Grund seiner Seele nicht schaden können. Weil dort Gott wohnt und er dadurch nie allein ist. Und schließlich braucht der Mensch auch keine Angst mehr vor Gott haben, weil er sich in Jesus als grenzenlos Liebender gezeigt hat.  Schöne Worte und hohe Theologie.

Aber wie sieht es denn mit meiner Angst aus? Ich bin nicht ohne Angst. In seltenen Fällen hab ich Angst vor Menschen. Manchmal ängstigen mich die Schatten in meiner Seele. Aber mit diesen Ängsten kann ich umgehen, weil ich eine Angst nicht habe: die vor Gott. Weil ich glaube, dass er ein gerechter und gütiger Gott ist. In dessen Liebe ich meine Ängste vertrauensvoll hineinlegen kann.

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