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SWR1 3vor8

 (Lk 12, 49-53)

„Ich bin gekommen um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen.“ Einer der schwierigsten Sätze Jesu. Und heute in den katholischen Kirchen zu hören. Schwierig, weil er so aggressiv klingt. An anderer Stelle spricht Jesus sogar vom Schwert das er unter die Menschen bringt und das sie entzweien wird. Sogar Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Schwestern und Brüder. Ist Jesus denn ein Spalter oder Brandstifter? Nein. Aber Jesus brennt. Er wünscht sich so sehr, dass der Geist Gottes gegenwärtig wird in dieser Welt. Denn das ist sein Auftrag, seine Mission, der Sinn seines Lebens. Und den kann er nur mit göttlicher Radikalität erfüllen, mit innerem Feuer. Ohne Rücksicht auf Konventionen, Traditionen, ja sogar ohne Rücksicht auf familiäre Bindungen. Dabei ist sich Jesus sehr wohl bewusst, was das bedeuten kann. Er selbst hat sich ja von seiner Familie gelöst. Weil er so brennt. An anderer Stelle soll er mal gesagt haben: „Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe“. Und das ist wohl wahr. Denn Feuer wärmt, es spendet Licht, ist aber auch gefährlich. Man kann sich auch verbrennen! Auf Jesus bezogen heißt das, dass der Glaube, den er verkündet voll von Herzenswärme ist. Dass dieser Glaube Sinn geben, ja erleuchten kann. Und, dass er wehtun kann. Wenn jemand so erfüllt von ihm ist, dass ihn das von anderen Menschen trennt, trennen muss. Weil er sich ganz in diesen Glauben hineinbegibt. Als Priester oder Ordensschwester zum Beispiel. Dieser Glaube kann schmerzlich sein, wenn lieblose Menschen es nicht aushalten liebende Menschen zu sehen, die ganz in etwas aufgehen oder eine unumstößliche innere Haltung haben. Egal vor wem sie stehen. Bei nicht wenigen Christen hat das sogar bis zum Tod geführt. Zu aller erst bei Jesus. Wenn Menschen es nicht aushalten den Himmel offen zu sehen durch die Liebe gottbeseelter Menschen und sie kaltstellen, wegsperren oder gar umbringen müssen. Weil es das Leben der Lieblosen so sehr in Frage stellt und sie all ihrer Schutzpanzer wie Geld oder Macht entkleidet. Ja, der christliche Glaube kann gefährlich sein, in manchen Regionen dieser Welt sogar lebensgefährlich. Der christliche Glaube ist auch nicht billig zu haben, selbst wenn es hierzulande so aussehen mag. Aber er ist es nicht. Weil die Liebe nicht billig zu haben ist. Und weil sie brennt…

 

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