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SWR1 3vor8

zur Emmausgeschichte in Lk 24, 13-35

Tag 3 nach der Kreuzigung Jesu. Zwei Jünger Jesu verlassen Jerusalem. Wollen weg vom Ort der Katastrophe, sich in Sicherheit bringen im 11 Kilometer entfernten Dorf Emmaus. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf einen Mann, der anscheinend nicht viel von den Ereignissen in Jerusalem mitbekommen hat. Ihm erzählen sie von dem Drama, das sich dort ereignet hat, und auch davon, dass ihr geliebter Meister von den Toten auferstanden sein soll, was sie nicht wirklich glauben. Der Mann spürt wie sehr sie durch den Wind sind, er begleitet sie und seine Nähe tut ihnen so gut, dass sie ihn bitten bei ihnen zu übernachten. Als sie mit ihm zu Abend essen und er das Brot bricht, erkennen sie ihn, Jesus den Auferstandenen. Und wie sie ihn erkannt haben ist er auch schon verschwunden.

Diese Geschichte wird heute in den katholischen Kirchen gelesen. Was ist da passiert, frag ich mich als einer, dem sowas noch nicht passiert ist. Kann ich daran glauben, dass ein Mensch, der gerade noch im Grab gelegen hat, jetzt seine Freunde begleitet, mit ihnen redet, isst und trinkt?

Kann ich schon. Wenn ich daran glaube, dass dieser Mensch ganz Mensch und ganz Gott ist, dann dürfte es auch kein Problem für ihn sein die Naturgesetze außer Kraft zu setzen und zwischen Leben und Tod hin und her zu wandern.
Muss er aber nicht. Es gibt noch einen anderen Erklärungsversuch.

Kann es nicht sein, dass es den beiden Jüngern so ging wie es mir manchmal im Alltag geht? Nur tausendfach stärker und intensiver.
Auch mir geht es manchmal so, dass Menschen, die abwesend sind, manchmal viel anwesender, präsenter sind, als wenn sie da sind.
Weil ich mich, wenn sie da sind, einfach an sie gewöhnt habe und meine Wahrnehmung vielleicht durch den Alltag, das Gewohnte verstellt ist. Und dass ich sie, wenn sie weg sind und ich sie vermisse, noch viel deutlicher wahrnehme, viel tiefer, intensiver spüre wie sie sind und wer sie sind.

Und vielleicht ging es den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus ja ähnlich: Der Tote wird durch Erinnerung, durch Sehnsucht und Liebe auf einmal lebendig. Wird in Zeichen, Gedanken und Gesten so lebendig in ihnen und zwischen ihnen, dass sie ihn sehen und erkennen können. Der schmerzlich abwesende Jesus wird anwesend. Und bleibt es. Bis heute…

 

 

 

 

 

 

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Ostern. Christen feiern die Auferstehung. Gerade noch waren die Jünger von Jesus in Jerusalem erschrocken auseinander gelaufen, erzählt die Bibel. Jesus, ihr Lehrer, war hingerichtet worden. Und schon ein paar Tage später haben ein paar Frauen erzählt. Er lebt. Er ist nicht tot. Gott hat ihn auferweckt.

Ostern. Viele Menschen sagen auch: Schön, dass wir so ein Fest haben, wenn der Frühling anfängt und das Leben neu beginnt. Aber Auferstehung – das kann ich nicht glauben. Tot ist tot. Wie kann man glauben, dass ein Toter wieder da ist?

Solche Zweifel hatten auch die Jünger damals.
Die Bibel versucht darauf eine Antwort. Im allerersten Bericht von Ostern (Mk 16, 1-8) erzählt sie, wie das damals ein paar Frauen erlebt haben. In den evangelischen Gottesdiensten steht diese Geschichte heute im Mittelpunkt. Die Frauen wollten noch einmal Jesu Grab besuchen. Wenigstens dem Toten nahe sein, wenn der Lebendige nicht mehr da ist. Wer einen lieben Menschen verloren hat, der weiß, wie das ist. Viele besuchen immer wieder das Grab auf dem Friedhof, weil sie dem Toten nah sein möchten.

Aber die Frauen damals haben gemerkt: Er ist wirklich nicht mehr da. Auch hier, auf dem Friedhof ist der nicht, der mit uns gelebt hat. Das Grab ist leer.

Stattdessen war ein junger Mann da, ein Engel vielleicht, ein Bote von Gott. Der bestätigt ihnen, was sie ja auch schon bemerkt haben: „Er ist nicht hier“ – und schickt sie zurück in ihren Alltag. Dahin, woher sie gekommen sind. „Geht nach Galiläa“, sagt er ihnen. „Dort werdet ihr ihn sehen, wie er gesagt hat“

Tut, was er euch gesagt hat, als er noch bei euch war. Geht nach Hause und erinnert euch daran. Dann werdet ihr erleben, dass er bei euch ist. Immer noch. Immer wieder und immer neu.

Menschen, die um einen Toten trauern, die kennen das. Den Enkeln fällt das Lied ein, das die verstorbene Oma immer gesungen hat. Oder ihre Mahnung: Zieh dich warm genug an. Oder wie sie immer gesagt hat: Behüt‘ dich Gott. Und wenn sie das Lied von der Oma wieder singen und wenn sie ihre Mütze aufsetzen, dann ist die Oma plötzlich ganz nah. Und wenn sie auf Reisen gehen und keiner sagt mehr: Behüt‘ dich Gott! – dann vermissen sie sie vielleicht besonders. Und hoffentlich macht es sie ein bisschen mutiger, wenn sie sich erinnern.  und wenn sie darauf vertrauen: Gott wird mich behüten – so wie die Oma es immer gesagt hat.

Genauso ist der Rat des Engels an die Frauen, die den toten Jesus gesucht haben: Erinnert euch. Hört auf die Worte, die er zu Lebzeiten gesagt hat. Vertraut darauf. Lebt danach. Dann werdet ihr erleben: Er ist nicht tot. Er ist mitten unter uns. Er lebt. Und wir können auch leben.

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