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SWR1 3vor8

17. Sonntag im Jahreskreis A (1 Kön 3,5.7-12)

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen? Vielleicht Gesundheit oder ein langes Leben. Oder genügend Geld, damit Sie Ihre Schulden los sind. Glück in der Liebe wäre auch wünschenswert. Oh ja, ich wüsste da auch eine ganze Menge.  

König Salomo hatte auch einen Wunsch frei. Und er wünscht sich:  ein hörendes Herz.

Das Bildwort vom hörenden Herzen steht im 1. Buch der Könige im Alten Testament, aus dem heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird. Salomo ist gerade zum König gesalbt worden. Weil er noch ziemlich jung ist, macht er sich Sorgen, ob das mit dem Regieren gut gehen wird. Weil er aber auch fromm ist, bespricht er seine Zweifel mit Gott. Im Gebet. Und Gott antwortet ihm. Er will ihn unterstützen und sagt ihm, dass er diesen einen Wunsch frei hat. Gott zeigt sich davon beeindruckt, dass Salomo nicht um Reichtum oder ein langes Leben für sich bittet. Nein, der frisch gebackene Regent hat offensichtlich im Blick, dass er für viele Menschen Verantwortung trägt. Er wünscht sich ein hörendes Herz. Er will seine Aufgabe gut machen. Er ahnt, dass er dafür vor allem eines braucht: ein gutes Herz, und eines, dass offen ist für sein Volk. Für die Nöte, die Sorgen und Hoffnungen, die die Menschen mit sich herum tragen.

Wie geht das: ein hörendes Herz zu haben? Wenn ich gut zuhöre, dann bin ich konzentriert auf mein Gegenüber. Ich achte auf jede Kleinigkeit und verpasse nichts von dem, was gesagt wird. Vor allem höre ich nicht nur das, was mir in den Kram passt, sondern auch das, was unangenehm ist. Ich lasse es an mich heran, nahe, bis an mein Herz, ohne einen Panzer, der mich schützt. Wenn Menschen mir ihr Leid klagen oder von einer schlechten Erfahrung mit der Kirche erzählen, dann ist es wichtig, dass ich gut zuhöre. Und eben nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. Das tut dem gut, der verbittert ist: seine Wut zu teilen, endlich loszuwerden, was einer lange mit sich herum getragen hat. Da ist es gut, wenn ich mein Herz trainiere: dass es möglichst offen ist und weit, dass ich das, was andere sagen, möglichst nahe an mich heran lassen kann.

Was König Salomo vor 3000 Jahren wichtig war, ist übrigens ganz aktuell. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg hat sich eine Politik des Gehört-Werdens auf die Fahnen geschrieben. Er will vor jeder wichtigen Entscheidung, die er zu treffen hat, wissen, was die Menschen denken und fühlen. Ob er weiß, dass er damit in einer guten biblischen Tradition steht?

 

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