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SWR1 3vor8

„Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, …so ist es auch mit jedem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“  Stark diese Worte des Propheten Jesaja. Und er sagt es seien nicht seine, sondern Gottes Worte. Gesprochen vor zweieinhalbtausend Jahren und heute in den Katholischen Kirchen zu hören. Ganz schön selbstbewusst, wenn der Prophet sagt, dass diese Worte nicht ins Leere gehen und genau das bewirken was Gott mit ihnen bewirken will. Ja, so waren sie die Propheten. Knorrige Gestalten, die kein Blatt vor den Mund genommen haben. Und gesagt haben was zu sagen war, ohne Rücksicht auf Verluste. Sie kannten die Kraft der Worte. Worte können die Welt verändern. Im Großen wie im Kleinen. Das hat sich seit den Zeiten der Propheten bis heute nicht verändert. Worte können Geschichte schreiben und Geschichte verändern. Große Worte wie Martin Luther King’s „I have a dream“, Obamas „Yes we can“ oder “Wir sind das Volk”, hunderttausendfach gerufen bei unserer unblutigen deutschen Wende. Große Worte, so einfach wie mitreißend. Hoffnungen, Träume und Visionen kompakt in drei- vier Worte gepackt, mit Atem, Stimme und Gefühl in Köpfe und Herzen zahlloser Menschen geschickt. Es gibt aber auch kleine große Worte. Sie richten sich nicht an Menschenmengen oder den Lauf der Geschichte, sondern an Einzelne und den Lauf ihres persönlichen Lebens. Und diese kleinen großen Worte sind genauso wichtig wie die großen großen Worte. Denn die kleinen großen Worte werden im Verborgenen gesprochen. Und immer dann, wenn das Leben dicht wird, in die Tiefe geht oder an Grenzen kommt.

Zum Beispiel Worte wie: „Lass gut sein“, gesprochen zu jemanden, der nicht mehr aufhören kann zu arbeiten oder zu lernen, „lass es gut sein“.  

„Trau dich“ – zu jemandem, der Angst hat, vor einer Prüfung, einer Situation oder einem Menschen. „Du schaffst das“, gesprochen zu jemandem, der zu sehr an sich selbst zweifelt.

„Ich weiß“, zu einem Menschen, der von seiner Verzweiflung, seiner Traurigkeit erzählt. „Ich weiß“. „Komm“, gesprochen zu einem Menschen, der einsam ist oder scheu. „Komm“...

Von solchen kleinen großen Worten leben wir. Wenn wir sie geschenkt bekommen. Und wenn wir sie anderen schenken.

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