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SWR1 3vor8

 – Apostelgeschichte 2,42-47

2. Sonntag der Osterzeit (A)

„Alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft, hatten alles gemeinsam und gaben jedem so viel, wie er nötig hatte.“ – Wo gibt es denn so etwas? Da könnte man geradezu neidisch werden. Dieses Idealbild von der jungen Kirche zeichnet die Apostelgeschichte im Neuen Testament und ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Hat es das wirklich je gegeben?

Auf jeden Fall hat sich das Christentum vor 2000 Jahren außerordentlich schnell ausgebreitet. Man weiß zwar nicht genau, was sich damals alles abgespielt hat. Doch eine Erklärung scheint für die Erfolgsgeschichte des frühen Christentums sicher: Die Anhängerinnen und Anhänger dieses Glaubens sind spürbar besser miteinander umgegangen als ihre Umwelt.

Es waren die engen sozialen Netze der ersten Christen. Erst mit ihnen sind die Sorge für Alte und Kranke, sind Mitleid, Barmherzigkeit und Nächstenliebe salonfähig geworden.

Das geht zurück auf Jesus. Wie er „Wohltaten spendend“ (Apostelgeschichte 10,38) umherzog, Gutes tat, Kranke heilte und sich auf die Seite der Erniedrigten und Beleidigten gestellt hatte. Wie ich Jesus verstehe, sind für ihn nicht die Fragen entscheidend, wer Leid, Elend und Krankheit verursacht hat. Für ihn ist wichtig, mit zu leiden, zu helfen und zu heilen. Ihm geht es darum, alle heilsamen und heilenden Kräfte zu mobilisieren, die es gibt – vor allem die Liebe. Sie allein macht die vielfältigen Zumutungen des Lebens erträglich und lässt sie aushalten.

Davon ist im Laufe der Geschichte viel verloren gegangen oder gar ins Gegenteil umgeschlagen. Die Kirche läuft immer wieder Gefahr, ihre Wurzeln zu vergessen, manchmal auch zu verraten.

Derzeit erinnert Papst Franziskus wieder an diesen Ursprung. Mit seinem Lebensstil und mit seiner Botschaft lässt er die Kirchen aufhorchen und die Welt staunen.

So soll nach dem Willen von Papst Franziskus die Liebe Gottes für jeden Menschen durch alles kirchliche Handeln hindurchleuchten. Er will eine Kirche für die Armen, eine Kirche des Dialogs und der Barmherzigkeit, der Wärme und der Zuwendung. Er will eine Kirche, die Wunden heilt und endlich wieder mehr Verständnis für menschliches Scheitern zeigt! - Damit ist Papst Franziskus genau in der Spur, die Jesus mit seinem Leben und seiner Botschaft hinterlassen hat. Bleibt zu hoffen, dass die ganze Kirche von diesem „Charme des Ursprungs“ erfüllt wird.

Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17455