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SWR1 3vor8

Um ein Auswahlverfahren geht es in einem der Texte, die heute in den Katholischen Kirchen gelesen werden. Gott schickt den Propheten Samuel zu einem Mann namens Isai. Einer seiner Söhne soll der König Israels werden. Samuel füllt kostbares Salböl in ein Gefäß und macht sich auf den Weg zu Isai. Ihn bittet er ihm seine Söhne zu zeigen. Isai zeigt ihm als erstes den schönsten und stärksten seiner Söhne. Samuel ist schwer beeindruckt und denkt, das ist der künftige König Israels. Aber Gott sagt nein. Also holt Isai noch 7 weitere seiner Söhne. Aber keiner ist der Richtige. Da fragt Samuel Isai ob das nun alle gewesen seien. Und Isai antwortet, dass er noch einen habe, seinen Jüngsten, der hüte aber gerade die Schafe. Samuel möchte ihn sehen und Isai lässt ihn holen. Und vor ihnen steht der David, der später einmal in einem legendären Kampf den Goliath besiegen wird. Samuel salbt ihn als Zeichen dafür, dass er zum König Israels auserwählt worden ist.  
Eine schöne, fast märchenhafte Geschichte aus dem alten Testament der Bibel. Rund 3000 Jahre ist sie alt. Warum erzähle ich sie? Weil sie mir zeigt worauf es ankommt, wenn ich auswählen soll, wenn ich mich entscheiden muss. Es ist nicht immer der erste Beste der Richtige, oder der Glänzendste. Und auch nicht der mit den besten Noten und Referenzen. Oft liegt die Lösung im Unscheinbaren, dort woran ich noch gar nicht gedacht habe. In Menschen, die mir auf den ersten Blick nicht aufgefallen sind.

Dazu braucht es etwas, das man auch Intuition nennt. Sie entsteht unter anderem dann, wenn ich mich von fixen Vorstellungen löse. Oder wenn ich mich nicht vom schönen Schein beeindrucken lasse. In der Sprache der Bibel hört sich das so an. Bevor Samuel den ersten Sohn Isais ablehnt, hört er Gott zu ihm sagen: „ Sieh nicht auf sein Aussehen und seine schöne Gestalt. Gott sieht nämlich nicht das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

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