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SWR1 3vor8

„Wir schenken uns dieses Jahr zu Weihnachten nichts,“ hat mir vor Wochen eine Freundin gesagt. „Das ist immer dasselbe, eigentlich tauscht man nur herüber und hinüber, wie zwanghaft.“
Ich weiß gut, was sie gemeint hat. Trotzdem, ich könnte das nicht. Weihnachten ohne schenken, ohne Austausch herüber und hinüber. Ich hätte das Gefühl, ich mache das Leben ärmer. Kann sein, dass Ihnen das übertrieben vorkommt. Aber für mich ist schenken und beschenkt werden ein Symbol für Leben. Und zwar für seine besten Seiten.
Gibt es schönes und gutes Leben ohne Austausch? Eigentlich nicht. In allen Bereichen des Lebens.
Denken Sie ans Essen. Ich ernähre und erhalte mein Leben, indem ich fremdes Leben zu mir nehme. Jedes einfache Stück Brot ist fremdes Leben, das mir zu Gute kommt, genau wie ein leckeres Festessen. Es gibt kein Leben ohne Austausch von Leben.
Oder denken Sie an ein Gespräch: Wenn ich selber etwas preisgegeben habe für mein Gegenüber, dann habe ich immer den meisten Gewinn für mich gehabt. Je intensiver der Austausch, umso reicher fühle ich mich danach.
Oder erst recht in der Liebe: Wer in der Liebe bei sich bleibt, nichts geben kann und nicht empfangen: Der bleibt arm. Und wie reich fühl ich mich, wenn ich aus mir herausgehe, mich ganz gebe, ohne Angst, zu verlieren und so viel zurückbekomme. Geschenkt.
Wenn man so liebt, kommt man sich oft vor wie neu. Wie ausgewechselt. Als hätte man ein Stück von sich ausgetauscht. Durch den liebevollen Austausch mit anderen. Das Leben wäre arm ohne Austausch.
Eigentlich ist das auch der Kern von Weihnachten. Da kommt dann noch ein ganz anderer Austauschpartner ins Spiel. Ins Leben. Gott tauscht mit uns Menschen. Er kommt in unser Leben.
In den evangelischen Gottesdiensten stehen heute ein paar Zeilen im Mittelpunkt aus einem Brief des Paulus. Sie lese Ihnen einmal vor, was wir davon haben, wenn Gott den Austausch mit uns sucht.
Ihr wisst ja, welche Gnade uns unser Herr Jesus Christus erwiesen hat:
Obwohl er reich war, wurde er arm für euch.

Denn durch seine Armut solltet ihr reich werden. (2. Kor 8.9)
Gott bereichert das Leben, ihres und meines. Mit Gnade. Eigentlich ist Gnade ein anderes Wort für Gott schenkt Leben. Wir bekommen neues Leben geschenkt, wo alles schon ein bisschen mürbe geworden ist und verbraucht schien. Und Geschenke mit Herz an Weihnachten, die erinnern daran. Weil auch die Freude darüber das Leben neu macht. Und schön, wenn wir das Schenken auch nach Weihnachten hinkriegen. Wolf-Dieter Steinmann Ettlingen evangelische Kirche.

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Stellen Sie sich vor: Aus Anlass des Festes heute spricht Gott zu Ihnen. Direkt, ohne Übersetzung und Vermittlung; so, als säße er jetzt hier am Mikrofon. Gott hat drei Minuten, um Ihnen und mir zu sagen, auf was es im Rest unseres Lebens ankommt. Was denken Sie, ist der Inhalt seiner Weihnachtsansprache? Vielleicht spricht er über die Zukunft der Erde; vielleicht darüber, wie unbedeutend wir sind im gesamten Kosmos. Über die Liebe und dass wir mit ihr so viel besser machen könnten. Oder über das Leid, unter dem wir stöhnen. Womöglich kritisiert er, wie wenig wir auf ihn hören ... 

Nein, so einfach geht das nicht, weil Gott so nicht funktioniert. So menschlich und berechenbar. Er hält sich nicht an Sendezeiten und Programmplätze. Er braucht weder Technik noch Funkwellen. Und weder ich noch irgendein anderer Mensch kann ihn je so verstehen, dass er sagen kann: Genau das meint Gott. Das will er von dir – und nichts anderes. Gott ist nicht so menschlich. Er passt sich nicht in unser System ein. 

Doch halt! Bedeutet Weihnachten nicht Mensch-Werdung? Da gibt es doch die Erzählung des Evangelisten Lukas. In ihr wird überliefert, dass ein Mensch geboren ist, von Maria, der Jungfrau, aus dem Stamm Davids, in Betlehem. Und weiter: Dieser Mensch ist der heiß ersehnte Messias, der Retter der Welt, der Heilsbringer, endlich. Ein Mensch, aber ein göttlicher. In ihm kommt Gott selbst zur Welt. Der göttliche Mensch. Der menschliche Gott. Dass beides zusammenpasst, dass es zusammen gehört, darum geht es an Weihnachten.

 Der andere Verfasser eines Evangeliums, Johannes, über dessen Text heute am Weihnachtstag in allen katholischen Gottesdiensten gepredigt wird, beschreibt das Gleiche, aber mit völlig anderen Worten: „Im Anfang war das Wort – und das Wort war bei Gott – und das Wort war Gott. (...) Und das Wort ist Fleisch geworden.“ Johannes zufolge muss Gott doch zu uns sprechen. Ganz menschlich, absolut verständlich für uns. Johanneskann Gott nicht anders begreifen: Gott spricht. Er teilt uns mit, was er denkt, was ihm wichtig ist. Und damit wir ihn verstehen können, spricht er durch Jesus zu uns. Sätze wie: „Selig sind die Frieden stiften.“ Oder auch: „Die ersten werden die letzten sein.“ Und viele andere, die uns in der Bibel überliefert sind. Ja, wir können Gott verstehen. Diese große Nähe zu ihm feiern wir heute. Frohe Weihnachten wünsche ich Ihnen!

 

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Kurz vor Weihnachten ist viel vom Frieden auf Erden die Rede und von der Liebe. Das, heißt es, sei Grund zu großer Freude.
Aber viele hat die Realität skeptisch gemacht: Hört bloß auf mit diesem Weihnachtsgedöns, sagen sie. Das ist doch viel zu schön, um wahr zu sein. Die Welt ist nun mal nicht das Paradies. Und sie wird es nie werden.
Auch heute, am 4. Advent, wird in den evangelischen Gottesdiensten so eine Ankündigung von Frieden und Freude vorgelesen. Jahrhunderte vor der Geburt im Stall hat ein Gottesmann in politisch und wirtschaftlich dunkler Zeit erfreuliche Nachrichten verkündet: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten,“ hat er gesagt, „sie verkündigen Frieden, predigen Gutes und verkündigen Heil. Sie sagen zu Jerusalem: Dein Gott ist König!“ (Jes 52,7)
Die Zeiten haben sich geändert. Ihr könnt euch auf Gott verlassen. Jetzt wird Frieden werden. Jetzt kann das Gute sich ausbreiten. Jetzt kommt eine heilvolle Zukunft. So verstehe ich diesen Propheten. Ich habe keine Ahnung, wie die Leute damals auf diese Ankündigung reagiert haben. Sie hatten allen Grund, skeptisch zu sein: Ihr Land lag in Trümmern.
Aber anscheinend haben sie sich anstecken lassen von der Hoffnung. Lasst es uns versuchen, haben sie sich gesagt. Und sich auf Gottes Versprechen verlassen. So haben sie  sich an die Arbeit gemacht. Haben auf vieles verzichtet. Haben neu angefangen und aufgebaut. Wahrscheinlich haben sie genau gewusst: Für uns können wir nicht mehr allzu viel erwarten – aber unseren Kindern und Enkeln, denen soll es besser gehen. Dafür lohnt es sich, dass wir jetzt anfangen und es neu versuchen. Und wirklich: Ihre Nachkommen konnten leben, nicht mehr in Trümmern und Unfreiheit. Sondern in der Stadt, die ihre Vorfahren ihnen gebaut hatten.
Wenn Menschen sich auf Gott verlassen und sich an ihm orientieren – dann ist das möglich. Dann bleiben Frieden und Gutes und Heil nicht bloß ein Traum. Dann denken Menschen nicht bloß an sich und ihren eigenen Wohlstand. Dann sind sie bereit, ihre eigenen Interessen zurückzustellen, damit auch andere gut leben können. Die Kinder zum Beispiel und die Enkel.
Wir heute müssen Gott sei Dank nicht unser Land aufbauen – das haben andere für uns getan. Aber wir könnten vielleicht noch das Weltklima retten. Oder das Betriebsklima. Oder das Familienklima. Wenn Sie und ich bereit wären, nicht bloß an unseren Vorteil, sondern auch an das Gute für die anderen zu denken.
Gott ist zur Welt gekommen. In einem Kind im Stall, glauben wir Christen. Dieses Kind hat gezeigt, wie sich die Liebe ausbreiten kann und das Leben. Lassen Sie es uns versuchen. Damit das Leben neu werden kann.

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