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SWR1 3vor8

„Ich möchte gern sein wie ….“ Ich glaube, jeder hat Vor-Bilder im Kopf. Idole. Junge Frauen messen sich an Model-Idolen wie Kate Moss, Gisele Bündchen oder Miranda Kerr. Aber ich möchte nicht wissen, wie viele unter diesen Bildern leiden. Die Vorbilder sind so groß, dass man sie nie erreichen kann.
Auch im Christentum gibt es Frauenidole: Mütterlich wie Maria, dienend wie Mutter Theresa. Duldsam wie Elisabeth. Viele Frauen haben sich daran abgearbeitet, zu werden wie diese Vorbilder. Und konnten deshalb nicht verwirklichen, was Gott in sie hinein gelegt hat.
Dabei gibt es in der Bibel noch ganz andere Frauenbilder. Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten von einer Frau erzählt, die es nicht zum Idol geschafft hat. Bisher.
Jesus hat ihre Geschichte erzählt:
In einer Stadt lebte ein Richter. Der hatte keine Achtung vor Gott
und nahm auf keinen Menschen Rücksicht.

In der gleichen Stadt wohnte auch eine Witwe. Die kam immer wieder zu ihm und sagte: 'Verhilf mir zu meinem Recht gegenüber meinem Gegner.' Der Richter wollte sich nicht darum kümmern, lange Zeit nicht.
Und sie? Diese Frau - und das ist für Jesus das Vorbildliche - diese Frau steckt nicht zurück. Sie geht immer wieder hin zu diesem Machtmenschen, der sie arrogant ablaufen lässt. Sie stellt sich vor ihn, konfrontiert ihn. Sie spürt das Unrecht, das man ihr getan hat, und nimmt es nicht hin, als den üblichen Lauf der Welt. Es erzürnt sie.
Und sie regt sich nicht nur einmal kurz auf und geht dann zur Tagesordnung über. Ihr Zorn wird zur Kraft, die sie handeln lässt. Sie lässt sich nicht besänftigen.
Ein Bild von einer Frau:
Nicht still und zurückhaltend, sondern stark, leidenschaftlich. Und ausdauernd. Auch weil sie anscheinend weiß: Gott steht als erster gegen Unrecht. Ich finde, darum ist ihr Zorn gerecht, ein heiliger Zorn. Und seine Glut erlischt nicht in ihr. Darum kann sie Widerstand leisten. Dieser Frau hat Jesus ein Denkmal gesetzt. Und dann er erzählt noch:
Ihr Einsatz hat Erfolg. Ihre Hartnäckigkeit lässt den Richter endlich tätig werden. Gott steht zu denen, die Unrecht sehen, dagegen aufstehen und protestieren, verspricht Jesus.
Ich weiß, auch so ein Vorbild kann zu groß werden. Ähnlich wie die Model-Idole. Mich überfordern. Weil ich nicht so mutig bin. Aber Unrecht nicht zu sehen und es leidenschaftslos zu schlucken, das geht gar nicht. Gott gebe, dass Sie und ich die Kraft zum heiligen Zorn bekommen. Und ich hoffe, wir stellen uns gegen Unrecht, nach unseren Möglichkeiten. Wolf-Dieter Steinmann Ettlingen evangelische Kirche.

Die ganze Geschichte steht im Lukasevangelium 18,1-8
Jesus wollte den Jüngern deutlich machen,
dass sie immer beten und darin nicht nachlassen sollen.
Deshalb erzählte er ihnen ein Gleichnis:
"In einer Stadt lebte ein Richter.
Der hatte keine Achtung vor Gott und nahm auf keinen Menschen Rücksicht.
In der gleichen Stadt wohnte auch eine Witwe.
Die kam immer wieder zu ihm und sagte:
'Verhilf mir zu meinem Recht gegenüber meinem Gegner.'
Doch dann sagte er sich:
'Ich habe keine Achtung vor Gott und ich nehme auf keinen Menschen Rücksicht. Aber diese Witwe ist mir lästig.
Deshalb will ich ihr zu ihrem Recht verhelfen.
Sonst verpasst sie mir am Ende noch einen Schlag ins Gesicht.'
Und der Herr fuhr fort:
"Hört genau hin, was der ungerechte Richter hier sagt!
Wird Gott dann nicht erst recht denen zu ihrem Recht verhelfen, die er erwählt hat – und die Tag und Nacht zu ihm rufen?
Wird er sie etwa lange warten lassen?
Das sage ich euch: Sehr schnell wird er ihnen zu ihrem Recht verhelfen!
Aber wenn der Menschensohn kommt –
wird er so einen Glauben auf der Erde finden?"

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