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SWR1 3vor8

Lukas 7,11-17
10. Sonntag im Jahreskreis (C)

„Junger Mann - steh auf!" Mit diesem energischen Befehl erweckt Jesus den einzigen Sohn einer Witwe vom Tod. Das steht im Lukas Evangelium und ist heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören.
Jesus hat Mitleid mit der Mutter des Toten. Er zeigt sich betroffen, dass so viele Leute Anteil nehmen. Auch diese Szene zeigt: Jesus ist ganz Mensch. Aber hat er wirklich die Macht, über den Tod zu bestimmen? Ich glaube: dass wir endlich sind und sterben müssen - diese Tatsache setzt Jesus nicht einfach außer Kraft. Warum aber dann diese Geschichte? 

Es geht hier um mehr als den Tod. Es geht um den engen Zusammenhang von Leben und Tod. Danach ist die Auferstehung zu neuem Leben kein fernes, fremdes Ereignis, irgendwann einmal am Ende der Zeit - sie beginnt schon jetzt. Diese Überzeugung zeigt sich auch in der Geschichte von der Auferweckung des jungen Mannes. Sie gipfelt letztlich darin, dass Jesus von sich selbst sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben!" Und Jesus ermutigt zum Glauben: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt!" (Johannes 11,25-26)  

Für mich heißt das, an etwas Unglaubliches zu glauben: Bei Jesus gibt es keine Grenze zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen Erde und Himmel, zwischen Menschlichem und Göttlichem. Das Unglaublichste am christlichen Glauben ist die Botschaft, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Anfang neuen Lebens. Diese Botschaft stellt die Welt und alle Erfahrungen auf den Kopf. 

Und so ruft Jesus den Toten ins Leben: „Junger Mann - steh auf!" Ich finde das total spannend. Und ich fühle mich angesprochen: Komm heraus aus deiner Endlichkeit, aus deiner Enge, aus deiner Todesangst - du bist frei. Auch wenn der Tod endgültig ist, er ist nicht das Letzte, das ich erfahre. Und so halte ich auch das für möglich:  

Wer sich für lebendig tot hält, weil er mit dem Dasein nicht fertig wird - der kann neu geboren werden durch Liebe, die er erfährt. 

Wer schwer krank den Tod vor Augen sieht - der kann ein Stück auf Ewigkeit hoffen. 

„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen" - das ist bittere Wirklichkeit. Ein Lied von Martin Luther beginnt so (Gotteslob 654). Aber ebenso gilt die Zusage Jesu: „Junger Mann - steh auf! Ich bin die Auferstehung und das Leben!" - jetzt und heute!

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