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SWR1 3vor8

Lukas 9,28-36  2. Fastensonntag (C) 

Einen schönen guten Morgen, ich bin Pfarrer Michael Broch aus Leonberg. Wir nennen sie Highlights: faszinierende Entdeckungen im Urlaub; wenn mir ein Licht aufgeht und ich einen Menschen, eine Sache so richtig verstehe; wenn ich mich nach einem Streit versöhne; wenn zwei sich verlieben. Solche Highlights sind eher selten. Wie sehr wünschen wir, sie sollten nicht aufhören. Aber der Alltag holt uns wieder ein. Was bleibt? - die gute Erinnerung, von der ich lebe. 

Ein anderes Highlight haben drei Jünger Jesu. Davon ist heute - am 2. Fastensonntag - in den katholischen Gottesdiensten zu hören Jesus nimmt die Drei mit auf einen Berg, um zu beten. Plötzlich verändert sich das Aussehen von Jesus. Sein Gesicht verklärt sich und leuchtet wie die Sonne. Die Jünger fühlen sich in himmlische Sphären entrückt. Sie wollen diesen Augenblick festhalten. Doch plötzlich verschwindet diese wunderbare Schau.  

Was bleibt mir, wenn ich versuche, das zu verstehen? Wo erlebe ich Verklärung, ein verklärtes Gesicht? - Das Gesicht eines Menschen, der liebt, gibt mir eine Ahnung davon, wie Jesu Gesicht ausgesehen haben könnte: Ein Hauch von Liebe und Licht. Ich ahne: Gott ist Licht, Licht ohne Schatten. Bei ihm ist es hell und schön.  

Für mich bedeutet diese Geschichte auch das: Die Verklärung auf dem Berg bricht mit einer uralten Tradition. Die Menschen dachten seit jeher zweideutig von Gott: er liebt, verzeiht, tröstet - und dann: er zürnt, straft, richtet. Und so haben viele Menschen bis heute ein gestörtes Verhältnis zu Gott. Sie fürchten sich mehr vor ihm, als dass sie ihn lieben. Damit bricht diese Szene.

Jesu leuchtendes Gesicht sagt mir: Gott liebt uns Menschen ohne Vorbedingungen und ohne Vorbehalte. Von seinem Liebesblick getroffen, können wir erkennen, wer wir sind: Kinder Gottes, Töchter und Söhne, Freundinnen und Freunde Gottes, von ihm unbedingt erwünscht.  

Und dann kommt immer wieder der Einwand: Wenn Gott so liebt, dann können wir gleich tun, was wir wollen; dann kann uns ja nichts mehr passieren. Nein. Das halte ich für einen großen Irrtum. Wo Gottes Liebe wirklich bei mir ankommt, da kann ich nicht bleiben, wie ich halt so bin. Das verändert mich und drängt mich geradezu, dieser Liebe - so gut ich kann - mit meiner Liebe zu begegnen.  

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

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