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SWR1 3vor8

Es gibt Stellen in der Bibel, die klingen sehr überzeugt und alles andere als bescheiden. Im Johannesevangelium z. B. In dem Abschnitt, der heute in den evangelischen Gottesdiensten im Mittelpunkt steht, sagt Jesus von sich:
Glaubt an das Licht, solange ihr es bei euch habt.
Dann werdet ihr selbst zu Kindern des Lichts."

Mit dem „Licht" meint Jesus dabei sich selbst.
Wenn ich das für heute übersetze, heißt das etwa:
„Wenn Sie und ich auf Gott vertrauen, wie Jesus ihn sichtbar gemacht hat, dann wird das Leben klar, ohne Makel und Schatten. Erfüllt und wahrhaftig, mit Sinn und Ziel."
Klingt sehr überzeugt. Irgendwie unberührt von Zweifel.
Und ich merke, so zweifelsfrei kann ich das nicht nachsprechen. So eindeutig und automatisch positiv wirkt der christliche Glaube leider nicht. Vielleicht konnte man das vor 2000 Jahren so sagen, als das Christentum noch unverbraucht war. Aber heute? Es ist so viel passiert durch Christen. Auch im Namen des Glaubens an Jesus. Und wie viele christliche Lebenswege waren und sind nicht wahrhaftig, waren sogar dunkle Irrwege.
Ich glaube darum, dieses Wissen um die Schatten gehört dazu, wenn ich heute versuche, zu glauben und als Christ zu leben. Und das macht auch bescheiden.
Aber andererseits: Ich finde, man darf auch nicht zu bescheiden werden. Und darf die Ansprüche an das Leben, an sich und den Glauben nicht zu weit herunterschrauben. Dass mein Leben klar, erfüllt, wahrhaftig, mit Sinn und Ziel sein möge, soll man das etwa in den Wind schreiben?
„Glaubt an das Licht, dann werdet ihr klare und helle Menschen".
Mich fordert das heraus, mich an Jesus zu orientieren, Vertrauen zu probieren in seinen Gott - und das heißt ja glauben.
Weil das das Leben erhellen kann, aufklären. Ich finde z. B. das Leben wird heller, wenn man christlich mit Schmerzen umgeht. Mit eigenen und fremden. Mit körperlichen, seelischen aber auch sozialen. Die gibt es ja auch, Armut z. B. ist schmerzlich. Jesus lehrt empfindsam zu sein für Menschen und ihre Schmerzen. Nicht verdrängen oder übertönen, sondern ihre Ursachen spüren, aufklären und versuchen zu heilen. Menschen ihren Schmerzen nicht allein überlassen. Sie schon gar nicht auszugrenzen als Menschen mit Makel.
Und wenn man selbst Schmerzen hat? Sie können einem das Leben überschatten. Aber ein „Kind des Lichts" bleibt man trotzdem, christlich gesehen. Mit der Aussicht auf ein erfülltes Leben.

 

hier der vollständige Predigttext für den 20.1.13 (Johannes 12,34-36):

Die Leute erwiderten:
"Aus dem Gesetz haben wir erfahren: Der Christus bleibt für immer bei uns. Wie kannst du dann sagen:
„Der Menschensohn muss erhöht werden"?
Darauf sagte Jesus zu ihnen:
"Das Licht ist nur noch für kurze Zeit bei euch. Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt. Sonst überwältigt euch die Dunkelheit!
Wer seinen Weg im Dunkeln geht, weiß nicht, wohin er führt.
Glaubt an das Licht, solange ihr es bei euch habt.
Dann werdet ihr selbst zu Kindern des Lichts."

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14568