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SWR1 3vor8

Das Glück ist grün. Diese Zeitungsüberschrift habe ich vor kurzem gelesen. Sie war nicht politisch gemeint, sondern es ging um die Freude am Garten. „In diesem Jahr", so stand da zu lesen, haben die Deutschen erstmals genauso viel Geld für ihren Garten wie für Backwaren ausgegeben: 18 Milliarden Euro."[1] Wer einen Garten hat und vor allem, wer selber darin arbeitet, erlebt das Wachsen. Und vielleicht liegt genau darin ja ein Teil des Glücks, von dem am Anfang die Rede war. Man sät oder pflanzt etwas, und es wächst. Blumen Früchte, Bäume, Gras. In der Zeitung lese ich weiter: „In einer hektischen Zeit, in der alles machbar und verfügbar zu sein hat,... vergräbt man eine Tulpenzwiebel. Und ganz gleich, wie oft man nun gießt, wie sehr man sie düngt, die Zwiebel lässt sich nicht zwingen. Sie sprießt, wenn es ihr gefällt.... Der Gärtner lebt in Erwartung. Anders als der Fetisch namens Wachstum, dem die Ökonomen huldigen, .... ist der wachsende Garten immer noch ein Versprechen.... Hier gedeiht die Lust daran, sich auszumalen, was noch nicht ist." [2]
Das klingt fast so wie ein Text aus dem Markusevangelium, der heute in vielen Kirchen gelesen wird. Da ist die Rede von einem Mann, der Samen auf seinen Acker sät. „Dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre." (Markusevangelium 4, 26-28). Das Wichtige hier in der Bibel ist, dass dieser Mensch dem gesetzten Anfang vertraut, der Kraft, die in dem Anfang liegt. Daß er nicht ständig versucht, noch mehr rauszuholen oder das Wachsen zu beschleunigen. Mir gibt es zu denken, dass die Bibel hier das Wartenkönnen und Gedeihenlassen als vorbildlich hinstellt. Daran könnten wir uns durchaus mehr orientieren in einer Zeit, in der Nahrungsmittel vielfach industriell produziert werden und mit Ernten im voraus an der Börse spekuliert wird.
Übrigens: Jesus will mit dieser Geschichte vom Säen und Wachsen seinen Jüngern Mut machen, noch über Feld und Garten hinaus. Er will sagen, daß es mit Gottes Einfluß in der Welt ähnlich geht wie mit so einem Samen. Er ist gesät und trägt alle Kraft zum Gedeihen in sich.

 [1] Die Zeit, 24.Mai 2012, S.43
[2] ebda 44

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13234