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SWR1 3vor8

Beim Fasten kann man gegenseitige Unterstützung gut brauchen. Denn Fasten ist ja nicht so einfach. Für den der fastet nicht, und manchmal sogar für die, die nicht fasten.

Für den der fastet, klar. Es ist nicht leicht zu verzichten auf meine Abhängigkeiten: Die Schokolädchen zur Belohnung oder gegen den Frust, Fleisch, die ein zwei Viertel Wein, Fernsehen um die Zeit zu vertreiben, im Handy zu versinken bei jeder - auch unpassenden - Gelegenheit. Wenn Sie fasten wünsche ich Ihnen, dass Sie und ich durchhalten bis Ostern. - Und wenn wir schwach werden, dann können wir ja noch mal anfangen.

Für manche ist es aber auch schwierig mit anzusehen, wie andere fasten. Mir ist folgendes passiert: Ich gehe mit anderen nett essen, bestelle ohne Fleisch und ohne Bier. Und auf einmal werde ich zum Thema. Die anderen essen wie immer, wirken aber nicht wirklich entspannt. Wollen sich erklären, warum sie nicht verzichten. Am liebsten wäre es ihnen - so sieht es aus - wenn ich aufs Verzichten verzichten würde. Anscheinend kann Verzicht für andere zum Stein des Anstoßes werden.

Darum ist es gut, wenn man sich beim Fasten gegenseitig hilft. Wie, dazu hat sich der Apostel Paulus schon Gedanken gemacht. In den evangelischen Kirchen wird heute gelesen, was er den Christen in Korinth geschrieben hat:

Wir achten darauf, dass wir auf gar keinen Fall Anstoß erregen. Vielmehr erweisen wir uns als Gottes Diener, auch durch Fasten.

Keinen Anstoß erregen, dienen durch Fasten: Ich glaube, dazu gehört vor allem, dass man kein großes Aufhebens darum macht. Fasten ist auch kein religiöses „muss". Weder für mich noch für die anderen. Schön, wenn es gut tut. Aber durch Fasten ist man kein besserer Mensch oder Christ. Fasten ist eine Sache der Freiheit. Es kann meiner Gesundheit dienen. Es tut gut, wenn ich spüre, ich kriege es hin, ein Ziel konsequent zu verfolgen. Und wenn ich spüre, ich kann auf etwas verzichten, das macht freier.

Wenn dann mein Verzicht einen anderen herausfordert, also einen positiven Anstoß gibt, über sich nachzudenken oder es auch zu versuchen. Das ist dann ja nicht schlecht. Wenn er das selber will. Vielleicht hilft es ihm ja auch. -

Und wenn Sie zu denen gehören, die selber nicht verzichten und jemand in der Nähe haben, der es versucht: Wie können Sie dem helfen? Denken Sie daran, wer fastet tut das zwar freiwillig, aber manchmal fällt es trotzdem schwer. Und dann tut es bestimmt gut, wenn Sie ihn oder sie beim Verzichten moralisch unterstützen.

 

 2. Korinther 6,1-5 ( in Ausschnitten)

 Als Mitarbeiter Gottes bitten wir euch aber auch:Sorgt dafür, dass die Gnade Gottes, die ihr empfangen habt, nicht ohne Wirkung bleibt.
Denn Gott spricht:
"Zu der Zeit, als ich dir Gnade schenkte, habe ich dich erhört.Am Tag der Rettung bin ich dir zu Hilfe gekommen."Seht doch! Jetzt beginnt die Zeit, in der Gott Gnade schenkt.Seht doch! Jetzt ist der Tag der Rettung.

Wir achten darauf, dass wir auf gar keinen Fall in irgendeiner Weise
Anstoß erregen...
Vielmehr erweisen wir, das wir Gottes Diener sind, ....
durch Mühen, mit durchwachten Nächten, durch Fasten.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12572