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SWR1 3vor8

Fasnachtssonntag

Christliche Verkündigung mitten in der närrischen Zeit? Das scheint irgendwie nicht zu passen. Und so scheint auch manch einer „fromm sein" mit „humorlos" gleich zu setzen. Zum einen sind die Zeiten ernst. Zum anderen sind Kirche und Religion immer so bedeutungsschwer. Das ist auch kein Wunder, geht es doch um die ersten und die letzten Fragen. Themen wie Sinn, Leid, Schuld und Tod passen nicht gerade zu Ausgelassenheit und Frohsinn. Stimmt. Trotzdem möchte ich ein Plädoyer halten für den Humor. Nicht nur, weil heute Fastnachtssonntag ist, sondern weil den Kirchen ein wenig mehr Fröhlichkeit gut anstehen würde Damit fühle ich mich in guter Gesellschaft mit der Bibel. Der Appell: „Du sollst fröhlich sein!" (Deuteronomium 16,11) oder: „Iss mit Freuden dein Brot und trink frohgemut deinen Wein!" (Kohelet 9,7) - solche Worte sind der Bibel nicht fremd. Der bedeutende jüdische Philosoph und Theologe Martin Buber nennt den Humor den „Milchbruder des Glaubens" und meint: die beiden brauchen einander, damit der Glaube nicht fanatisch und der Humor nicht zynisch wird. Allerdings huldigt die Bibel keiner schrankenlosen Lebensfreude. Spaßgesellschaft gibt es in ihr nicht. Das wäre auch vermessen, angesichts der Sterblichkeit des Menschen und angesichts einer gefährdeten Welt, in der wir leben. - Aber ich kann auch nicht immer alles bis auf den Grund meiner Seele durchleiden. Es muss auch Momente des Glücks und des Feierns geben, wo ich einfach mal alles abstreife, was mich umtreibt, und mir sage: trotz aller Angst, trotz all der vielen Unbegreiflichkeiten ist es doch auch schön zu leben. Sonst wäre das Leben unerträglich. Gerade der Glaube an Gott kann so etwas wie Gelassenheit und Geborgenheit schenken. Und das halte ich für eine Voraussetzung für echten Humor. Auch das Gefühl, dass ich trotz meiner Macken bei Gott liebenswert bin, das kann mir der Glaube vermitteln. Solch ein Humor, der aus dem Glauben kommt, ist ein Geschenk. Er hilft mir, angesichts des Elends in der Welt nicht zu resignieren. Solch ein Humor kann mich sogar vor den Täuschungen über eine heile Welt bewahren. Und er kann mir Mut machen, nicht nur über das Böse in der Welt zu jammern, sondern - wo immer möglich - Gutes zu tun. Und das mit einer guten Mischung aus Gelassenheit, Humor und Menschenfreundlichkeit - das ganze Jahr hindurch. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und wenn Sie wollen, eine „glückselige Fasnet".

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