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SWR1 3vor8

Das Weltgericht. Ein Thema, das die Phantasie anregt. Wird es so etwas geben wie Lohn und Strafe? Wird es Gerechtigkeit geben? Wie ist das mit Himmel und Hölle? Viele Künstler haben das Weltgericht gemalt. In der Mitte Jesus mit einem Zepter oder auch mit einem zweischneidigen Schwert. Rechts und links von ihm Menschen: Männer, Frauen, Kinder, einfache, Prominente wie Könige und Päpste, verschiedene Berufe. Die einen mit frohen, seligen Gesichtern werden von Engeln aufgenommen. Die andern, oft nackt dargestellt, gequälte Gesichter, verkrümmte Körper. Teufel halten sie gepackt, zerren sie an den Haaren. Mich faszinieren und erschrecken diese Bilder. Sie malen die Szene aus, die mit weit weniger Details im Matthäusevangelium im 25. Kapitel steht. Jesus richtet die Menschen. Er wird sie voneinander scheiden, heißt es. Die einen nach rechts, die andern nach links. Das Spannende an dieser Geschichte finde ich den Maßstab, nach dem die Menschen unterschieden werden. Zu den einen sagt Jesus: Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen. Und zu den andern sagt er das genaue Gegenteil: Ich war hungrig, ich war durstig, fremd und obdachlos, und ihr habt nichts für mich getan. Beide sind total erstaunt und fragen: Wann haben wir dich so bedürftig gesehen? Und dann kommt die verblüffende Antwort Jesu: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt oder nicht getan habt, das habt ihr mir getan oder nicht getan. Das ist also Gottes Maßstab, sagt die Bibel hier: nicht Glaube, nicht Opfer, nicht tolle Leistungen, sondern: was habe ich für andere Menschen getan? Ganz elementar. Es geht hier überhaupt nicht darum, wie Himmel und Hölle aussehen. Die Geschichten der Bibel wollen ja nicht Ereignisse beschreiben, sondern vor allem immer wieder Dinge einschärfen. Hier ist es die Botschaft: Nimm dein Leben ernst. Es ist nicht egal, was du tust. Und vor allem: es kommt darauf an, die Not der andern zu sehen und das in meinen Kräften Stehende zu tun. Um des andern willen und um Gottes willen, der sich mit uns Menschen identifiziert, vor allem mit den Schwachen und Bedürftigen.

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