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SWR1 3vor8

Ich hoffe sehr, dass Ihr Sonntag mit etwas Gutem angefangen hat.
Mit was Gutem anzufangen, fällt den meisten nicht leicht, glaube ich. Lieber abwarten. Vielleicht kommt der gute Anfang vom Anderen. Wenn noch was nachhängt von gestern zB.
Andererseits, wenn keiner sich traut, einen guten Anfang zu versuchen, dann bleibt das Negative hängen. Über allen. Das ist so im Kleinen und im Großen. Durch die ganze Bibel zieht sich darum: Es kommt darauf an, dass jemand anfängt mit dem Guten. Auch im Großen. Das ist mir wieder klar geworden an den großartigen Worten, über die heute in evangelischen Kirchen gepredigt wird. Da geht es um die große Sehnsucht nach Frieden. Jeder Mensch hat sie in sich. Gerade weil der Friede oft so weit weg ist. Jesaja gibt dieser Sehnsucht ein Gesicht. Er hofft fest auf Frieden - für die Zukunft. Er ist überzeugt, dass Gott am Frieden für alle Menschen liegt.
 „Am Ende der Tage wird es geschehen" heißt es. „Viele Nationen werden zum Berg Gottes kommen. Und er weist sie zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk und übt nicht mehr für den Krieg." Diese Worte machen mir erst mal ganz warm ums Herz. Und im nächsten Moment, ganz kalt. Diese Hoffnung ist schon so alt und so entfernt. Man könnte an der Menschheit verzweifeln. In Mitteleuropa haben wir Frieden, Gott sei Dank. Aber darüber hinaus!? Aber Jesaja sieht nicht nur die Zukunft. Ein entscheidender Satz kommt noch: Kommt jetzt, lasst uns wandeln in diesem Licht Gottes! (Jes 2,1-5) Ich verstehe ihn so: Erst macht Jesaja die Aussicht auf Frieden ganz stark. Und dann schiebt er nach: Nicht bloß abwarten, bis auch der Letzte auf den Trichter gekommen ist, irgendwann: Anfangen mit dem Guten. Jetzt! Ich glaube:  Jesajas Hoffnung soll Sie und mich beflügeln, damit wir ein Ziel sehen. Und jetzt schon anfangen, darauf zuzugehen. Nicht warten mit dem Guten. Ich finde das sehr aktuell. Ich denke zB an die hungernden Menschen in Afrika. Da kann man schon denken: ‚Warum soll ich da was tun? Was hat das für einen Sinn?' Entsprechend hat jeder zweite bei einer Umfrage gesagt: „Ich spende nicht". Manche weil sie nicht können, aber viele auch, weil sie nicht wollen. Ich verstehe das. Trotzdem, gebe ich zu bedenken. Es wird nichts besser, schon gar nicht gut, wenn man nicht mit was Gutem anfängt. Im Großen und im Kleinen.

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