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SWR1 3vor8

 (zu Joh. 21, 1-14) 
„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen". Eine Binsenweisheit, aber mit tiefem Sinn. Denn wer nicht genug oder nicht gut zu essen hat, dem geht es irgendwann auch seelisch schlecht. Vielleicht ist deshalb in der Bibel auch so viel vom Essen oder Trinken die Rede. Sogar in Geschichten, in denen  Jesus als Auferstandener erscheint. Eine davon wird heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen. Und sie ist proppenvoll mit Bildern, die Leib und Seele betreffen. Von nächtlichen Misserfolgen ist die Rede, von Erfolg im schönen Morgenlicht. Von leeren und prall gefüllten Netzen. Von Brot und Fischen. Und der Clou dabei: Der Regisseur ist Jesus, und zwar der auferstandene Jesus! In dieser Geschichte des Johannesevangeliums zeigt er sich seinen Jüngern zum allerletzten Mal am See Tiberias. In der Nacht wollen sie fischen, aber ihr Netz bleibt leer. Als der Morgen anbricht sehen sie Jesus am Ufer stehen und er gibt ihnen Anweisungen wo sie fischen sollen. Und ihr Netz ist fast bis zum Reißen voll. „Kommt und esst" lädt er sie ein bevor er nicht mehr wahrzunehmen ist. Ein doppeltes Wunder: ein so plötzlicher wie reicher Fischfang und die Erscheinung des Auferstandenen! Auch bei dieser Geschichte interessiert mich nicht so sehr wie man dieses Doppelwunder erklären könnte. Ich mag an dieser Geschichte wie Jesus lebendig gezeigt wird, mit Leib und Seele wahrgenommen wird. An einem Ort, zu dem er und seine Jünger eine Beziehung haben. In alltäglichen Handlungen wie dem Fischen  - und, nicht zuletzt, beim Essen. So appetitlich wie urig zubereitet: mit Brot und Fischen auf dem Holzkohlefeuer am Strand. Dabei ist Jesus für seine Jünger präsent, ja wirk-sam. Nach seinem Tod vielleicht sogar präsenter und in ihnen wirksamer als er noch körperlich anwesend war. Das kenne ich. Von Menschen die weg sind und doch da. Und ich kenne auch die Gemeinschaft beim Essen, den Gedankenaustausch von Menschen die da sind und die gedankliche Nähe zu Menschen die nicht da sind. Darum ist mir auch Gastfreundschaft so wichtig. Wenn ich Gäste habe, zu Hause oder im Büro. Sie bekommen immer was zu essen und zu trinken. Dabei ist mir weniger das Kulinarische, Opulente wichtig. Es soll schon schmecken, ein einfaches gutes Essen sein. Viel wichtiger ist mir aber die die Gemeinschaft die dabei entsteht und das was lebendig wird zwischen uns. Denn dann, erst dann, hält das Essen Leib und Seele zusammen...

Einen schönen Sonntag wünsch' ich Ihnen!

 

             

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