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SWR1 3vor8

Was fällt Ihnen zum Wort „Ent-Sorger" ein? Sie denken an die Männer, die immer fleißig wegkarren, was wir an Müll produzieren. Heute und bis Dienstag haben sie nach den Umzügen wieder besonders viel zu tun.
Aber es gibt noch mehr Ent-Sorger. Sie sind bestimmt auch manchmal einer oder eine. Diese Ent-Sorger entsorgen nicht was äußerlich ab-fällt, sondern was innerlich an-fällt. Sie entsorgen unsere Sorgen. Das können Büttenredner sein, Fernsehunterhalter, Mütter und Väter, die ihren Kindern Sorgen wegtrösten, manchmal auch umgekehrt, Kinder ihren Eltern.
Oder Menschen die gute Geschichten erzählen, können ent-sorgen. Jesus ist auch so einer, erzählt die Bibel und sie macht klar, wie lebenswichtig das Ent-sorgen ist, für Sie und mich.
In den evangelischen Kirchen wird heute von Jesus dem Ent-Sorger erzählt: Er ist zu Besuch, bei zwei Schwestern. Maria und Marta heißen sie. Beide freuen sich wie die Schneekönige, dass er endlich mal gekommen ist. Und dann reagieren beide ganz unterschiedlich. Maria setzt sich einfach hin und will nur noch eins: Ohren und Seele auf, kein Wort verpassen, in sich aufsaugen, was Jesus weiß vom Leben und davon, wie es glückt. Sie weiß, so wie Jesus von Gott erzählt, das ent-sorgt die Seele, macht stark für den täglichen Kampf, und es reinigt von dem Müll, der einem das Leben vergiften kann.
Und die andere Schwester? Marta wird aktiv. Sie will ihm das Beste gönnen, was ihr Haushalt zu bieten hat. Sie will den Besuch umsorgen. Setzt sich damit enorm unter Druck. ‚Hoffentlich ist es gut genug, was ich ihm bieten kann?' Sie strengt sich an. Und es ärgert sie furchtbar, dass ihre Schwester die ganze Zeit drin hockt bei ihm und sie alles allein machen lässt. Schließlich platzt Marta der Kragen und sie beschwert sich bei Jesus, dass er ihre Schwester einfach so bei sich sitzen lässt. Und der Ent-Sorger?
Er spürt, Marta hat ein Problem, das glaube ich, viele von uns kennen. „Marta, Du bist so besorgt und machst Dir Gedanken um so vieles. Lass los, setz Dich hin und lass Dich jetzt von mir und Gott umsorgen."
Ich versteh das so. Jesus - und das bedeutet ja Gott - liegt daran, dass ich begreife: Das Leben gelingt nicht, wenn ich immer nur denke, ich soll, ich kann, ich muss: aktiv sein, gestalten, bauen, verdienen, planen beherrschen. Die Voraussetzung für all das ist, dass ich mich umsorgen lasse und mich nicht in Anstrengung und Aktivität selbst verliere. Dass ich loslasse und mich zu Gott hinwende. Damit er mich ent-sorgt.

Jesus ....kam in ein Dorf. Dort nahm ihn eine Frau als Gast bei sich auf. Ihr Name war Marta. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß.
Die setzte sich zu Füßen des Herrn nieder und hörte ihm zu.
Aber Marta war ganz davon in Anspruch genommen, sie zu bewirten. Schließlich ging sie zu Jesus und sagte:
"Herr, macht es dir nichts aus, dass meine Schwester mich alles allein machen lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!"
Aber der Herr antwortete ihr:
"Marta, Marta! Du bist so besorgt und machst dir Gedanken um so vieles.
Aber nur eins ist notwendig: Maria hat das Bessere gewählt, das wird ihr niemand mehr wegnehmen."( Lukas 10,38-42)

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