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SWR1 3vor8

„Wer von euch würde sich bei seinem Knecht bedanken, dass er seinen Auftrag erledigt hat?" (Lk 17, 9)

Wer Ansprüche hat, muss sich keine Sorgen machen. Wenn ich Versicherungsansprüche habe, dann zahlt die Versicherung in der Regel auch. Um Urlaub muss ich nicht bitten, ich habe 30 Tage Urlaubsanspruch. Ich muss nicht bitten oder verhandeln, ich bin nicht abhängig von der Gnade anderer - ich habe einfach einen Anspruch. Gott sei Dank. Das gibt mir Sicherheit und hat auch mit Würde zu tun.
Bei Gott ist das anders. Jedenfalls hat Jesus das erzählt. An seine Geschichte wird heute in den evangelischen Gottesdiensten erinnert. Sie geht so: Ein Landwirt schickt seinen Knecht zur Arbeit. Der erledigt alle seine Aufgaben. Und Jesus fragt die Umstehenden: Wird sich dieser Chef etwa revanchieren und den Arbeiter anschließend bedienen und ihm einen schönen Feierabend machen? „Wer von euch würde sich bei seinem Knecht extra bedanken, dass er seinen Auftrag erledigt hat?" (Lk 17, 9) Damals war die Antwort klar: Niemand würde sich extra bedanken, wenn ein Angestellter seine Arbeit macht. Darauf hat er keinen Anspruch.
Heute sagen die Chefs schon mal Danke, wenigstens ab und zu, bei der Weihnachtsfeier oder bei einem Jubiläum. Die Umgangsformen haben sich geändert und es tut dem Betriebsklima gut. Aber klar ist trotzdem. Einen Anspruch darauf hat niemand. Und genauso ist es bei Gott, hat Jesus gesagt:
Bei Gott kann man keine Ansprüche geltend machen. Weder durch besonders große Spenden noch durch einen besonders untadeligen Lebenswandel. Dass Gott mir beisteht, mich stärkt und aufbaut - darauf habe ich keinen Anspruch. Ich kann das nicht verdienen. Aber andererseits: Ich kann es auch nicht verlieren. Gott steht zu mir, auch wenn ich mein Leben nicht so richtig in den Griff kriege, wenn ich Fehler mache oder einfach nicht stark genug bin, genauso wie er zu den anderen steht, die ganz gut zurecht kommen.
So gesehen kommt mir das ganz selbstverständlich vor. Warum muss Jesus seine Zuhörer damals und mich heute daran erinnern? Ich glaube, weil ich gern Ansprüche hätte. Ich würde auch bei Gott ganz gern auf Nummer sicher gehen. Ich würde mich lieber auf mich selbst verlassen und auf die Ansprüche, die ich habe. Ich lasse mir nämlich nicht gern was schenken sondern sage lieber: das habe ich verdient. Jedenfalls, solange ich stolz sein kann auf meine Leistungen und deshalb Ansprüche habe.
Bloß: was ist, wenn ich nicht so sicher sein kann, ob meine Ansprüche ausreichend sind?
Damit ich mir darüber keine Sorgen mache, erinnert Jesus: Auf Gottes Liebe gibt es keinen Anspruch. Denn Liebe ist ein Geschenk. Gerade deshalb tut sie so gut.

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