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SWR1 3vor8

So ein richtiger Zorn tut manchmal gut, sagen manche. Zorn schafft einem Luft, wenn man es kaum noch aushalten kann vor Empörung. Zorn macht einen stark, dass man sich nicht alles gefallen lässt und für seine Überzeugungen kämpft.

Andere sagen: bloß nicht! Mit Zorn macht man alles kaputt. Zorn verletzt und schüchtert die ein, mit denen man doch eigentlich vernünftig reden müsste. Nachher kann man einander kaum mehr in die Augen sehen. Und oft macht Zorn die Leute einfach bloß bockig. In dem Ton schon gar nicht, sagen sie, und dann ändert sich überhaupt nichts.

Auch Christen packt manchmal der Zorn. Und der Apostel Paulus findet es offenbar normal, dass einen mal der Zorn packt. Für ihn ist das menschlich. Er rechtfertigt und entschuldigt das nicht. Aber er verurteilt die auch nicht, die zornig werden. Er gibt ihnen vielmehr einen Rat, wie sie mit ihrem Zorn umgehen sollen. Er hat das in einem Brief an die ersten Christen in Ephesus geschrieben. Heute wird in den evangelischen Kirchen darüber gepredigt. Zwei Dinge rät er.
Erstens: „Wenn ihr zürnt, dann sündigt nicht."  und zweitens:
„Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen." (Eph 4,26)

Nicht sündigen, dabei denkt er, glaube ich, an Jesus. Der hat gesagt: „Wer seinen Bruder ‚du Nichtsnutz' schimpft, im Grunde hat der ihn getötet". Und das darf nicht sein. Also: Auch im Zorn so gut es geht darauf achten, was man sagt. Im Zorn arbeitet ja die Zunge meistens schneller als der Verstand. Aber das ist gefährlich. Deshalb rät Paulus: Man soll zwar deutlich und wenn es sein muss auch heftig sagen, was nicht in Ordnung ist. Aber nicht den anderen niedermachen, ihn nicht beschimpfen als Ignoranten, als Egoisten, als Bösewicht. Auch der andere hat Gründe für sein Verhalten und auch ich mache Fehler. Darüber muss man deutlich reden, damit es besser werden kann. Nicht, damit der andere sich schämen muss und erledigt ist. Das ist das eine.

Das andere: Den Zorn möglichst schnell wieder verrauchen lassen. Die bösen Worte aus der Welt schaffen. Zorn schafft ja nicht bloß Klarheit. Er vergiftet auch. Zorn vergiftet die Beziehungen zwischen Menschen. Bei den einen, weil sie ernst nehmen, was die anderen im Zorn gesagt haben. Und bei den anderen, weil sie es am Ende selber glauben, was doch eigentlich gar nicht so gemeint, sondern bloß herausgerutscht war. Und in vergifteten, gestörten Beziehungen kann man zu keiner Verständigung mehr finden. Deshalb rät Paulus: Die gestörte Beziehung wieder in Ordnung bringen, möglichst noch am selben Tag. Damit sich nichts festsetzt, damit man wieder miteinander reden kann. Damit sich was ändert. Und: weil Versöhnungen am Abend schön sind.

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