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SWR1 3vor8

(zu Lukas 9,28 b – 36)

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche, einen schönen guten Morgen.
„Großes geschieht, wenn Mensch und Berg sich treffen.“ Da hat er schon recht der englische Dichter William Blake und hat damit sicher nicht nur die Bergsteiger im Sinn gehabt. Wenn Mensch und Berg sich treffen, dann ist Freude an der Natur im Spiel. Dann geht es um die Schönheit und den Respekt vor der Schöpfung. Oft auch um Ehrgeiz, Herausforderungen und Grenzerfahrungen. Und nicht wenige Menschen haben in den Bergen auch tief religiöse Empfindungen.
Großes geschieht auch in einem der Texte, die heute in der Katholischen Kirche gelesen werden. Darin steigt Jesus mit drei seiner engsten Vertrauten Petrus, Johannes und Jacobus auf einen Berg um zu beten. „ Und während er betete veränderte sich das Aussehen seines Gesichts und sein Gewand wurde leuchtend weiß“, heißt es in dem Text aus dem Lukasevangelium.
Ich habe das schon selbst erlebt, wenn sich das Gesicht eines Menschen im Gebet verändert. In Rangoon, der Hauptstadt Birmas bei der Schwedagon-Pagode, einem buddistischen Tempelbezirk. Dort habe ich eine Frau meditieren gesehen. Sie sah so schön wie weggetreten aus. Gerade Verstorbene haben auch ähnlich schöne ebene, ganz ihre Persönlichkeit noch ein letztes Mal unterstreichende Gesichter.
Ähnliches, wahrscheinlich viel größeres müssen die Jünger Jesu mit Ihrem Meister erlebt haben. „Berg der Verklärung wird der Berg genannt, auf dem sie ihn so entrückt, so überirdisch erleuchtet gesehen haben und damit im tiefsten Grunde ihres Herzens erfahren haben, wer er wirklich ist. In der Bibel steht weiter auch noch, dass sie mit ihrem Meister in eine Wolke gehüllt wurden. Mit ihm also in die Sphäre des Göttlichen hinein genommen wurden, einen traumähnlicher Zustand.
Eine wunderschöne und zugleich sicher auch erschreckende Erfahrung. Erschreckend, weil sie so existentiell ist, so ganz anders. Schön, weil es auch ein wohliger Zustand ist, der sich ganz und richtig anfühlt. Für Petrus so schön anfühlt, dass er gleich Hütten bauen will, da oben auf dem Berg. Typisch Petrus, so schnell und gleich wieder das Falsche anpacken wollen. Denn das Heilige lässt sich nicht domestizieren, nicht einfangen, nicht sesshaft machen. Das Heilige ist überall und nirgends und nur manchmal in ganz seltenen und kostbaren Momenten scheint es in unsere Wirklichkeit hinein. Zum Beispiel auf dem Gipfel von Bergen.
Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen! https://www.kirche-im-swr.de/?m=7788