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SWR1 3vor8

„Du sollst Gott, deinen Herrn lieben von ganzem Herzen… und deinen Nächsten wie dich selbst“
Mit dem Glauben ist es anscheinend ganz einfach. „Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben… und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das ist das höchste Gebot für uns Christen, hat Jesus gesagt. Für Juden übrigens auch. Jesus war ja Jude und er hat dieses doppelte Gebot sicher von seinen Eltern und Lehrern gelernt.
„Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben… und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Klingt eigentlich ganz einfach. Ist es aber wohl nicht. „Im Grundsatz glaube ich schon an Gott“, sagen viele. „Aber in meinem Alltag spielt das keine große Rolle. Da spüre ich einfach zu wenig von Gott.“ Und mit der Nächstenliebe ist es so ähnlich. „Im Grundsatz schon,“ sagen viele. „Aber im Alltag kommt man nicht weit damit. Da geht es anders zu. Da muss man erst mal selber sehen, wo man bleibt.“
Gott von ganzem Herzen lieben und den Nächsten wie sich selbst – so einfach, wie das klingt, ist das anscheinend doch nicht.
Aber ist es denn mit der Liebe überhaupt einfach? Kann man „im Grundsatz“ lieben, aber im Alltag sind dann andere Dinge wichtig? Das geht doch eigentlich auch nicht. Lieben kann man nur konkret, nicht „im Grundsatz“. Lieben kann man nicht allgemein. Lieben kann man nur ganz bestimmte Menschen. Und da zeigt sie sich dann auch, die Liebe. Ganz konkret. Liebe muss man üben. Ausüben im Alltag. Sonst kann man sie nicht spüren. Es ist nicht damit getan, immer mal wieder zu sagen: „Im Grundsatz liebe ich dich.“ Lieben kann man nur „mit Herzen, Mund und Händen“. So singen wir in einem ganz bekannten Kirchenlied. Und das gilt für die Liebe zu Gott genauso wie es für die Liebe zwischen Menschen gilt.
Wer seine Topfblumen liebt, der wird nicht vergessen, sie zu gießen. Und kann sich dann darüber freuen, wie sie gedeihen und blühen. Weil ich meine Kinder liebe, tue ich, was ich kann, damit es ihnen gut geht und sie spüren, wie lieb ich sie habe. Und wenn ich mit ihnen zusammen bin oder sie mich anrufen oder eine Postkarte schreiben und wir zusammen erzählen und lachen und manchmal essen und trinken, dann spüre ich was uns verbindet. Dann spüre ich die Liebe: ganz konkret, in meinem Alltag.
Liebe ist konkret. Nur dann kann man sie spüren. Wer sich Zeit nimmt für seinen Glauben an Gott: wenigstens ein paar Minuten jeden Tag oder jeden Sonntag oder wie auch immer – der wird auch Gottes Nähe spüren. Wer es versucht mit der Nächstenliebe – auch im Geschäft, wo angeblich andere Gesetze gelten, auch gegenüber denen, die es einem schwer machen , sie nett zu finden - wer das versucht, der wird spüren, wie sich der Alltag verändert und die Menschen auch.
Liebe geht nicht „im Grundsatz“ – Liebe ist konkret. Liebe ist alltäglich. Das ist manchmal nicht einfach. Aber wunderbar. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6917