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SWR1 3vor8

Matthäus 5, 15

Ihr seid das Licht der Welt…. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel.. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Der christliche Glaube ist wie der Vorgarten bei einem Haus. Bitte? Was sollen der Glaube und ein Vorgarten miteinander gemeinsam haben? Beide sind etwas ganz Persönliches und Privates, aber gleichzeitig tun sie auch anderen gut. Ich finde sogar, wenn sie bloß persönlich und privat sind, dann läuft was schief.
Es ist schön, wenn andere einen in ihren Vorgarten gucken lassen. Wenn sie ihn nicht verstecken hinter dichten Zäunen und hohen Hecken. Beim Garten verstehe ich das, weil jeder Mensch einen Bereich braucht, wo er für sich sein kann. Aber beim Vorgarten ist das anders, finde ich. „Meine Blumen gehören mir, und zwar nicht nur die Blumen, sondern auch ihr Anblick.“ So eine Haltung ist mir zu privat. Ich freue mich gern an dem, was andere angelegt haben und was der liebe Gott wachsen lässt. Und will das auch anderen gönnen. Ein freier Blick in den Vorgarten lässt etwas von den Menschen sehen, die da leben. Der Vorgarten, unsichtbar und privatisiert: das geht nicht.
Und so ist es auch mit dem Glauben: Manche sagen zwar, Religion sei Privatsache. Und da ist auch was Richtiges dran: Mein Glaube gehört zu mir, ist was sehr Persönliches. Und ich mag es auch nicht, wenn andere Leute darauf rumtrampeln.
Aber ihn so in mir einzuzäunen, dass er nur meins ist und andere nichts davon spüren und haben. Das kann nicht sein.
Sagt Jesus in seiner Bergpredigt, an die heute in den evangelischen Kirchen erinnert wird. Nicht einzäunen und verstecken den Glauben; zeigen, spüren lassen.
Wörtlich sagt Jesus: „Man zündet kein Licht an und stellt es unter einen Scheffel. Lasst Euer Licht leuchten, damit die Menschen eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Der Glaube ist wie ein Vorgarten. Er ist dazu da, dass die Gaben und Fähigkeiten, die in mir stecken, weiter wachsen und leuchten. Und zwar so, dass das was in mir steckt, nicht bloß mir gut tut und meinem Ego. Mein Glaube soll auch nicht nur mein Seelenleben stärken. Er soll auch anderen zu gute kommen, ohne aufdringlich zu sein. Meine Zuversicht und mein Gottvertrauen kann andere stützen und ihnen Freude machen. Mein Glaube und meine Gaben sollen den anderen das Leben erhellen, nicht vergällen. Denn Glaube kann erfreuen wie ein schöner Vorgarten. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6538