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SWR1 3vor8

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche. Einen schönen guten Morgen!
„Tue Gutes und rede darüber“ – so lautet ein so gängiger wie auch sinnvoller PR-Slogan. In einer Geschichte die heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist, verlangt Jesus genau das Gegenteil. Er tut etwas äußerst Gutes und schweigt nicht nur selbst darüber, sondern verbietet den Anderen darüber zu reden.
Was war passiert? Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe. Aussätzige waren Menschen mit Lepra oder anderen schweren Hautkrankheiten. Im Israel zur Zeit Jesu wurden diese Menschen von der Gesellschaft ausgestoßen. Per Gesetz. Um die Gemeinschaft zu schützen, weil bestimmte Formen von Lepra extrem ansteckend sind. Und weil Leprakranke als von Gott gestraft galten , als lebendig tot.
Und solch ein Mensch kam nun zu Jesus und bat ihn um Hilfe. Im griechischen Urtext der Bibel heißt es an dieser Stelle: „Und es ward Jesus weh ums Herz“. Jesus empfindet so tiefes Mitleid , dass er jenseits von allen Gesetzesvorschriften und vielleicht auch eigenen Ängsten vor Ansteckung all seine geistige, seelische und wohl auch körperliche Kraft zusammennimmt und den Leprakranken heilt. Die Bibel beschreibt wie erschüttert Jesus davon gewesen ist. Und vielleicht schickt er deshalb den Geheilten fast schroff weg, verbietet ihm darüber zu reden, schickt ihn aber zum Priester wo er ein Reinigungsopfer darbringen soll.
Warum das alles? Vielleicht weil sich Jesus von all den Scharlatanen abgrenzen wollte, die seinerzeit als Wundertäter unterwegs waren. Vielleicht weil er wusste dass Heilung ein inneres Geschehen ist das jedem äußeren Firlefanz widerspricht. Und warum schickt er den Geheilten zum Priester? Vielleicht aus Fürsorge. Damit der Geheilte auch wieder in die Gemeinschaft eingegliedert wird.
Und was hat der Geheilte gemacht? Er hat nicht geschwiegen. Sondern allen und überall erzählt was mit ihm geschehen ist.
Wie hätte ich reagiert, als Geheilter? Vielleicht hätte ich auch geredet, reden müssen. Denn wer glücklich ist, dem läuft das Herz über und damit oft auch der Mund. Oft, aber nicht immer. Ich habe auch erlebt dass ich in sehr glücklichen Momenten sehr still wurde. Und dankbar. Und auch diese Seite des Glücks, der Dank, birgt zwei Richtungen. Nach Außen: dem zu danken, dem ich mit Worten danken kann. Und nach Innen: im Stillen dem zu danken, der jenseits aller Worte ist.
Einen schönen Sonntag wünsch ich Ihnen! https://www.kirche-im-swr.de/?m=5456