Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Von Gott als Landwirt handelt das heutige Sonntagsevangelium. Darin erzählt Jesus von einem Bauern, der sät. Vermutlich hat er den Acker gut vorbereitet. Aber ein Teil seines Saatguts fällt daneben: auf den Weg, wo ihn die Vögel aufpicken, auf felsigen Boden, wo die Keimlinge ganz schnell verdorren, unter die Dornen, da wird die Saat erstickt, und schließlich fällt auch ein Teil auf den Acker und geht auf und bringt Frucht, und zwar reichlich.
Dieser Text will sicher vor allem Mut machen: So wie dieser Bauer sät, so geht Gott auf die Menschen zu. Er erreicht die Menschen. Was er aussät, fällt auf fruchtbaren Boden, und es wird was draus. Das will Jesus hier wohl vor allem sagen. Aber mir fallen auch die andern Züge der Geschichte deutlich auf: Das Saatgut ist da, aber nicht auf jedem Boden wächst etwas. Und daran kann der Bauer, von dem Jesus erzählt, nichts ändern. Er sät offenbar verschwenderisch und schwungvoll, also fällt einiges daneben, dahin, wo eigentlich nichts wachsen kann. Ob er hofft, dass vielleicht ein paar Körner auch dort aufgehen?
Ich finde, das Gleichnis sagt eben auch, dass Gott die total gute Welt nicht machen kann. Er hat nicht alles im Griff. Sondern wer Gott ist, was er tut, beschreibt Jesus im Bild des Säens. Körner, Boden, Wachstum – es ist ein geheimnisvolles Zusammenspiel nötig. Der sät, setzt einen Anfang voller Kraft – aber er macht nicht die Früchte. Er vertraut die Körner dem Boden an.
In diesem Gleichnis geht es darum, dass Gottes guter Wille für uns Menschen das ganze Leben prägen soll. Wenn ich nüchtern schaue, ist das längst nicht überall so, aber vielleicht doch an manchen Stellen. In meinem eigenen Leben, in Gesellschaft und Politik. Oft vermisse ich da die großen spektakulären Veränderungen zum Besseren hin, man sieht doch so wenig davon. Vielleicht sollte ich aber aufmerksamer wahrnehmen, wo zwischen uns Menschen etwas im Wachsen ist, wo sich Gutes entwickelt. Das Gleichnis vom Sämann wollte schon vor 2000 Jahren genau dazu Mut machen. Und die Geschichte lässt sich ja auch noch weiterdenken – schließlich sät ein Bauer nicht nur ein einziges Mal, sondern immer wieder, Jahr für Jahr.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag https://www.kirche-im-swr.de/?m=4130