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SWR1 3vor8

aus Röm 8, 9f. + Mt 11, 25f.

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche. Einen schönen guten Morgen!

Es ist manchmal schon ein schwer verständliches Buch, diese Bibel.
In den beiden Texten, die heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören sind, könnten wieder ein paar der ältesten Klischees über den christlichen Glauben bestätigt werden. Mit Sätzen wie:
„Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst Ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.“
Oder: „ Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir.“
Sätze wie diese passen so gut zu bestimmten Vorurteilen gegenüber dem christlichen Glauben: dass er leibfeindlich ist, ihm Sex ein Übel und die Menschen sich quälen sollen, wenn sie das Heil erlangen wollen.
Falsch. Ganz falsch, auch wenn es in der Geschichte der christlichen Kirchen immer auch Leute gab und gibt, die diese Klischees bestätigen. Aber sie bleiben trotzdem falsch.
Denn wenn der Apostel Paulus vom „Fleisch“ redet, dann meint er alles was irdisch, und vergänglich ist, also auch Essen oder Geld. Dann verliert sich auch diese negative Fixierung auf das Sexuelle. Paulus spricht auch ganz positiv vom Leib als dem Tempel des Geistes. Das heißt, der heilige Geist wohnt in unserem Körper und ist nicht von ihm zu trennen. Deshalb soll man auch sorgsam mit dem Leib umgehen, ihn hegen und pflegen. Allein und zu zweit. Und alles was an ihm Freude macht aber auch Leid bringt bekommt ein anderes Gewicht, eine andere Farbe, Tiefe, wenn dabei der Geist beteiligt ist. Dann wird aus Sex Erotik, aus Leid Erfahrung und aus der Vergänglichkeit Hoffnung.
Zu dieser ganzheitlichen Sicht von Leib und Seele passt es auch ganz und gar nicht, dass sich der Mensch quälen müsse um sein Heil zu erlangen. Denn an der Stelle, an der Jesus die Menschen dazu auffordert sein Joch auf sich zu nehmen will er sie ermutigen sich religiös zu entlasten. Und zwar mit einem provokanten Widerspruch:
Ein Joch war zu Zeiten der Bibel ein Zuggeschirr für Ochsen beim Pflügen. Über Stirn und Nacken angelegt wurde es auch zum Symbol für schwere Arbeit und Unterwerfung. Und dieses Bild nimmt Jesus um die Menschen zu entlasten von den vielen religiösen Vorschriften und Gesetze seiner Zeit. Von diesen Lasten wollte er sie befreien, mit einem Joch das leicht ist. Das heißt, mit seiner Art von Religion will er sie von äußeren und inneren Zwängen befreien und zu sich selbst bringen. Und damit zu einem Frieden, nach dem sich alle sehnen: dem Seelenfrieden.

Einen schönen Sonntag wünsch ich Ihnen! https://www.kirche-im-swr.de/?m=4024