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SWR1 3vor8

So wisse denn das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat. Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir denn tun? (Apg 2, 36)

Es gibt Leute, die sehen den Wald nicht vor lauter Bäumen. Sie schauen auf die vielen Einzelheiten in ihrem Leben und verlieren das große Ganze aus dem Blick. Sie sehen all die Sorgen, die man sich machen kann, all die Bedrohungen, die kommen könnten – und können gar nicht mehr sehen, wie vieles gelingt und wie dankbar sie sein können. Sie sehen die viele Arbeit, die vor ihnen liegt und verlieren das Ziel aus den Augen, für das sich die Mühe doch lohnt. Sie versuchen, für sich das Beste herauszuholen – und merken nicht, was sie bei den anderen anrichten, die sich beiseite gedrängt und ausgenutzt fühlen.
Wahrscheinlich geht mir selbst das auch so, dass ich manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe. Und das schlimmste: ich merke es nicht einmal. Da wäre es gut, dass mir einer die Augen öffnet. Dass einer mir hilft, das zu sehen, was ich von allein nicht sehen kann. Damit ich begreife, was um mich herum vorgeht und was mein Verhalten für die anderen bedeutet.
In den evangelischen Gottesdiensten heute, am Pfingstmontag, wird daran erinnert: Genau das kann Gottes Heiliger Geist. Der Geist Gottes öffnet Menschen die Augen und sie können begreifen, was sie vorher einfach nicht verstehen konnten. Besonders beeindruckend geschah das offensichtlich am ersten Pfingstfest, dem Tag, von dem die Bibel berichtet: Damals haben die Leute auf einmal begriffen, dass Jesus Christus nicht einfach tot war, ein religiöser Spinner, tragisch gescheitert. Auf einmal haben sie begriffen: Diesen Jesus hat Gott selber geschickt, damit er uns einen Weg zeigt zum Leben, wie es sein soll. Und wir können solch gutes Leben finden, wenn wir leben, wie er es gezeigt hat.
Seit jenem ersten Pfingstfest glauben wir Christen: Gottes Geist kann Menschen die Augen öffnen, so dass sie sehen, was eigentlich los ist mit ihnen und um sie herum. Gottes Geist kann mir zeigen, wo meine Möglichkeiten sind und macht mir Mut, meine Gaben auch zu benutzen und einzusetzen. Gottes Geist kann aufdecken, wo ich mich verrannt habe, wo ich immer wieder dieselben Fehler mache und es vielleicht noch nicht mal merke. Gottes Geist kann mir zeigen, was ich anders und besser machen kann, damit in mir und um mich herum das Leben aufblüht.
Ich bin froh, dass es diesen guten Geist gibt. Und ich hoffe und bete, wie die Christen von Anfang an: „Komm heiliger Geist, öffne meine Augen, Ohren und Sinne und fülle mein Herz.“ https://www.kirche-im-swr.de/?m=3692
Eine kuriose Diskussion gab es diesmal vor Pfingsten: dürfen Blumengeschäfte am Pfingstsonntag öffnen, da ja schließlich Muttertag ist? Ich wünsche wirklich den Blumengeschäften einen guten Umsatz und den Müttern reichlich Blumen, geschenkt mit viel Herz. Ich frage mich nur: warum konnte man die nicht schon am Samstag holen und sie ein bisschen geheimnisvoll kühl stellen? Oder heute morgen noch auf einer Wiese einen frischen Strauß pflücken? Pfingsten ist es nämlich schon wert, dass wir es als besonderes Fest behandeln. Und das, obwohl der heilige Geist – um den geht es heute – nicht sichtbar ist und nicht greifbar. Wenn man die Bibeltexte zu Pfingsten liest, fällt aber auf, dass er offenbar ziemlich wirkungsvoll ist. Das meiste dazu steht in der Apostelgeschichte im Kapitel 2. Natürlich kann die Bibel den Heiligen Geist auch da nur in Bildern beschreiben, aber die haben es in sich: von Feuerzungen, Brausen, heftigem Sturm ist da die Rede. Und dann davon, dass die vorher depressiven Apostel und Jünger plötzlich lebendig werden, aufwachen aus ihrer Trauer um Jesus. Daß sie wissen, was sie wollen, und dass plötzlich Menschen verschiedenster Herkunft miteinander reden können. Sie verstehen sich, obwohl sie eigentlich verschiedene Sprachen sprechen. Die Bibel hat an der Stelle einen richtigen Zungenbrechertext: Da fragen sich die Leute: Wieso kann jeder von uns diese Apostel in seiner Muttersprache hören: Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, ...von Ägypten und Libyen...., wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. ( (Apg 2, 9-11) Bei uns heute wäre das wie russisch, griechisch und chinesisch. Und später heißt es in der Bibel: Die Worte der Apostel trafen sie mitten ins Herz. Das sind wohl zwei Wirkungen des Heiligen Geistes: Menschen verstehen sich, über Sprachgrenzen hinweg, und: Gott erreicht das Herz eines jeden Menschen. Da ist nicht anonyme Masse, sondern die Chance, dass jede und jeder im eigenen Herzen von Gott angerührt wird. Wer wünscht sich das nicht?
Verbinden, verstehen, beleben – das bewirkt der Heilige Geist. Daß Sie davon etwas mitbekommen, wünsche ich Ihnen heute zu Pfingsten, und allen, die es betrifft, auch einen erfreulichen Muttertag. https://www.kirche-im-swr.de/?m=3658