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SWR1 3vor8

Denn Gott ..hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

„Ich kann mir Gott nicht als Vater vorstellen. Das ist mir zu menschlich von Gott gedacht.
Gott ist doch kein Mann. Für mich ist Gott mehr so etwas wie Energie, eine Kraftquelle.“
Das hat vor ein paar Tagen eine junge Frau zu mir gesagt. Und sie wollte von mir wissen, ob ich als Pfarrer das Bild akzeptieren kann, das sie von Gott hat. Ihr abstrakteres. Ja, hab ich gesagt, ich kann das akzeptieren. Aber über eins müssen Sie sich klar sein: Ihr abstraktes
Bild von Gott ist nicht besser, nicht genauer, als wenn sich ein anderer Mensch Gott als liebenden Vater vorstellt. Wir Menschen können uns ja Gott, den Unsichtbaren, Ewigen, nur
in Bildern vorstellen, manchmal konkret und manchmal abstrakt.
Die Bibel nennt Gott zB. „Geist oder Dynamik“, aber auch ganz menschlich majestätisch
„Herr“ oder ganz nah „Mutter und Vater.“
Der Apostel Paulus, der hat das mit dem menschlichen Gesicht Gottes in der Bibel auf die Spitze getrieben. In einem seiner Briefe an die Christen in Korinth, aus dem heute in den evangelischen Kirchen vorgelesen wird, schreibt er.
„Es ist meine Aufgabe, dass durch mich andere Menschen im Menschen Jesus Christus Gottes Herrlichkeit erkennen.
Ich verstehe das so: Paulus meint wirklich, wenn Du dir ein Bild von Gott machen willst, dann stelle Dir Jesus vor: Diesen Menschen. Wie er gelebt hat, was er getan hat, wie er gestorben und auferstanden ist, und wie er wollte, dass Menschen leben können, in Frieden, liebevoll
und geliebt.
Das kommt dem gleich wie Gott ist und was Gott will. So ist Gott. Gott hat sich uns Menschen also selber als Mensch vorgestellt und dargestellt. Deshalb darf ich mir Gott auch menschlich vorstellen – wie den Menschen Jesus. Und kann Gott Vater oder Mutter nennen. Denn so wendet sich Gott Menschen zu: Wie Jesus. Wie ein guter Vater. Eine gute Mutter.
Und manchmal denke ich auch: Aus dem Angesicht Jesu strahlt uns Gott persönlich an. Und wenn spürt, dass man angesehen ist von dem Unsichtbaren und Ewigen, dann gibt einem das auch ganz viel Energie und Kraft. Darum kann ich Gott schon auch als „Kraft und Energie“ bezeichnen wie die junge Frau, aber es wärmt mir das Herz mehr, wenn ich „Mutter oder
Vater“ sage. Dann kommt Gott mir näher.
Und wie ist das bei Ihnen? https://www.kirche-im-swr.de/?m=2897