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SWR1 3vor8

zu Buch der Weisheit 11, 12 – 12,2

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche. Einen schönen guten Morgen!

Der Geist ist weiblich! Nein, Sie haben mich nicht falsch verstanden.
Dort wo der Gedanke des Geistes, des Heiligen Geistes herkommt ist er weiblich. Im hebräischen Originaltext des Alten Testaments der Bibel heißt Gottes Geist ruach, die ruach.
Sehr schön zu sehen ist das in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. In Michelangelos weltbekanntem Deckenfresko gibt es (doch) die Szene die auf unzähligen Postern und Postkarten abgebildet ist: die Erschaffung des Adam, wo sich die ausgestreckten Zeigefinger von Gott und Adam fast berühren. Was da aber kaum einer bemerkt: der liebe Gott hat eine Frau im Arm! Also bei dem Akt an sich, bei der Erschaffung des Menschen ist Gott vereint mit ihr, ruach, wirken Gott und weiblicher Geist Arm in Arm. Warum wohl? Vielleicht weil das Weibliche zur Schöpfung, zur Kreativität, zum Leben gehört wie die Luft zum Atmen. Und Atem, Hauch und Wind, der Bewegung ins Leben bringt, heißt ruach auch wörtlich übersetzt.
In einem der Texte die heute in den katholischen Kirchen gelesen werden geht es um diese weibliche Seite Gottes. Die als wundervoll, gut und gutmütig beschrieben ist.
Und was wären die Religionen und die Kirchen ohne den weiblichen Geist, den lebensspendenden, liebevollen, beharrlichen und oft so tapferen Geist der Frauen.
Dabei denke ich an große Frauen: Maria und Maria Magdalena, die sich als einzige unter das Kreuz Jesu getraut hatten und die die ersten Zeuginnen der Auferstehung waren.
Ich denke an Frauen wie Katharina von Bora, die Frau Luthers, ohne die er seinen Einsatz für die Reformation wohl kaum so energetisch und dauerhaft hätte bringen können.
Ich denke aber nicht nur an große christliche Frauen, denn der Geist Gottes lässt sich wohl nicht auf bestimmte Religionen beschränken.
Ich denke gerade zur Zeit an die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in Birma, die seit 12 Jahren unter Hausarrest steht und nicht nachlässt in ihrem sanften Widerstand gegen die brutale Militärdiktatur.
Ich denke aber nicht nur an die großen Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen. Bei der weiblichen Wirkung des Gottesgeistes denke ich gerade auch an die vielen Frauen, die im Stillen, im Hintergrund an der Vermenschlichung des Lebens arbeiten. An die vielen Frauen die den Glauben weitergeben dadurch wie sie leben, ohne große Worte oder Interesse an Macht- und Karriere-Gedöns in der Kirche.
Einen schönen Sonntag wünsch’ ich Ihnen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2486