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SWR1 3vor8

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus der Gefangenschaft geführt habe. …Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen. 2. Mose 20

Ich hätte große Lust, den Vertrag mit meiner Handyfirma zu kündigen.
Und zwar wegen eines Fernsehspots, den ich mehr als grenzwertig finde.
Vielleicht haben sie ihn schon gesehen:
Der Spot spielt mitten in einer Großstadt, könnte New York sein. An einer Fußgängerampel wartet ein Haufen Menschen. Plötzlich legt eine kräftige dunkelhäutige Frau los und
singt aus vollem Hals den berühmten Gospelsong: "He`s got the whole world in his hand." Und die anderen um sie rum machen auch gleich mit.
Und was lässt sie so begeistert singen? Warum feiern sie Gott, mitten in New York? --
Sie feiern gar nicht Gott. Ihr ‚he’s got the world’ gilt einem anderen. Sie besingen ein
blasses Jüngelchen, das ein Handy meines Netzbetreibers in der Hand hat. Und der
soll also damit die ganze Welt in seiner Hand haben?

Sie fragen sich, wieso ich mit diesem Werbespot meiner Handyfirma ein Problem habe?
Ich finde das Missbrauch. Missbrauch eines tollen Songs, den ich sehr liebe. Weil in ihm ein wunderbarer Glaube zum Ausdruck kommt:
„Gott hält die ganze Welt in seiner Hand.“ Mich und Sie. Dieser Gott gibt Halt im Leben,
wenn es wackelt. Er gibt gute Ziele, damit man weiß wo’s hingeht. Lässt Menschen wieder hoffen, wenn die Zukunft verbarrikadiert ist. Dieser Gott hat es verdient, dass man so von ihm singt. „He’s got the whole world in his hand.“
Und das wird mit diesem Spot total banal: Aus dem „he“ = „Gott“ wird ein blasses Jüngelchen, das auf seinem Handy ein bißchen durch die Welt surfen kann.
Und aus dem kraftvollen Song wird ein Verkaufsschlagerchen.

Ich finde diese Banalisierung Missbrauch. Missbrauch des Liedes, Missbrauch dieses Glaubens und Missbrauch Gottes. Wie es in den 10 Geboten steht, an die heute in den evangelischen Kirchen erinnert wird:
Da heißt es im 3. Gebot: "Ich bin der Herr Dein Gott, der Dich aus der Gefangenschaft
in die Freiheit geführt hat. Du sollst meinen Namen nicht missbrauchen.“

Logisch, Gott tut so ein Missbrauch nicht weh. Er braucht dieses Gebot nicht. Aber mir, Menschen, tut es gut. Ich glaube, es schadet, wenn man es nicht achtet. Wenn der Glaube
so entwertet wird und mit einem Gottesnamen rumgespielt. Sollen unsere kids wirklich
das Handy für das Größte im Leben halten? Materielle Werte? Sie brauchen doch, wie ich,
ein Fundament, das sie trägt, etwas woran sie sich halten können im Leben. Werte,
die mehr wert sind als so ein Kaufteil.
Oder übertreibe ich, soll man die 10 Gebote heute nicht mehr so ernst nehmen? https://www.kirche-im-swr.de/?m=2242