Manuskripte

SWR3 Worte

Kaufen Sie rechtzeitig Brot – in Scheiben geschnitten. Bestellen Sie ihr Mittagessen beim Lieferservice. Packen Sie schon am Samstag Ihre Tasche für Montag. (…) Schicken Sie Ihre Familie auf einen Ausflug. Gucken Sie Gottesdienst – vom Sofa aus im Fernsehen. Schalten Sie Ihr Telefon aus – und den AB auch. Legen Sie Ihre Armbanduhr ab. Sperren Sie Ihr schlechtes Gewissen in die Besenkammer. Verlieren Sie den Schlüssel.

 

Quelle:  Tipps für einen faulen Sonntag. in: Andere Zeiten e.V. (Hg.): sonntags, (Buch ohne Seitenzahlen), Hamburg 2009.

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Ein junger Mann war bei einem älteren Freund zu Gast, dessen Gerechtigkeitssinn berühmt war. Er sah, wie der ältere mit seinen Kindern umging, und er wunderte sich sehr: "Du sagst, dass Du jedes deiner Kinder so liebst wie das andere. Nun sehe ich aber, dass du sie unterschiedlich behandelst. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?"

"Sie besteht darin", antwortet der Ältere, "dass ich mich bemühe, jedem Kind gerecht das zuzuteilen, was es braucht. Würde ich sie alle gleich behandeln, wäre ich doch wohl sehr ungerecht."

Quelle: http://www.hot-akademie.de/tipps-infos/geschichten/gerechtigkeit.html

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Aus dem „irischen Tagebuch“ von Heinrich Böll:

Passiert einem in Deutschland etwas, versäumt man den Zug, bricht man ein Bein, macht man Pleite, so sagen wir: Schlimmer hätte es nicht kommen können. Immer ist das, was passiert, gleich das Schlimmste – bei den Iren ist es fast umgekehrt: bricht man hier ein Bein, versäumt man den Zug, macht man Pleite, so sagen sie: It could be worse – es könnte schlimmer sein: man hätte statt des Beines den Hals brechen, statt des Zuges den Himmel versäumen, und statt Pleite zu machen, hätte man seinen Seelenfrieden verlieren können (…). Was passiert, ist nie das Schlimmste, sondern das Schlimmste ist nie passiert.

Quelle: Heinrich Böll: Irisches Tagebuch, dtv München, 42. Auflage 1994, S. 127

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Der Münchner Pfarrer Rainer Schießler sagt über den Tod:

Der größte Fehler, den wir machen, ist, dass wir den Tod zu unserem Todfeind erklären. Es ist ein aussichtsloser Kampf – weil der Tod ihn immer gewinnt. Als meine Mutter starb, hatte ich dagegen (…) angekämpft. Beim Tod meines Vaters war da schon Demut, weil bei mir angekommen war, dass der Tod ein Übergang ist und zum Leben gehört.

Also halte ich es lieber mit dem heiligen Franziskus, der den Tod zu seinem Bruder erklärt. Was ich nicht bekämpfen kann, muss ich umarmen. Der Tod als Bruder darf für mich nichts Fremdes sein. Der Bruder ist mein anderes Ich. Ich bin nicht mit ihm verheiratet, ich bilde mit ihm keine Familie – und doch gehört er seit meiner Geburt untrennbar zu mir. Er ist näher an mir dran als jeder andere.

 

Quelle: Rainer M. Schießler: Himmel, Herrgott, Sakrament, Kösel-Verlag München 2016, S. 178.

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Eine Geschichte von Leo Tolstoi

Drei Frauen wollten am Brunnen Wasser holen. (…)

„Mein Sohn“, sagte die erste, „ist so geschickt, dass er alle hinter sich lässt …“

„Mein Sohn“, sagte die zweite, „singt so schön wie die Nachtigall. (…)“

„Und warum lobst du deinen Sohn nicht?“ fragten sie die dritte, als diese schwieg.

„Er hat nichts, was ich loben könnte“, entgegnete sie. „Mein Sohn ist nur ein gewöhnliches Kind (…).“

Die drei Frauen füllten ihre Eimer und gingen heim. (…) Die Eimer waren schwer, und die abgearbeiteten Hände schwach. Deshalb machten sie eine Ruhepause (…).

Da kamen ihnen die drei Jungen entgegen. Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad. Die Frauen riefen: „Was für ein geschickter Junge!“ Der zweite sang so herrlich wie die Nachtigall, und die Frauen lauschten andächtig und mit Tränen in den Augen. Der dritte Junge lief zu seiner Mutter, hob die Eimer auf und trug sie heim. (…)

 

Quelle: https://www.plough.com/de/themen/kultur/kurzgeschichten/die-drei-sohne

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Die Journalistin Valerie Schönian denkt über den allwissenden Gott nach, und wie wir Menschen trotzdem frei sein können. Sie sagt:

"Wenn es Gott gibt (…), dann (…) weiß er unsere Zukunft, aber gleichzeitig sind wir frei in unseren Entscheidungen. Dann ist unser Leben wie ein unendliches Baumdiagramm, in dem wir selbst über jede Abzweigung entscheiden, aber er trotzdem immer schon sieht, wie es weitergeht, weil er alle Möglichkeiten kennt." 

Quelle: Valerie Schönian: Halleluja, Piper-Verlag München 2018, Pos 2948

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Das „Café Manna“ in Heidelberg ist so etwas wie ein St-Martins-Ort. Die Menschen, die dorthin gehen, teilen nicht Kleidung oder Geld, sondern sie teilen Zeit. Elisabeth schreibt über das „Café Manna“:

Der Wohnungslose, der alles was er hat auf dem Fahrrad transportiert. Die Frau, die ihre Arbeit verloren hat und nun mit ihrer Zeit nichts anzufangen weiß. Mit ihnen und einigen anderen treffe ich zusammen, wir frühstücken miteinander, kommen ins Gespräch. Ich darf dabei sein. Ich habe eine Wohnung und muss mir keine Gedanken um mein tägliches Brot machen. Aber daraus machen wir keinen Unterschied. Hier sitzen wir alle am selben Tisch und begegnen uns respektvoll, herzlich, auf Augenhöhe.

 

Quelle: https://andereorte.de/app/Ort/5

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