Manuskripte

SWR3 Worte

Tim Daubach war 9 Monate lang in Asien unterwegs. Dabei ist er erlebt völlig unvermutet beschenkt worden. Wie sich das anfühlt, erzählt er:

„An einem Abend in Myanmar habe ich Schutz vor dem Monsunregen gesucht, unter einem kleinen Vordach. Plötzlich stand ein kleines muslimisches Mädchen vor mir und drückte mir einen Regenschirm in die Hand. Ich folgte ihr zu ihrer Mutter. Die sprach kein Englisch, aber sie machte mir deutlich, dass ich den Schirm behalten solle. Ich habe abgelehnt, aber sie hat darauf bestanden.

Auf dem trockenen Weg zurück in meine Unterkunft, kamen mir die Tränen. Vor lauter Überwältigung, wie gut Menschen sein können. Einfach so.“

Film „Look beyond“ 2017, Tim Daubach

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Durchlässig bleiben und sich berühren lassen. Der Schriftsteller Hermann Hesse hat auf den Punkt gebracht, wozu das gut ist. Er schreibt:

„Dass Gott in jedem von uns lebt, dass jeder Fleck Erde uns Heimat sei, jeder Mensch uns verwandt (…) ist, dass das Wissen um diese göttliche Einheit alle Trennung in Rassen, Völker, in Reich und Arm, in Bekenntnisse und Parteien als Spuk und Täuschung entlarvt – das ist der Punkt, auf den wir zurückkehren, wenn furchtbare Not oder zarte Rührung unser Ohr geöffnet und unser Herz wieder liebesfähig gemacht hat.“

Schorlemmer (Hg) , Das wird dir bleiben

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Die Liebe ist der Schlüssel zu einem guten Leben. Nicht die Moral. Das findet zumindest Jörg Zink. Der Journalist und Pfarrer rät daher:

„Mach keine Moral aus dem Evangelium. Versuch es: Lebe nach der Liebe. Du wirst immer wieder vor der Wahl stehen: Soll ich tun, was mir vorgeschrieben ist – oder soll ich tun, was die Güte will?
Tu, was die Güte will.
Ich kann dir nicht versprechen, dass dein Leben dann leichter wird. (…) Du wirst den Widerstand spüren, auf den jede Liebe trifft.
Den Widerstand der Macht. Den Widerstand von Gesetzen und Ordnungen.

(…)

Aber du wirst selbst fest und klar überzeugt sein: Das genau ist, was ich tun muss, um das Böse zu überwinden. Du wirst mehr als andere wissen, was Erfüllung des Lebens, (…)  was der tiefere Sinn deines Daseins sei, und niemand wird dir diese Erkenntnis nehmen können.
Sie ist klar und einfach und unwiderlegbar.

Jörg Zink, Erinnerungen. Sieh nach den Sternen – gib acht auf die Gassen

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Das behauptet der Attac-Mitbegründer und Theologe Friedrich Schorlemmer. Er sagt:

„Liebe macht nicht blind.
Liebe macht in einem Maße sehend, dass andere mit ihren Wahrnehmungsmöglichkeiten oft nicht mehr mit- und standhalten können.

Wer liebt, ist Weltengründer, daher die Vermutung, Liebe sei etwas Göttliches.“

Der andere Advent 2013/14

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Warum Beten? Weil es erdet. Immer. Sagt zumindest der Musikproduzent Dieter Falk. Er erzählt:

„Ich bete oft und gerne, auch außerhalb der Essenszeiten in der Erkenntnis, dass Gebet ein ständiger Draht nach oben ist: manchmal kindlich-naiv mit einer schnellen Bitte, mitunter als schnelles Dankgebet (‚Gott, gib, dass der nicht direkt korrigierbare Mist, den ich gerade gebaut habe, keine Folgen hat.‘(…)), wenn ich knapp an einem Unfall vorbeigerauscht bin.
Zudem bete ich auch oft als eine Art Schrei nach oben, wenn die Bilder alltäglicher Gewalt mich erdrücken.“

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Logik für den Advent bietet Susanne Niemeyer an.

Um etwas zu begreifen
muss man es fassen,
Gott kann man nicht fassen
auch nicht anfassen.
Also kann man Gott nicht begreifen
Aber - .
Wenn Gott in allen Dingen ist
Kann man einfach alle Dinge anfassen
und begreift Gott

Susanne Niemeyer, Damit wir klug werden. 100 Experimente mit Gott

 

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Sorge um das Christentum? Pater Mourad ist das fremd. Monatelang ist er von Mitgliedern der der radikal-islamistischen IS gefangen gehalten worden. Viele Menschen seiner Gemeinde wurden verschleppt und terrorisiert, sein Kloster größtenteils zerstört. Nach seiner Flucht sagt er dennoch voller Zuversicht:

„Ich habe keine Angst um das Christentum. Jesus hat uns versprochen, dass die Kirche sich auf ihm errichtet hat. Es besteht also keinerlei Gefahr, dass sie jemals zerstört wird. Das Christentum ist ja nicht nur ein Etikett. Es ist eine Lebensform, geprägt von Mitmenschlichkeit. (…)

Wir sind als Christen dazu aufgerufen, alle Menschen die Liebe Jesu spüren zu lassen, egal welcher Religion sie angehören. Es geht nicht, dass man den Leidenden dieser Welt den Rücken zukehrt.“

Pater Mourad im FAZ-Interview, 20.10.2016

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