Manuskripte

SWR3 Worte

Die Not der Menschen in Syrien ist nach wie vor  unvorstellbar
Sind einzelne, auch kleine private Initiativen da nicht ein Tropfen auf den heißen Stein?
Nein, meint Rupert Neudeck, Vorsitzender des Friedenscorps der Grünhelme:

Der Tropfen auf den heißen Stein ist wahrscheinlich
die größte Wirksamkeit in der Menschheitsgeschichte,
die wir uns vorstellen müssen,
weil wenn wir den Tropfen oder die vielen Tropfen,
die zusammenkommen,
wenn wir das nicht machen würden,
würde ein Teil dieser Menschen jetzt verhungern.
Die UNO, um das klar zu sagen,
 die UNO und die westlichen Regierungen
können mit Regierungsmitteln das alles nicht machen.
Das heißt, das ist die große Stunde zur Rettung von Menschen,
von Kindern, von Frauen, von Familien, die große Stunde der privaten Hilfe.
Das ist die einzige Möglichkeit, mit der die syrische Bevölkerung gegenwärtig überlebt.

(Deutschlandfunk, Rupert Neudeck im Interview 6.3.2014, http://www.deutschlandfunk.de/syrien-verlassenes-volk.694.de.html?dram:article_id=279267)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17709

Professor Werner Arnold hat in Maloula gelebt.
Maloula ist ein kleines christliches Dorf in Syrien.
In Maloula stand die älteste Kirche der Christenheit
Im September 2013 wurde das Dorf besetzt und zerstört
Von Kämpfern der Al Qaida
Die muslimischen Nachbarn haben die Christen aufgenommen und gerettet.
Erst seit wenigen Wochen ist Maloula wieder frei.
Die Bewohner hoffen zurückzukehren, Professor Arnold meint:

Sie meinen sie könnten ihr großes Fest im September wieder feiern.
Das glaube ich noch nicht.
Es gibt keinen Strom und kein Wasser.
Die Leitungen sind herausgerissen
und über die Grenze in den Libanon verscherbelt.
Die Häuser sind zerstört und die Kirchen und die Klöster.
Aber dass die Christen zurückkehren können in ihr Dorf,
das wollen wir hoffen
und dass Maloula weiterleben kann
und mit den Menschen dort auch ihre Sprache,
die Sprache die schon Jesus gesprochen hat
und die nur hier noch gesprochen wird.

(mündlich bei Vortrag)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17708

Hassan Mousa ist Syrer und lebt seit Jahren in Deutschland.
Er hat eine Idee dazu, warum Syrien dem Westen so egal ist:

„Von 23 Millionen Syrern sind 9 Millionen auf der Flucht
Über 200.000 sind tot, über 500.000 verletzt oder todkrank
Die UNO hat aufgehört zu zählen
Es gibt keine Hilfsorganisationen mehr im Land.
Etwa 150.000 sind radikale Kämpfer.
Alle anderen wollen Freiheit und Frieden.
Aber Baschar al Assad ist es gelungen
seinen Anhängern zu erklären
dass jeder radikale Kämpfer in seinem Land
eine Familie und Freunde hat,
die genauso radikal und fundamentalistisch sind.
Das ganze Volk gehöre zur Al Qaida sagt Assad.
Das glauben ihm seine Anhänger
Und das glaubt wohl auch der Westen
Deswegen: wenn wir hier suchen nach Menschen die uns unterstützen
Die die Sehnsucht des syrischen Volkes nach Frieden und Freiheit unterstützen
Dann haben alle Angst Al Qaida zu unterstützen.
Und das tun sie nun auch
Weil sie nichts tun.“

(mündlich bei Vortrag- ohne schriftl. Quelle)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17707

Einmal sollte man …. sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.
Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
Um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
Man müsste sich zu Bäumen und Gräsern neigen,
als ob das immer so gewesen wär.
Man sollte sich nie mehr mit Konferenzen,
Prozenten oder Aktenstaub befassen.
Man müsste Konfession und Stand verlassen
Und eines schönen Tages das Leben schwänzen.

Man trabt so traurig mit in diesem Trott
…Es ist fast, als stünde man beim lieben Gott
Allein auf der schwarzen Liste.
Man zog ein Lebenslos „zweiter Wahl“.
Die Weckeruhr rasselt. Der Plan wird verschoben.
Behutsam verpackt man sein kleines Ideal.
Einmal aber sollte man…
Findet die Dichterin Mascha Kaleko

(Einmal sollte man… Mascha Kaleko, Collection Büchergilde, 2013)

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17706

Aus dem Lexikon religiöser Irrtümer:

Charismatisch nennt man Menschen mit einer ausgeprägten Begabung
(ein charismatischer Konzertpianist)
Mit einer faszinierenden Ausstrahlung
(„die hat Charisma, das gewisse Etwas“)
Oder mit der Fähigkeit andere zu überzeugen, mitzureißen und anzuleiten
(eine charismatische Führerfigur)
Der Begriff kommt vom griechischen (Wort) Charis, die Gnade.

Im neuen Testament werden neben den „natürlichen“
auch noch übernatürliche Begabungen
so genannte „Gaben des Heiligen Geistes“ aufgelistet:
Dem einen schenkt Gott im rechten Moment
Das richtige Wort,
ein anderer kann durch den Heiligen Geist
den Willen Gottes erkennen;
wieder anderen schenkt Gott unerschütterliche Glaubenskraft;
anderen die Gabe Kranke zu heilen.
Manchen ist es gegeben Wunder zu wirken.
An Pfingsten feiert die Kirche diese Gaben des heiligen Geistes

(Andreas Malessa, Kleines Lexikon religiöser Irrtümer. Gütersloher Verlagshaus 2007. 4. Aufl)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17705

Hildegard von Bingen formulierte vor etwa 1000 Jahren dies Gebet:

Feuer du und Tröster-Geist
Leben des Lebens aller Geschöpfe!
Alles durchdringst du –
Die Höhen, die Tiefen und jeglichen Abgrund.
Heilig bist du: Du belebst die Geschöpfe.
Heilig  bist du: du salbst die Verletzten.
Heilig bist du: du reinigst die Wunden.
Hauch aller Lebendigkeit
Atem des Lebens
Feuer der Liebe
Zärtlich verkündest du die Botschaft den Elenden
Erfüllst mit Sehnsucht unsere Herzen
Du rufst uns zusammen zu deiner Gemeinschaft
Du kennst uns von Ansehen
Du weißt unsere Namen
Du führst unseren Geist ins Weite
Und befreist uns zum Leben.
Lob sei dir!

Inta Interreligöses Forum, Nr. 1- 1. Jg 2014, „Göttliche Leidenschaften“, Interreligiöse Feier zum Internationalen Frauentag, Hg.: Schlangenbrut e.V.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17704

Gott ist nicht leicht
Gott ist nicht schwer
Gott ist … kompliziert ist hochdifferenziert
Aber nicht schwer
Gott ist das Lachen nicht das Gelächter
Gott ist die Freude nicht die Schadenfreude
Das Vertrauen nicht das Misstrauen …
Er schickt seit Jahrtausenden
Den Heiligen Geist in die Welt
Dass wir zuversichtlich sind
Dass wir uns freuen
Dass wir aufrecht gehen ohne Hochmut
Dass wir jedem die Hand reichen ohne Hintergedanken
Und im Namen Gottes Kinder sind
In allen Teilen der Welt
Eins und einig sind
Und Phantasten … werden von zartem Gemüt
Von fassungsloser Großzügigkeit
Und von leichtem Geist …

Hanns-Dieter Hüsch
(Hüsch, Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für Alletage, tvd-Verlag, 1996)

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17703