Manuskripte

SWR3 Worte

Der Schweizer Autor Lorenz Marti über das Atmen.

 „Atmen ist mehr als Gasaustausch. Atmen ist praktizierte Spiritualität. Und Atmen ist Meditation: Die Konzentration auf das Ein und Aus der Atemluft ist eine wirkungsvolle Methode, um den aufgewühlten Geist zu beruhigen. Der Atemfluss muss dabei gar nicht verändert werden. Es genügt, ihn einfach zu beobachten. Die Luft kommt und geht, wie die Wellen der Meeresbrandung. [...] Nicht ich atme - es atmet mich.

Ein und aus, ein und aus. Rund zwanzigtausend Atemzüge sind es pro Tag. Zwanzigtausend Gelegenheiten zur Ruhe zu kommen und sich mit anderen Menschen, den Tieren und Pflanzen, der Erde und dem Kosmos zu verbinden.

Manchmal liegt das Wesentliche direkt vor beziehungsweise unter unserer Nase."

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 Der Schauspieler Moritz Bleibtreu wurde in einem Interview gefragt: An welchen Gott glaubst du? Das hat er geantwortet:

 „Vieles in unserem Leben ist weit weniger zufällig, als es am Anfang erscheint; im Nachhinein macht vieles Sinn, schließlich passt vieles doch zusammen. Hat man das einmal für sich erfahren, ist es fast unmöglich, nicht daran zu glauben, dass es etwas gibt, das diese materielle Masse zusammenhält. Meinem kleinen Gott fühle ich mich sehr verbunden und sehr nah. Dieses Gottvertrauen hat sehr viel mit Urvertrauen zu tun und das wiederum sehr viel mit Liebe."

 

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Das Magazin „Andere Zeiten" über das Singen in einem Chor.

 „Auf einmal wird es ruhig, die Augen sind wach, wenn der Chorleiter den Takt angibt: „Legt den Ton in die Hand hinein, spürt den Atem im Rücken, lasst den Klang schwingen, bis ihr ihn im Bauch fühlt." So etwas kann man sich nicht selbst sagen. Oft proben die Chorsänger wochenlang an Stücken, die sie zuhause für sich allein nicht einmal hören würden. Durch die intensive Beschäftigung mit Texten und Noten eröffnen sich weite Horizonte. Dieses Erleben ist den Gesichtern anzusehen, als das sperrige, moderne Stück am Ende der Probe vielstimmig erklingt. „Ich fühle mich nie so religiös, wie wenn ich hier singe", bekennt eine Sängerin. Ein solcher Chor ist Heimat."

 

 

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Sie sind einzigartig!

 „Herzlichen Glückwunsch: Sie sind einzigartig! Einen Menschen wie Sie gibt es kein zweites Mal. Unter den rund 107 Milliarden Menschen, die bisher diesen Planeten bewohnt haben, ist kein einziger identisch mit Ihnen. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. Die Natur kennt keine Kopien. Sie sind ein Original.

Wie außergewöhnlich Ihr Dasein ist, zeigt auch ein Blick in die wechselhafte Geschichte des Universums. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Sie gibt, liegt praktisch bei Null. Trotzdem sind Sie da. Und die Welt wäre bestimmt ärmer ohne sie!"

 

Aus dem Buch „Eine Hand voll Sternenstaub" des Schweizer Schriftstellers Lorenz Marti .

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Heute ist der Internationale Tag der Freundschaft. Eine vorbildliche Freundin war Rut, eine Frau aus der Bibel. Sie war unterwegs mit ihrer Freundin und Schwiegermutter Noomi. Noomi meint, dass Rut sie nur aus Pflichtgefühl begleitet und bietet ihr an, alleine weiter zu reisen. Für Rut wäre es einfacher umzukehren. Aber sie entscheidet sich anders. Sie entscheidet sich für ihre Freundin. Sie sagt:

 „Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein."

 

Aus dem Buch Rut.

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Das Tagesprogramm vom Dichter und Erzähler Hans Kruppa.

 „Heute will ich aus dem Rahmen fallen und weich landen,
dann zu der Musik in meinem Kopf schön aus der Reihe tanzen,
mich zum Ausruhen zwischen die Stühle setzen,
danach ein bisschen gegen den Strom schwimmen,

unter allem Geschwätz wegtauchen
und am Ufer der Phantasie so lange den Sonnenschein genießen,
bis dem Ernst des Lebens das Lachen vergangen ist."

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Ein Morgengebet des Schweizer Theologen Pierre Stutz. 

Beim Aufstehen

Deine Gegenwart erahnen

Da stehen

Im Wahrnehmen des Atems

Dein Entgegenkommen spüren

Gerade stehen

Aufrichtig werden

Meine Grenzen annehmen

Weil Du mich annimmst

Auch in meinen schlaflosen Nächten

 

So kann ich

Am Morgen deine Zuwendung verkünden

Und in den Nächten Deine Treue

Jeden Morgen neu ja sagen zu mir

Im liebevollen Pflegen meines Körpers

 

Du

Salbst mich mit frischem Öl

Lässt mich meine Lebenskraft erleben

Die mir ermöglicht mich für die Würde

Aller Menschen einzusetzen.

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