Manuskripte

SWR3 Worte

Ein Gedicht zum morgigen Pfingstfest von Andreas Knapp: 

was wir wirklich empfinden
wir können es nicht sagen
die zungen würden uns brechen 

manchmal aber wie vom himmel gefallen
geistesgegenwärtiges verstehen
ich kann dein inneres betreten 

alle sprachlosigkeit findet ein ende
es brennt auf der zunge
ich finde mein wort 

simultanübersetzung unserer gefühle
es liegt jemand in der luft
der zur liebe bestürmt

(Quelle: Knapp, Andreas, Höher als der Himmel, Göttliche Gedichte von Andreas Knapp, echter Verlag 2010, S. 45.)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10808

Als der Arzt ihr mitteilte, dass sie höchstens noch drei Monate zu leben hätte, beschloss sie, sofort alle Details ihrer Beerdigung festzulegen. Zusammen mit dem Pfarrer besprach sie, welche Texte verlesen werden sollten.
»Und da gibt es noch eine wichtige Sache! Ich will mit einer Gabel in der Hand begraben werden«, sagte sie schließlich. »Eine Gabel? Darf ich fragen, warum?«.
Die Frau antwortete mit einem Lächeln: »Ich war in meinem Leben zu vielen verschiedenen Abendessen eingeladen. Und ich habe immer die Gänge am liebsten gemocht, wo diejenigen, die abgedeckt haben, gesagt haben: Die Gabel kannst du behalten. Da wusste ich, dass noch etwas Besonderes kommen würde. Nicht nur Eis oder Pudding, sondern etwas Richtiges, ein Auflauf oder etwas Ähnliches. Ich will, dass die Leute auf mich schauen, wenn ich da in meinem Sarg liege mit einer Gabel in der Hand. Da werden sie sich fragen: Was hat es denn mit der Gabel auf sich? Und dann grüßen Sie sie und sagen ihnen, dass sie auch die Gabel behalten sollen. Es kommt noch etwas Besseres.«

Eine Geschichte von Kristina Reftel.

(Quelle: Kristina Reftel, Adventskalender für Andere Zeiten 2010, Hamburg 2010.)

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„Sitz mal still und hör auf, dich unaufhörlich einzumischen. Sieh dir an, was passiert. Die Vögel fallen nicht tot vom Himmel. Die Bäume verkümmern nicht und sterben nicht, die Flüsse sind nicht rot von Blut. Das Leben geht weiter. Sogar die italienische Post wurstelt irgendwie weiter und macht ihren Stiefel, ohne dich... Warum bist du dir so sicher, dass du jeden Augenblick bis ins Kleinste planen musst und dass das alles so ungeheuer bedeutsam ist? Warum lässt du der Welt nicht einfach ihren Lauf?

Aus dem Roman „Eat Pray Love" von Elizabeth Gilbert.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10806

Ein Schiff segelt hinaus und ich beobachte
wie es am Horizont verschwindet.
Jemand an meiner Seite sagt: "Es ist verschwunden."
Verschwunden wohin?
Verschwunden aus meinem Blickfeld - das ist alles.
Das Schiff ist nach wie vor so groß wie es war als ich es gesehen habe.
Dass es immer kleiner wird und es dann völlig aus meinen Augen verschwindet ist in mir,
es hat mit dem Schiff nichts zu tun.
Und gerade in dem Moment, wenn jemand neben mir sagt, es ist verschwunden, gibt es Andere die es kommen sehen, und andere Stimmen, die freudig aufschreien: "Da kommt es!"
Das ist sterben.

Was ist Sterben? von Charles Henry Brent.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10805

Bernhard Meuser schreibt in seinem Buch Christsein für Einsteiger über eine französiche Ordensfrau und die Nächstenliebe:

„Sie entschied sich im Alter von 65 Jahren, auf die Müllkippen von Kairo zu ziehen, weil dort Millionen Menschen vegetieren, bei denen kleinste Regungen der Liebe gebraucht wurden wie reine Luft, Brot und frisches Wasser. Endlich fand sie, was schon die heilige Katharina von Siena in der Nächstenliebe gefunden hatte: „Die Liebe weint mit den Weinenden, freut sich mit den Frohen, ist glücklicher über des anderen Wohl als über das eigene."

(Quelle: Meuser, Bernhard, Christsein für Einsteiger, Pattloch 2007, S. 37.)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10804

Gerade ist ein Buch erschienen mit dem Titel „Lieber Bruder Benedikt". Es wurde unter dem Pseudonym „Paulus" geschrieben. Es wendet sich, aus der Sicht des Apostels Paulus, an den heutigen Papst Benedikt. „Paulus" schreibt:

„Es gibt eine Vielfalt christlichen Denkens. Es gibt eine Vielfalt von Theologien. Es gibt eine reiche Vielfalt, die nicht auf eine Linie zu bringen ist, aber dennoch den einen und einzigen Gott bekennt. Also, lieber Benedikt, habe den Mut, in deiner Kirche Unterschiede im Verständnis Jesu zuzulassen. Diese Vielfalt gehört zur Freiheit der Christen, die nicht einengt, sondern bereichert."

(Quelle: Paulus, Lieber Bruder Benedikt, Patmos, 2010, S. 55.)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10803

Zum heutigen „Welttag der Umwelt" ein Zitat aus dem biblischen Schöpfungsbericht. Dieser endet mit einer starken Aussage, die Gott uns mitgibt:

„Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut."

Die Bibel, Buch Genesis - Gen 1,31a

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10802